Leitzins-Stagnation: Warum die EZB die Zinsen unverändert lässt

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt alle drei Leitzinsen unverändert. Das hat die Notenbank am Donnerstag nach der Februar-Zinssitzung des EZB-Rates mitgeteilt. Es war die fünfte Zinssitzung ohne Leitzinsänderung. EZB-Präsidentin Christine Lagarde will weiter „datenabhängig“ und „von Sitzung zu Sitzung“ vorgehen und verfolgt keinen festen Zinspfad für die Zukunft.

Konkret heißt das: Der Einlagensatz, den Banken auf ihre Einlagen bei der EZB bekommen und der auch für die Sparzinsen eine gewisse Rolle spielt, beträgt weiterhin 2,0 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem Banken sich gegen Sicherheiten Geld von der Notenbank leihen können, bleibt auf 2,15 Prozent. Und der Spitzenrefinanzierungssatz für Übernachtausleihungen beläuft sich weiterhin auf 2,4 Prozent.

Inflation unter das EZB-Ziel gesunken

Damit trägt die Notenbank der Entwicklung Rechnung, dass die Inflation sich von hohen zweistelligen Raten wieder deutlich in die Nähe ihres Zieles von zwei Prozent bewegt hat. Im Januar lag die Teuerung im Euroraum sogar unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent, auf 1,7 Prozent. Im Dezember hatte sie 1,9 Prozent betragen, nach 2,1 Prozent im November. Auch die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel war zuletzt gesunken, ebenso die immer noch überdurchschnittliche Dienstleistungsinflation.

Das hatte Spekulationen aufkommen lassen, die Rufe nach einer Zinssenkung könnten lauter werden. Der Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank hatte sich in diese Richtung geäußert.

Die Notenbank hat sich aber offenkundig dagegen entschieden. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte zuvor im Interview mit der F.A.Z. die Leitzinsen als „angemessen“ bezeichnet. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte gesagt, er sehe im Moment weder gute Gründe für eine Zinssenkung, noch für eine Erhöhung.

Nach einer Zeit mit Zinserhöhungen und einer mit Zinssenkungen ist die EZB nun in einer Phase der Zins-Stagnation angekommen. Sie dauert schon seit dem Sommer vergangenen Jahres an. Analyst Bastian Freitag von Rothschild & Co spricht von „Ruhe an der Zinsfront“.

Wie lange diese Phase nun dauern wird, ist unter Ökonomen umstritten. Während Jari Stehn, der Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs meint, dieses Phase könnte womöglich sogar Jahre anhalten, wenn keine neuen Schocks auftreten sollten, erwartet Holger Schmieding vom Hamburger Bankhaus Berenberg eine erste Zinserhöhung der EZB wieder im nächsten Jahr. Auch EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte die Auffassung geäußert, die nächste Zinsänderung der EZB werde eine Zinserhöhung, keine Zinssenkung sein. Dass zunächst einmal eine längere Zeit ohne Zinsänderungen anstehen könnte, ist an den Finanzmärkten eine verbreitete Ansicht.

Was die Entscheidung für Sparer und Kreditnehmer heißt

Für Sparer bedeutet die Leitzins-Stagnation, dass die Sparzinsen wohl zumindest nicht weiter sinken werden. Für Tagesgeld gab es in Deutschland zuletzt im Durchschnitt 1,46 Prozent Zinsen, für Festgeld auf ein Jahr 1,86 Prozent, wie die FMH-Finanzberatung in Frankfurt berichtet. Obwohl die EZB auch schon in den vergangenen Monaten die Leitzinsen stabil hielt, waren Tages- und Festgeldzinsen zuletzt leicht gestiegen. Dabei spielt unter anderem der Wettbewerb der Banken um neue Kunden eine Rolle.

Für die Bauzinsen ist die Sache nicht so eindeutig. Ihre Höhe hängt nicht unmittelbar an den EZB-Leitzinsen, sondern über die Pfandbriefrendite an der Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit. Auf die wiederum wirken zahlreiche Faktoren ein, neben der Geldpolitik beispielsweise auch die Konjunktur- und Inflationserwartungen der Investoren, ihre Risikoneigung und ihr Vertrauen in den Emittenten sowie die Zinsentwicklung in anderen Währungsräumen wie den Vereinigten Staaten. Die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit war im Laufe des vergangenen Jahres gestiegen und belief sich zuletzt auf 2,9 Prozent.

Im vergangenen Jahr waren auch die Bauzinsen gestiegen, zuletzt stagnierten sie aber und waren bei einigen Instituten sogar leicht rückläufig. Zuletzt zahlten Kreditnehmer in Deutschland laut FMH-Finanzberatung im Durchschnitt 3,83 Prozent Effektivzins je Jahr für ein Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung. Für 15 Jahre waren es 4,14 Prozent je Jahr und für 20 Jahre 4,3 Prozent.

Die Fachleute für Baufinanzierung, die regelmäßig vom Internetportal Interhyp um eine Prognose gebeten werden, rechnen mehrheitlich für die nächsten sechs Monate mit ungefähr gleichbleibenden Bauzinsen. Das ist eine Veränderung gegenüber dem vergangenen Jahr, als diese Fachleute noch für 2026 steigende Bauzinsen erwartet hatten.

Eine Umfrage des Verbraucherportals Biallo unter 14 Finanzierungsexperten von Banken, Versicherern und Kreditvermittlern dagegen kommt zu dem Schluss, zumindest bis zum Jahresende 2026 rechne eine Mehrheit mit einem leichten Anstieg der Bauzinsen. Mit sinkenden Zinsen rechnet keiner der Fachleute. Eine Minderheit erwartet zum Jahresende sogar Bauzinsen von vier Prozent und mehr für Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung.

In dieser Frage scheint es also noch eine gewisse Uneindeutigkeit zu geben.