„Löwenzahn“-Moderator: Peter Lustig ist seither 10 Jahre tot – und trotzdem unvergessen






Er war der Erkläronkel der Nation: Heute jährt sich der Todestag von „Löwenzahn“-Star Peter Lustig zum zehnten Mal. Warum wir sein Andenken immer noch ehren.

24 Jahre lang erläuterte Peter Lustig (1937-2016) Millionen Kindern Alltagsfragen und vermittelte ein Bewusstsein für die Umwelt. Von 1981 bis 2005 moderierte er die ZDF-Kindersendung „Löwenzahn“ – und bleibt auch zehn Jahre nach seinem Tod am 23. Februar 2016 unvergessen.



Lustig, der lustigerweise tatsächlich so hieß, war von Forscherdrang, Neugier und Fantasie angetrieben und vermittelte dies auch an seine jungen Zuschauerinnen und Zuschauer. Medienexperte Thomas Gurt fasste dessen Vermächtnis, das über den Bildschirm weit hinaus geht, einmal so zusammen: „Er steht auf einer Stufe mit dem Sandmännchen oder der Maus. Im kollektiven Gedächtnis bleibt die Figur unsterblich. Erst durch die einfühlsame Kunst und Weise, wie Peter Lustig seine Rolle ausgefüllt hat, wurde ‚Löwenzahn‚ zum Dauerbrenner und Kult im Kinderprogramm.“ Für seine Verdienste erhielt er zwei Jahre nach seinem Ruhestand 2007 sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Mit Nickelbrille und Latzhose

Mit Nickelbrille, blauer Latzhose und dem legendären Bauwagen wurde der Erklärer, Naturfreund und Tüftler in mehr als 200 Folgen und einem Kinofilm zum Kult. Wie sein Sohn Pavi Momme einige Monate nach Lustigs Tod im „Focus“ erklärte, waren die Auftritte authentisch: „Ich kann nur den Lustig geben, ich bin kein Schauspieler“, habe er oft gesagt. „Und es stimmte ja: Nickelbrille und Latzhose trug er schon, lange bevor er fürs Fernsehen arbeitete. Er war ein Menschenfreund und großer Kinderliebhaber.“


Damit räumte der Sohn auch noch einmal mit den fiesen Schlagzeilen über seinen Vater auf, die 2002 für Unruhe gesorgt hatten. „Peter Lustig – ich kann Kinder nicht leiden “ hatte die „Bild am Sonntag“ damals geschrieben und Lustig einen Stempel als Kinder-Hasser aufgedrückt.

Auslöser war ein Text in der „Stuttgarter Zeitung“, in dem Lustig allerdings über das Drehen mit Kindern berichtet hatte: „Nur in der Sendung möchte ich sie nicht, mit Kindern zu drehen ist anstrengend, und sie gehören einfach nicht vor die Kamera. Das ist Quälerei, immer.“




„Löwenzahn“-Nachbarn auch in der Realität

Eigentlich vermied Lustig zu viele Talkshow-Besuche und private Einblicke, damit seine kleinen Zuschauerinnen und Zuschauer glauben, dass er tatsächlich so lebe wie in „Löwenzahn“. Ganz so abwegig war das übrigens nicht: Einige Jahre lebte er zum Beispiel wirklich Garten an Garten mit Helmut Krauss (1941-2019), der den spießigen Nachbarn Paschulke spielte. „Da haben wir uns oft gesehen. Wir hatten beide eine Finca auf Mallorca und haben uns da immer super verstanden, ganz anders als in der Sendung“, verriet Lustig im Interview mit „einestages“. Und nach dem „Löwenzahn“-Ausstieg zogen die sprechende Ukulele und Türklingel Klaus-Dieter bei ihm ein.


Der gebürtige Breslauer war ausgebildeter Rundfunktechniker, auch Elektrotechnik hat er studiert. Das Technikwissen machte ihn für seine spätere Rolle perfekt. Beim US-Radiosender AFN arbeitete Lustig zunächst als Toningenieur, bevor er für seine Eignung vor der TV-Kamera entdeckt wurde. Bei „Löwenzahn“ brachte er sich komplett ein: „Die Texte für die „Löwenzahn“-Folgen stammten ja allesamt von ihm“, betonte sein Sohn Pavi Momme.

Dieser machte in seiner Hommage auch noch einmal darauf aufmerksam, dass Peter Lustig viele Talente besaß. So habe er auch sehr gut malen und musizieren können. „Und wir haben gern zusammen gejammt, mit Bongo, Conga und Ukulele. Er besaß als Schlagzeuger ein starkes Rhythmusgefühl, spielte in einer Band namens The Murks Brothers.“





Privat hat Peter Lustig ebenfalls viel erlebt

Peter Lustigs Privatleben könnte wohl ebenfalls etliche Bücher füllen. Er verlor seinen Vater früh, als Achtjähriger floh er mit seiner Mutter aus Breslau. Darüber schrieb seine zweite Ehefrau Elfie Donnelly (76) tatsächlich ein Buch: „Peters Flucht“. Mit der Erfinderin von „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“ bekam er Sohn Pavi Momme. Die beiden waren Anhänger der Neo-Sannyas-Bewegung von Gründer Osho und lebten zeitweise in einer Kommune. Insgesamt war Lustig dreimal verheiratet, seine dritte Ehefrau Astrid brachte drei Kinder mit in die Ehe.

Zudem machten ihm schwere gesundheitliche Probleme – 1984 erkrankte er an Lungenkrebs und musste mehrfach operiert werden – zu schaffen. Aber erst 21 Jahre später kündigte er im März 2005 den Abschied von seiner Sendung an, die Guido Hammesfahr (57) übernahm. Mit seinen humorvollen, aber auch kritischen Auftritten bei „Löwenzahn“ hat sich Peter Lustig unsterblich gemacht. Sein Appell „Abschalten!“ am Ende jeder Sendung bleibt legendär: Damit forderte er die Kinder dazu auf, in die Welt hinauszugehen, selbst zu entdecken und zu forschen.

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lpb

Source: stern.de