Liberale unter Kubicki?: Eine Partei mit Unterhaltungswert

Was es heißt, dass Wolfgang Kubicki sich gegen die AfD zwar „abgrenzen“, sie aber „nicht ausgrenzen“ wolle, wird sich bald zeigen. Nimmt Kubicki ernst, was er sagt, wird die FDP unter ihm die einzige Partei der „demokratischen Mitte“ sein, die von Brandmauern nichts hält und entsprechend frei argumentieren kann. Das allein schon sichert ihr einen gewissen Unterhaltungswert inmitten politischer Prüderie.

Kubicki zieht damit die Konsequenz aus einer Entfremdung vieler liberaler Wähler von der FDP, deren Klientel vor allem in der Gründungsphase der AfD einige Sympathien für die damals noch wirtschaftsliberal, nationalliberal und EU-kritisch eingestellte Partei hatte. Seither erodierte die FDP in drei Richtungen: in die linksliberale (Grüne), die nationalliberale (AfD), die taktisch-liberale (CDU).

Aber wird es Kubicki auch werden? Kein Zweifel: Kubicki macht’s. Auf das Experiment eines jungen, recht unbekannten Landespolitikers wie Henning Höne werden sich nicht viele in der FDP einlassen wollen.

Christian Lindner wäre zwar ein Vorbild dafür, aber er hatte mehr Erfahrung, als er Vorsitzender wurde. Kubickis Hinweis, Lindner sei es gewesen, der ihn zur Kandidatur überredete, erweckt zudem den Eindruck, Höne habe nicht einmal im NRW-Landesverband uneingeschränkten Rückhalt.

Dass Kubicki sogleich verkündete, mehrere Frauen um sich scharen zu wollen, zeigt außerdem, dass er es anders machen will als Lindner. Unter ihm war die FDP eine One-Man-Show. Vielleicht war das ihre größte Schwäche, die ihr zum Verhängnis wurde.

Source: faz.net