Ludwig-Erhard-Gipfel: „Wir möchten Ihnen folgende Formulierung an die Hand schenken“

Für Kulturstaatsminister Wolfram Weimer boten die vergangenen Wochen wieder viel Übung im Umgang mit wissbegierigen Medien. Berlinale, Buchhandlungspreis – und zuletzt berichtete auch noch die Zeitschrift „Der Spiegel“, dass es für den einst von Weimer und seiner Frau gegründeten Ludwig-Erhard-Gipfel, der Ende April abermals am Tegernsee stattfinden soll, „nicht allzu gut“ aussehe.

Zwar versuche die den Gipfel veranstaltende Weimer Media Group, Optimismus zu verbreiten. Die Nachfrage sei „groß“, habe sie demnach erklärt, das Programm „nahezu ausgebucht“. Rund 90 „hochkarätige Speaker“ hätten ihre Teilnahme zugesagt. Doch nach Informationen des Magazins bietet die Mediengruppe Gratistickets an. Bis heute fehlen das Programm und die Rednerliste auf der Website. Dem „Spiegel“ liegt ein Entwurf vor, der kürzlich an Sponsoren verteilt wurde. Mehrere Redner hätten zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgestanden, im Programm sei das mit „N. N.“ gekennzeichnet.

„Wir freuen uns auf die Diskussionen“

Auch der F.A.Z. liegt etwas vor. Und zwar eine E-Mail des „Head of LEG“, also des COO des Ludwig-Erhard-Gipfels. Er schreibt an die Sponsoren: „Uns wurde berichtet, dass vereinzelt Presseanfragen an Partner des Ludwig-Erhard-Gipfels gestellt werden.“ Hintergrund dürften die kritischen Berichte aus dem vergangenen Jahr sein. Das rechtslibertäre Onlineportal Apollo News hatte im November als Erstes berichtet, dass die Weimer Media Group im Rahmen von Teilnahmepaketen, die mehrere Zehntausend Euro kosten, „Premiumvernetzung in entspannter Atmosphäre“ sowie „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ offeriere. Weimer hatte stets die Rechtmäßigkeit aller Gipfelgeschehnisse hervorgehoben.

Der „Head of LEG“ schreibt weiter: „Da einige Partner auf uns zugekommen sind und nach einem Wording für eine mögliche Antwort gefragt haben, möchten wir Ihnen folgende Formulierung als Grundlage zur Beantwortung an die Hand geben.“

Die vom Head of LEG vorgeschlagene „Antwort-Option“ lautet: „Wir unterstützen den Ludwig-Erhard-Gipfel sehr gern, weil er seit vielen Jahren eine bedeutende Plattform für den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft darstellt. Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Lage halten wir solche offenen Dialogformate für besonders wichtig. Über konkrete vertragliche Details äußern wir uns grundsätzlich nicht öffentlich. Wir freuen uns auf die Diskussionen und Begegnungen beim diesjährigen Gipfel. In den vergangenen Jahren konnten wir stets wertvolle Impulse mitnehmen.“

Wer jetzt glaubt, das klinge nach dem Krisenmanagement des im Krisenmanagement hocherfahrenen Wolfram Weimer, muss aufpassen. Denn der hat nach eigenen Angaben mit der Organisation des Tegernsee-Gipfels 2026 nichts zu tun.

Source: faz.net