Literaturkritik im TV: Heidenreich fordert Schecks Rauswurf zusammen mit welcher Das Erste

Im Schlagabtausch um die Literaturkritik von Denis Scheck in der ARD legt die Autorin Elke Heidenreich noch einmal nach. Nachdem die ARD Scheck gegen den Vorwurf verteidigt hatte, er gebärde sich frauenfeindlich und habe die Autorin Ildikó von Kürthy, deren neues Buch „Alt genug“ er in die Müllkiste beförderte, herabgewürdigt, geht Heidenreich, die Kürthy zur Seite sprang und Scheck in der „Zeit“ heftig kritisierte, in die zweite Runde.

„Verächtlichmachung von Literatur“

„Die Reaktion der ARD greift zu kurz“, sagte Heidenreich dem Boulevardportal „Express.de“. „Leider“ habe auch ihr Text in der „Zeit“ aus Platzgründen sehr gekürzt werden müssen: „Es ging mir nicht nur um die Scheck’sche Frauenverachtung, die ist bekannt. Es geht um die ganze Verächtlichmachung von Literatur, die diesem Mann, der noch nie ein kluges Buch, noch nicht einen einzigen Essay, nichts, was ihn qualifizieren würde, geschrieben hat, nicht gefällt. Bestseller sind meistverkaufte Bücher. Es sind Menschen, die diese Bücher kaufen, brauchen, lesen, lieben. Das alles donnert ein Mann, der nicht mal Hochdeutsch sprechen kann, verächtlich in die Tonne, ob von Männern oder Frauen geschrieben. Seine Kriterien sind fragwürdig, er ist aufgebläht, eitel und durch nichts qualifiziert.“

„Damit“, so zitiert Express.de Heidenreich, „muss Schluss sein. Wir brauchen Bücher und Leser, nicht solche kleinen Miesmacher. Wie schon mal durchgesagt: ‚Der kleine Denis möchte endlich aus dem Kritikerparadies abgeholt werden.‘“

„Bei ‚druckfrisch‘  gibt es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit“

Scheck und die ARD hatten sich gegen den Vorwurf, Literatur, und insbesondere die von Autorinnen, mieszumachen, verteidigt.  „In der Sendung ,druckfrisch‘ gibt es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit. Der Redaktion ist der große Verdienst von Frauen für die Literatur sehr bewusst“, teilte die ARD der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.

Er bemühe sich seit 23 Jahren bei der Besprechung der Bestsellerlisten „auf engstem Raum um eine ebenso pointierte wie nachvollziehbare Bewertung höchst unterschiedlicher Texte“, sagte Scheck im Gespräch mit der dpa. Seine Kritiken gälten „den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern. In der Liste der März-Sendung“ habe er „vier Bücher von Frauen teilweise enthusiastisch gelobt, drei negativ besprochen.“ Die ARD äußerte sich ähnlich: „Rückblickend stellt die Redaktion fest, dass der Moderator bei der Liste der behandelten Bücher mehr Autorinnen gelobt als kritisiert hat“. Die ARD stehe „für Gleichberechtigung und eine vielfältige Darstellung von Perspektiven im Programm“.

Nicht gut weggekommen waren bei ihm die Neuerscheinungen von Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy. Passmanns Buch qualifizierte Scheck als „Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins“ ab. Kürthy schrieb er „Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit“ zu.

Gegen die Kritik setzte sich zuerst Ildikó von Kürthy in der „Zeit“ zur Wehr („Jetzt bin ich endlich alt genug, um so eine Respektlosigkeit, so eine Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen nicht mehr kommentarlos hinzunehmen“); ihr folgte Elke Heidenreich, Sophie Passmann äußerte sich auf Instagram und warf Scheck ebenfalls Sexismus vor.

Der Vorgang erinnert der Mechanik nach an die gescheiterte Verpflichtung des Journalisten Thilo Mischke als Moderator des ARD-Kulturmagazins „ttt“. Zunächst hatte der Senderverbund ihn kurz vor Weihnachten 2024 als neuen Moderator vorgestellt. Nach einer von einigen Autorinnen losgetretenen Kampagne und Sexismus-Debatte, die auf eine Jahre zurückliegende Äußerung und auf einen noch länger zurückliegenden autofiktionalen Roman („In 80 Frauen um die Welt“, 2010) von Mischke rekurrierte, knickte die ARD ein und verzichtete darauf, den Journalisten anzuheuern.

Source: faz.net