Lisa Kudrow steckt in „The Comeback“ im KI-Dilemma. Und mit ihr die ganze Filmbranche
Liso Kudrows Charakter Valerie Cherish hat kein Problem damit, die Hauptrolle in der ersten KI-Sitcom zu spielen. Im Gegenteil: Ist doch ein toller Claim! Rauskommen sollte das aber nicht. Nur blöd, dass sie sich so schnell verplappert
Foto: Erin Simkin/HBO
Soll Rom doch brennen, meint Drehbuchautorin Mary (Abbi Jacobsen) und bringt die Weltlage, also die Stimmung in Hollywood, damit auf den Punkt. Sie hat ihren Namen hergegeben, um zu verbergen, dass die neue Sitcom, an der sie arbeitet, in Wahrheit von künstlicher Intelligenz geschrieben wird.
Das Bittere daran ist, dass es kaum jemand bemerkt: Die Sitcom What About That?, für die sie unter Vertrag steht, ist ein intendierter Abklatsch des alten Formats mit aufgezeichneten Lachern – da stört es wenig, dass die meisten Jokes KI-recycelt sind.
Star der Serie ist eine gewisse Valerie Cherish (Lisa Kudrow), deren drittes Comeback das Ganze sein soll. Das mit der KI will Cherish selbst am liebsten nicht wahrhaben, stellt doch KI im Hollywood von heute ein absolutes Feindbild dar. Niemand will damit in Verbindung gebracht werden. Der große Streik 2023 richtete sich explizit gegen den Einsatz von KI bei der Film- und Serienproduktion.
„Die erste KI-Sitcom“ ist für die Hauptfigur der Serie ein toller Claim
Die wahre Autorschaft von What About That? muss also verheimlicht werden, auch vor dem Rest der Crew. Nur dass Valerie, das wissen alle, die ihren ersten Comeback-Versuch 2005 und ihren zweiten 2014 – die Sendedaten von The Comeback Staffel 1 bzw. 2 – verfolgt haben, das Geheimniswahren ausgesprochen schwerfällt. Schon deshalb, weil sie sich selbst ständig filmen lässt, sei es von einer Reality-TV-Crew oder mittlerweile von einer eigens dafür angestellten „Social-Media-Beraterin“.
Zusätzlich hat sie noch, wie es sich heute gehört, einen Podcast, Cherish the Time, der mit Content gefüllt werden muss. Und nicht zuletzt macht es sie auch ein bisschen stolz, der Star der „ersten KI-Sitcom“ zu sein, ist doch wenigstens dieser Claim etwas Neues in dem von alten Routinen und aufgewärmten Ideen beherrschten Filmgeschäft.
Als Satire auf den eitlen Hollywood-Betrieb ist The Comeback die ideale Ergänzung zu Seth Rogens jüngst so erfolgreicher Apple-Serie The Studio. Die Serien haben viel miteinander gemein, unter anderem die Cameos von „realen“ Stars. Und doch blieb The Comeback, von Friends-Star Lisa Kudrow zusammen mit dem Sex-and-the-City-Erfinder Michael Patrick King 2005 aus der Taufe gehoben, der große Zuspruch immer versagt.
Unsympathische Frauenfiguren haben es immer noch schwer
Es mag daran liegen, dass Kudrow als Cherish eine unsympathischere Heldin ist als Rogen in The Studio. Sie ist eine alternde Schauspielerin, die viel künstlich in die Kamera lächelt und endlos um sich selbst kreist; er ist ein stolpernder Narr, der davon träumt, gute Filme zu machen. Kudrows Darstellung trifft außerdem einen Nerv, der unangenehme Themen wie Misogynie und Ageism berührt.
Aber vielleicht liegt es auch daran, dass The Comeback die kompliziertere, dunklere Satire ist, die eben nicht nur den „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ auf die Schippe nimmt, sondern die Branche als von neuen Technologien getriebenes Medium zeigt.
Wo die Serie vorher das Format des Reality-TV regelrecht dekonstruierte, ist das Besondere der neuen Staffel, wie zwiespältig das Thema KI behandelt wird: An einer Stelle gestehen die Sitcom-Darsteller sich gegenseitig ein, wie oft sie sich von Autoren schon gedemütigt fühlten; eine Erfahrung, die Valerie teilt, bildete doch ihr Konflikt mit dem sadistischen Autor Pauli G. (Lance Barber) den Roten Faden von The Comeback. Die KI dagegen erscheint angenehm neutral – ärgerlich nur, wenn das Datenlimit ausgeschöpft wurde und die Produktionsfirma nicht bereit ist, aufs nächste Modell upzugraden!
The Comeback Lisa Kudrow, Michael Patrick King USA 2005 – 2026, Staffel 3, HBO Max