„La Repubblica“ verkauft: Nun macht ein griechischer Reeder dies Blatt
Nach dem Verkauf der Turiner Tageszeitung „La Stampa“ stößt der italienische Medienkonzern „Gedi“ nun auch das in Rom erscheinende Blatt „La Repubblica“ ab. Wie die griechische Antenna Group am späten Montagabend mitteilte, wurde nach monatelangen Verhandlungen die hundertprozentige Übernahme der einstigen Gedi-Gruppe vereinbart. Ausgenommen sind die „Stampa“, die von Gedi schon zu Monatsbeginn für 22 Millionen Euro an die italienische SAE Group veräußert worden war, sowie weitere Regionalzeitungen, die der Verlag in den vergangenen Jahren abgestoßen hatte.
Das Geschäft zwischen Gedi und Antenna hat nach italienischen und griechischen Medienberichten einen Umfang von 100 Millionen Euro. Weder Gedi noch Antenna teilten offiziell einen Kaufpreis mit. In früheren Medienberichten war von einer Preisvorstellung bei Gedi von 140 Millionen Euro die Rede. Das Paket umfasst neben der linken Tageszeitung „La Repubblica“ die Radiosender Deejay, Capital und m2o, dazu die italienische Ausgabe der US-Nachrichtenseite Huffington Post, die Magazine „National Geographic Italia“ und Limes, einen Streamingdienst sowie schließlich die Werbeagentur Manzoni.
Die Redaktionen hatten gegen den Verkauf gestreikt
Der Einstieg des internationalen Investors in ein wichtiges Segment des italienischen Medienmarkts ist ein weiteres Indiz für die wachsende Konzentration im europäischen und internationalen Mediengeschäft. Nach Abwicklung der Übernahme steht für Antenna die strategische Neuausrichtung des zuletzt überwiegend defizitären Geschäfts der Gedi-Gruppe im Fokus, namentlich die digitale Transformation des darbenden Printgeschäfts. Die Redaktionen von „La Stampa“ und „La Repubblica“ hatten während der langen Verkaufsverhandlungen mehrmals gegen die Pläne von Gedi gestreikt. Wie Antenna mitteilte, soll der seit 2024 amtierende Chefredakteur Mario Orfeo seinen Posten an der Spitze der „Repubblica“-Redaktion behalten.
In einer Pressemitteilung von Antenna heißt es, die Übernahme werde den Journalisten der Zeitung neue Möglichkeiten eröffnen. Bereits bestehende Partnerschaften, etwa mit der „Huffington Post“ und „National Geographic Italia“, sollen ausgebaut und vertieft werden. Zudem würden Gespräche mit strategischen Partnern in den USA geführt, um weitere Marken zu integrieren und das bisherige Portfolio von Gedi zu ergänzen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Streamingdienste. So soll die zu Gedi gehörende Plattform „mymovies.it“ eng mit den bestehenden Streamingdiensten von Antenna verknüpft werden. Darüber hinaus erwägt die griechische Gruppe eine Erweiterung ihrer Aktivitäten im italienischen Kinomarkt.

Der Medienkonzern Gedi gehörte bisher den Erben der Industriellendynastie Agnelli, die das Unternehmen 2019 mit ihrer Holding Exor übernommen hatten. Damals soll Exor 102 Millionen Euro für die Gedi-Gruppe bezahlt haben. Zu Exor, geführt von John Elkann, einem Enkel des legendären Firmenkapitäns Gianni Agnelli, gehören unter anderem die Automobilgruppe Stellantis mit Marken wie Citroën, Fiat, Jeep, Maserati und Opel. Die liberale „Stampa“ hatte rund 100 Jahre lang zur Agnelli-Dynastie gehört. Nach sieben Jahren im erweiterten Mediengeschäft hat Elkann neben der „Hauszeitung“ der Unternehmerfamilie nun auch alle anderen Blätter, Magazine und Radiostationen wieder abgestoßen. Einzig der Anteil von 47 Prozent am britischen Wochenblatt „The Economist“ bleibt Exor erhalten. Die Umsätze der Gedi-Gruppe waren von 900 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 224 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024 gefallen. Der sukzessive Verkauf kleinerer Beteiligungen und lokaler Zeitungen in den vergangenen Jahren erbrachte nicht die erhoffte Konsolidierung des Gedi-Kerngeschäfts um die nationalen Qualitätsblätter „Stampa“ und „Repubblica“.
Antenna Group: gute Beziehungen zu Trump, saudischer Einfluss
Die Antenna Group ist Griechenlands größter und seit Jahren international tätiger Medien- und Unterhaltungskonzern, der auch über Investitionen im Silicon Valley verfügt. Hinter der Gruppe steht die griechische Reeder-Familie Kyriakou. Vorstandschef ist Theodore Kyriakou, Sohn des Firmengründers Minos Kyriakou (1942 bis 2017), der die Mediengruppe Antenna 1989 gegründet hatte und bis zu seinem Tod führte. Theodore Kyriakou werden gute Beziehungen zu Donald Trump nachgesagt. Am Griechenlandgeschäft der Antenna Group ist mit 30 Prozent das Middle East Broadcasting Centre (MBC) beteiligt, das zu 54 Prozent dem staatlichen saudischen Public Investment Fund (Pif) gehört.
Die „Repubblica“ hatte erst jüngst den 50. Jahrestag ihrer Gründung begangen – mit einer umfangreichen Ausstellung zur Geschichte des Blattes und mit zahlreichen Veranstaltungen. Zu dem Anlass gratulierte sogar Papst Leo XIV. mit einem Brief an Chefredakteur Orfeo. Das Blatt erscheine in Rom und damit „im Bistum des Papstes“, heißt es in dem Brief, den „Repubblica“ veröffentlichte. Die Zeitung habe sich stets durch „unabhängige Berichterstattung“ ausgezeichnet – auch über die katholische Kirche und den Vatikan, lobte der Papst und fuhrt fort: „Das ist der Sinn der Pressefreiheit, dass sie bei aller Unterschiedlichkeit der Meinungen, der Standpunkte und der Kulturen immer transparent und korrekt handeln muss und damit jene Möglichkeit zur Auseinandersetzung schafft, die – sofern sie nicht feindselig ist – zum Gemeinwohl und zur Einheit der Menschheit beiträgt.“ Zu ihren Glanzzeiten in den Neunzigerjahren hatte „La Repubblica“ eine Tagesauflage von bis zu 700.000 Exemplaren. Zuletzt kam die Zeitung auf eine Auflage von knapp 104.000 Exemplaren, ein Drittel davon entfiel auf die digitale Ausgabe.
Source: faz.net