Lesungsabsage in Leipzig: Keine Buchmesse pro AfD-Politiker

Eine für den 21. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse geplante Romanvorstellung ist abgesagt worden. Nicht vom veranstaltenden Castrum Verlag aus Wien, sondern von der Buchmesse selbst – zur „Überraschung“ des Romanautors, wie er mitteilen lässt. Dieser Autor heißt Maximilian Krah, war Spitzenkandidat der AfD bei der Europa-Wahl und sitzt für diese Partei im Deutschen Bundestag.
Sein noch nicht erschienener Roman wird dick (mehr als sechshundert Seiten), heißt „Die Reise nach Europa“ und „widerspricht der leeren historischen Nostalgie ebenso wie der bequemen Gegenwartsamnesie“ – so die Verlagsankündigung. Und weiter: „‚Die Reise nach Europa‘ von Maximilian Krah wird zur Vermessung einer Erinnerungskultur, die nicht in bloßer Schuldzuweisung verharrt – sie fragt nach Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit jenseits von Schuld, nach den Wunden des 20. Jahrhunderts und danach, wie man sie in eine gemeinsame europäische Zukunft überträgt.“ Das klingt bis auf die Ablehnung von Schuldzuweisungen nicht anders als Dutzende hierzulande erscheinende Bücher über Europa.
Was die Messe nicht klar benennt
Die Messe begründet die Absage der vom Verlag angemeldeten Buchvorstellung mit „Sicherheitsgründen“: Veranstaltungen mit „erheblichem Risikopotential“, so erklärt sie, würden nicht zugelassen, „beziehungsweise in einen anderen Rahmen überführt“. Letzteres wurde offenbar nicht erwogen. „Unsere oberste Priorität ist der Schutze aller Besucherinnen und Besucher – insbesondere der vielen Schulklassen, Familien und jungen Menschen.“ Kinder und Jugendliche gelten der Buchmesse also als besonders labil.
Aber gegenüber welcher Gefährdung? Die Buchmesse nennt Krahs „große Bekanntheit“ und dessen „öffentlich sehr kontrovers diskutierte Positionen“, aber wenn sie Berühmtheiten und heftige Diskussionen aus ihren Hallen verbannt sehen wollte, entgingen uns dort einige der interessantesten Veranstaltungen. Es gebe, so die Messe weiter, im Falle Krah „massive Sicherheitsbedenken“. Nun mag Krah dubiose Ansichten vertreten und zweifelhafte Persönlichkeiten in seinem Umfeld dulden, aber von Schlägertrupps begleitet hat man ihn noch nicht gesehen.
Es ist klar, welche Gefahr die Buchmesse sieht – ohne sie indes klar anzusprechen: In einer Stadt wie Leipzig hätte es Proteste gegen Krahs Auftritt gegeben, gewiss auch unangemeldete, die man schwer hätte verhindern oder in einen anderen Rahmen überführen können, denn beim Eintrittskartenverkauf wird nicht nach der Motivation für den Messebesuch gefragt. Es wird also mit der Absage eine Gefahrenumkehrung vorgenommen, die Wasser auf die Mühlen derjenigen lenkt, die „Meinungskorridore“ und somit Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Deutschland beklagen. Gerade als Foren für den freien Austausch deklarieren sich aber die beiden großen Buchmessen, wenn es um ihre jeweilige moralische Existenzberechtigung geht. Ihre kommerzielle ziehen sie eh aus den Anmeldungen der Verlage – und der damit verbundenen Lesungen.
Krah teilte bereits mit, dass die Absage zeige, „weshalb es der neuen Buchmesse in Halle bedarf“. Die fand unter dem Titel „Seitenwechsel“ im Herbst 2025 erstmals statt, als Veranstaltung rechter und rechtsextremer Verlage. Die nächste Ausgabe wird dort sicher eine Buchvorstellung von „Die Reise nach Europa“ zu bieten haben. Obwohl der Castrum Verlag dort beim Debüt noch gar nicht vertreten war.
Source: faz.net