Logistik-Schließung: Wie es nachdem dem Zalando-Krisentreffen weitergeht

Zalando will den Logistik-Standort in Erfurt schließen. Die Arbeitnehmervertreter fordern wirtschaftlich belegbare Gründe.
Am Donnerstagabend fand in Erfurt die erste Betriebsversammlung zur Standortschließung von Zalando statt. Die Belegschaft und der Betriebsrat wurden scheinbar vor vollendete Tatsachen gestellt: Nun gibt es erste Gespräche mit dem Management, und weitere Schritte stehen fest.
E-Commerce
Zalando baut weitere Stellen ab
Während Politiker, Gewerkschaften und der Betriebsrat nach der Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt nach Perspektiven für die 3000 Beschäftigen suchen, gibt das Unternehmen weitere Entlassungen bekannt. Alle Details.
Was erwartet der Betriebsrat?
Nach Angaben von Krause lässt sich der Betriebsrat von einem Rechtsanwalt und einer Wirtschaftsprüferin beraten. „Wir erwarten Unterlagen, warum die Schließung wirtschaftlich begründet ist“, sagte Betriebsratsvize Frank Roth. Danach gehe es um die Frage, „gibt es Alternativen und wie können diese aussehen“. Zalando gehört zu den großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland und ist im Dax gelistet. „Wir arbeiten in einem funktionierenden, milliardenschweren Unternehmen“, sagte Roth.
Termin für die geplante Jobbörse
Voraussichtlich am 26. Februar sollen sich Firmen vorstellen, die Zalando-Beschäftigte einstellen wollen. Die Jobangebote richten sich an die Arbeitnehmer, deren befristete Verträge in den nächsten Wochen auslaufen. Nach Betriebsratsangaben sind das etwa 500 Menschen. Laut Arbeitsagentur gibt es in der Region fast 100 Unternehmen, die signalisiert haben, dass sie Arbeitnehmer einstellen wollen – von Logistik über Pflege, Gastgewerbe, Handel bis Handwerk. Wie viele davon bei der Jobbörse vertreten sein werden, sei noch offen.
Logistik-Schließung
Zalando-Betriebsrat: Mehr als 3000 Arbeitnehmer betroffen
Langsam werden die Folgen der Zalando-Schließung in Erfurt deutlicher. Betroffen sei nicht nur die Stammbelegschaft mit 2700 Arbeitnehmern, sagt der Betriebsrat.
Was hat das Management angeboten?
Neben Gesprächen über die Hintergründe der Schließungsentscheidung auch Verhandlungen über einen „starken Sozialplan“. „Wir wollen euch finanzielle Sicherheit bieten und klare Perspektiven schaffen, inklusive spezieller Angebote für diejenigen, die sich frühzeitig umorientieren möchten“, sagte Personalvorständin Arndt nach Angaben eines Zalando-Sprechers bei der Betriebsversammlung. Dabei geht es auch um mögliche Abfindungen. Wie hoch die je nach Betriebszugehörigkeit ausfallen könnten, ist unklar.
Chancen, Schließung zu verhindern?
Darüber gehen die Meinungen auseinander. Das Management ließ an der Standort-Schließung keinen Zweifel. Standortleiter Stefan Rutschmann sagte nach Unternehmensangaben, „die Entscheidung, den Standort Erfurt zu schließen, ist aus Sicht des Unternehmens unumgänglich“. Zalando habe jede andere Option geprüft.
Online-Handel
So kämpft der Zalando-Betriebsrat um den Standort Erfurt
Das börsennotierte E-Commerce-Unternehmen Zalando schließt seinen großen Standort bei Erfurt. Doch es gibt Widerstand. Und Kritik kommt nicht nur vom Betriebsrat.
Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der wie Thüringens Regierungschef Mario Voigt (CDU) den Arbeitnehmern bei der Betriebsversammlung Unterstützung zusagte, sieht das anders. „Es lohnt sich, um den Standort zu kämpfen“, sagte Ramelow der Dpa. Daran halte er fest. Es stelle sich die Frage, warum Zalando in den vergangenen Jahren nicht in den Erfurter Standort investiert habe.
Nach Meinung von Ramelow wären jetzt etwa 130 Mio. Euro nötig, um das Logistikzentrum auf den höchsten Standard zu heben. Das sollte von einem Unternehmen mit einer Aktienkapitalbewertung von 5,6 Mrd. Euro zu stemmen sein, sagte der Linken-Politiker. „Oder vielleicht will der Besitzer der Halle investieren?“ Ramelow, der Bundestags-Vizepräsident ist und viele Jahre Gewerkschaftsfunktionär war, schließt auch eine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung nicht aus. „Im Zweifelsfall wird die Situation gerichtlich geklärt.“
Thüringens Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) sagte mit Verweis auf die staatliche Förderung des Unternehmens bei der Ansiedlung in Erfurt: „Zalando darf jetzt nicht zu billig davonkommen.“ Mitbestimmung müsse gelebt werden.