Lindt & Sprüngli: Was wird aus dieser Dubai-Schokolade?

Es ist noch nicht lange her, da standen die Menschen in langen Schlangen vor den Geschäften des Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli, um eine Tafel Dubai-Schokolade zu ergattern. Der Hype um das mit Pistaziencreme gefüllte Naschwerk hat die ohnehin gut gefüllten Kassen des Unternehmens ordentlich klingeln lassen. Rund 100 Millionen Franken Umsatz brachte der Verkauf dieser Schokolade dem Konzern im vergangenen Jahr ein. Dies bestätigte der Vorstandsvorsitzende Adalbert Lechner der F.A.Z. am Rande der Jahrespressekonferenz am Sitz von Lindt & Sprüngli in Kilchberg am Zürichsee. Die inzwischen im massenproduktionstauglichen Format „Dubai Style“ offerierte Spezialität sei die erfolgreichste Neueinführung in der Geschichte des Unternehmens.

Doch droht der Verkaufsschlager infolge des Krieges im Nahen Osten, von dem auch das namensgebende Emirat Dubai betroffen ist, nun vielleicht zum Ladenhüter zu werden? Nein, antwortete Lechner, es sei weder ein Imageschaden, noch ein Nachfrageknick zu erkennen. Der Name „Dubai“ stehe weniger für einen bestimmten Ort, als für ein „attraktives Rezept“, das man nun weiter ausrolle: in dunkler und weißer Schokolade, in Ostereiern und Pralinen. Jüngst hat Lindt eine weitere „City-Line“, wie Lechner es ausdrückte, auf den Markt gebracht. In den Schokoladentafeln „Tokyo Style“ steckt eine Matcha-Füllung mit Erdbeernoten. Auch davon erhofft sich der Vorstand einen Wachstumsschub.

Prognose nach unten korrigiert

Den kann der Hersteller von Lindor-Kugeln und Goldhasen auch gut gebrauchen. Denn der Krieg im Nahen Osten bremst den Vorwärtsdrang des erfolgsverwöhnten Konzerns. Noch im Januar hatte der Vorstand in Aussicht gestellt, den Umsatz in diesem Jahr organisch um sechs bis acht Prozent zu erhöhen. Doch nun rechnet er nur noch mit einem Plus von vier bis sechs Prozent. Dies ließ den Aktienkurs des Unternehmens im Verlauf des Dienstags um acht Prozent in den Keller rauschen.

Wie auf der Pressekonferenz deutlich wurde, beruhen die plötzlichen Molltöne nicht auf direkten Umsatzeinbußen. Die Verkäufe im Nahen Osten machen nur ein bis zwei Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt 5,9 Milliarden Franken aus. Getroffen ist Lindt vor allem von der Schließung der Flugdrehkreuze in Dubai und Doha. Dadurch ist die Zahl der Reisenden und Touristen aus Asien stark gesunken, was wiederum den Verkauf in den großen Lindt-Läden in Europa nach unten drückt. „Selbst wenn der Krieg schnell endet, dürfte es eine Zeit dauern, bis sich die Leute wieder trauen, zu reisen“, sagte Lechner.

Preise um 19 Prozent erhöht

Ins Kontor schlägt zudem, dass sich das allgemeine Konsumklima infolge des Nahostkonflikts eingetrübt hat. Lechner sprach von einer erhöhten Preissensibilität. Dies könnte Lindt besonders hart treffen, weil die Schweizer ihre Preise allein im vergangenen Jahr um 19 Prozent erhöht haben. Über den Zeitraum der vergangenen vier Jahre hat der Konzern die Preise um 40 Prozent angehoben. Lechner begründete dies vor allem mit rasant gestiegenen Kakaopreisen.

Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Nestlé war es Lindt bis zum Jahr 2024 gelungen, trotz der saftigen Preisaufschläge auch die Verkaufsvolumina zu erhöhen. Doch die beachtliche Preissetzungsmacht des Premium-Anbieters stieß im vergangenen Jahr an Grenzen. Die Verkaufsmengen gingen um 6,6 Prozent zurück. Dass der Umsatz trotzdem um 12,4 Prozent stieg, war allein den Preiserhöhungen zu verdanken. Lechner versicherte, dass Lindt seinen Anteil am Schokoladenmarkt auf der Welt trotz dieser Entwicklung auf 5,8 Prozent gehalten habe, denn der Konkurrenz sei es ähnlich ergangen.

Der Goldhase wird noch teurer

Die Kakaopreise sind inzwischen stark gefallen, da es ein großes Überangebot an Bohnen gibt. Trotzdem muss man für den Lindt-Goldhasen in diesem Jahr noch tiefer in die Tasche greifen als bisher. Lechner kündigte an, die Preise zu Ostern um einen zweistelligen Prozentsatz zu erhöhen. Dies begründete er mit langfristigen Lieferverträgen. Will heißen: In den Produkten von heute steckt noch der teure Kakao von gestern. Die diesjährigen Osterpreise seien schon im Sommer vergangenen Jahres mit dem Handel vereinbart worden. Sofern die Kakaopreise niedrig blieben, könnten die Schokoladenpreise frühestens 2027 zurückgenommen werden, hieß es. Für das gesamte laufende Jahr stellte Lechner Preiserhöhungen in mittlerer einstelliger Höhe in Aussicht. Das Verkaufsvolumen soll sich im zweiten Halbjahr erholen, über zwölf Monate gerechnet dürfte es allerdings abermals sinken.

Am Plan, die operative Umsatzrendite (gemessen am Ergebnis vor Zinsen und Steuern), in diesem Jahr um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte zu erhöhen, hält der Vorstand jedoch fest. 2025 stieg diese Kennziffer leicht auf 16,4 Prozent. Unter dem Strich erzielte Lindt einen um acht Prozent erhöhten Reingewinn von 727 Millionen Franken. Daraus errechnet sich eine unveränderte Nettoumsatzrendite von 12,3 Prozent. Besitzer der Namensaktien, die an der Börse derzeit sage und schreibe 113.200 Franken kosten, erhalten eine um 20 Prozent erhöhte Dividende von 1800 Franken. Davon profitiert nicht zuletzt der langjährige Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner. Der 79 Jahre alte Patron, der Lindt wie kein anderer geprägt hat und bis heute entscheidenden Einfluss hat, besitzt Namensaktien und Partizipationsscheine im Wert von rund 400 Millionen Franken.