Langsame Antriebswende: Aktuell nach sich ziehen E-Autos in dieser Stadt wenig Chancen

Vor allem Hausbesitzer und Landbewohner entscheiden sich dafür, privat ein Elektroauto zu kaufen. Das ergibt eine Untersuchung der HUK Coburg, des größten deutschen Autoversicherers für private Kunden, unter den eigenen Bestandsdaten für Ende 2025. Der neuesten Erhebung zufolge werden 75 Prozent der privat gehaltenen Elektroautos von Eigentümern selbst genutzter Häuser gefahren, 6,3 Prozent von Eignern einer selbst genutzten Wohnung und nur 18,7 Prozent von Mietern.
Beim Blick auf den gesamten privaten Autobestand fahren von den Immobilieneignern 4,8 Prozent ein rein batterieelektrisches Auto, von den Mietern 1,6 Prozent. Diese Daten stehen den aktuellen Daten des Bundesbauministeriums gegenüber, denen zufolge in Deutschland nur 43,7 Prozent der Haushalte in selbst genutztem Eigentum leben.
Wer im eigenen Haus wohnt, kann zu Hause laden
Für diese Daten hat HUK-Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer eine einfache Erklärung: „Ganz offensichtlich liegt es an dem Vorteil der Immobilienbesitzer, E-Autos zu Hause aufladen zu können. Und mit einer Solaranlage auf dem Dach der eigenen Immobilie kann man den Ladestrom sogar besonders günstig erzeugen.“ Bestätigt werde diese Beobachtung durch die Daten für die Parkmöglichkeiten: Nach der HUK-Untersuchung für die privaten Pkw-Halter beträgt die Quote der rein elektrischen Autos unter Besitzern von Garagenstellplätzen oder Carports 4,1 Prozent, unter Freiluftparkern 2,4 Prozent.
Die Diskrepanz zwischen dem etwaigen Wunsch nach Anschaffung eines Elektroautos und den konkreten Möglichkeiten zeigt auch ein weiteres Detail der Untersuchung: In einer Meinungsumfrage im Auftrag der HUK Ende 2025 ergab sich, dass von den Einwohnern der Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern 59 Prozent Elektroautos mit „gut“ oder „sehr gut“ bewerteten, während in den kleineren Kommunen nur 45 Prozent ein derart positives Urteil fällten.
In der Großstadt findet man E-Autos gut, kauft sie aber nicht
Anders sieht es aber aus, wenn die Autoversicherung aus ihren Daten den Anteil unter privaten Autohaltern für die Umsteiger von Verbrenner- auf Elektroantrieb herausfiltert: Während in ganz Deutschland die Quote der Umsteiger unter privaten Autohaltern im vergangenen Jahr 5,5 Prozent erreichte, konnte unter den Großstädten nur Düsseldorf diesen Mittelwert erreichen. Hamburg und München kamen lediglich auf 5,0 und 4,8 Prozent, Frankfurt und Berlin auf 4,5 Prozent, Dresden nur auf 3,3 Prozent.
In ländlichen Gegenden lag die Umsteigerquote 2025 sehr viel höher als der deutsche Durchschnitt von 5,5 Prozent: Spitzenreiter unter den Landkreisen war Starnberg mit zehn Prozent vor Erlangen-Höchstadt und Ebersberg mit 9,6 Prozent. Von den 15 Landkreisen mit den höchsten Quoten für den Umstieg auf das Elektroauto lagen dabei elf in Bayern. Aus den anderen Bundesländern kam Paderborn auf Platz sechs, mit einer Umsteigequote von 9 Prozent, vor Höxter mit 8,8 Prozent. Eine Erklärung für die Unterschiede in den Umsteigerquoten zwischen den Großstädten und ländlicheren Gegenden kann in den sehr gegensätzlichen Eigentumsquoten für Immobilien gefunden werden, unterdurchschnittlich gerade in den Großstädten.
Auch bei den Daten zum Bestand an rein elektrischen Autos im Fuhrpark der privat gehaltenen Pkw liegen die meisten Großstädte zurück: Nur Stuttgart kann mit einer Quote von 4,8 Prozent einen Bestand vorweisen, der oberhalb des deutschen Durchschnitts von 3,5 Prozent liegt. Alle anderen Großstädte liegen darunter, München und Düsseldorf bei 3,3 Prozent, Berlin bei 2,8 Prozent, Köln und Frankfurt bei 2,7 Prozent. Den Schluss der Tabelle für die 15 größten deutschen Städte bilden Dresden mit 2,1 Prozent und Leipzig mit 2 Prozent.
Zu den Bedingungen der Autofahrer für einen etwaigen Umstieg auf Elektroantrieb liefert die repräsentative Umfrage Anhaltspunkte: 62 Prozent antworteten, Elektroautos dürften bei der Anschaffung nicht teurer sein als Verbrennermodelle, 47 Prozent verlangten, dass der Unterhalt von Elektroautos nicht teurer sein dürfe. 43 Prozent der Antwortenden stellten die Bedingung, dass Ladeinfrastruktur und Ladegeschwindigkeit vergleichbar sein müssten mit dem Tanken von Benzin und Dieseltreibstoff. Eine Reichweite ähnlich wie bei den Verbrennerautos forderten 34 Prozent der Befragten. 17 Prozent der Befragten meinten, es müsse unter den angebotenen Elektroautos Modelle geben, die besser zu den eigenen Bedürfnissen passten. Nur 16 Prozent nannten als Bedingung, dass sie beim Kauf eines E-Autos auch eine Förderung bekommen müssten.