Kurz mal hinfliegen – die Antarktis wie Ziel pro Bequeme und Angsthasen

Expeditionen ins ewige Eis für Eilige werden beliebter. Antarktis-Besucher ersparen sich öfter die Anreise mit dem Schiff durch die schaukelige Drake-Passage. Viele Anbieter reagieren – und bieten Fly-in-Fly-out-Expeditionen an.

Wer die Antarktis entdecken will, kommt normalerweise um die berüchtigte Drake-Passage nicht herum. Die aber wollen sich bequemliche und zugleich ungeduldige Gäste lieber ersparen.

Der gut 800 Kilometer lange Seeweg zwischen der Südspitze Südamerikas und der Nordspitze der antarktischen Halbinsel gilt als der abenteuerlichste der Weltmeere – mit starken Winden, meterhohen Wellen und unberechenbarem Wetter zwischen Pazifik und Atlantik. Deshalb kursiert unter Seeleuten auch das Sprichwort: Die Antarktis kostet zwar keinen Eintritt. Doch deren Preis ist die Drake-Passage.

Lesen Sie auch

Denn diese schaukelige Überfahrt dauert gut zwei Tage, eine Zeitspanne, in der das Wetter ständig umschlagen kann. Mal ist es so ruhig wie auf einem stillen See, mal wird man ordentlich durchgeschüttelt im Wellenmeer:  „Drake Lake“ oder „Drake Shake“ genannt. Unkalkulierbar und spannend zugleich. 

Für viele Reisende bleibt die Drake-Passage das große Abenteuer unterwegs auf einem Antarktis-Trip – was man auf klassischen Touren allerdings gleich zweimal erlebt.

Das ist manchen Gästen bereits einmal zu viel: Deshalb planen Reedereien oft nur noch eine einzige Überfahrt durch die Drake-Passage; stattdessen fliegen die Urlauber dann, meist auf dem Rückweg, von King George Island auf den Süd-Shetlandinseln zurück nach Punta Arenas in Chile – und schauen sich bei gutem Wetter die Drake-Passage von oben an.

Trend: „Skip the Drake“

Damit nicht genug: Es gibt eine steigende Anzahl von zahlungskräftigen Urlaubern, die lieber ganz auf die Erfahrung der Drake-Passage verzichten wollen, weil ihnen das unkalkulierbare Wetter nicht ganz geheuer ist und sie das Risiko minimieren wollen, wegen übler Seekrankheit in der Koje bleiben zu müssen. Auch die Zeitersparnis spielt eine große Rolle.

Wegen der hohen Nachfrage haben die ersten Reedereien darauf reagiert: Sie bieten unter den Labeln „Skip the Drake“ oder auch „Fly in, Fly out“ bequeme Antarktis-Trips, die als Kreuzfahrt quasi erst in Sichtweite, also auf den Süd-Shetlandinseln, starten.

Dazu zählen Anbieter wie Antarctica 21, Quark Expeditions und Aurora Expeditions. Diese Reisen dauern überwiegend nur acht bis zehn Tage statt der üblichen zwei Wochen, sozusagen Antarktis mit Pinguinen im Schnelldurchlauf. Sie kosten oft das Doppelte als üblich. Bequemlichkeit hat seinen Preis.

Neues Tor zur Antarktis

Noch einen drauf setzt nun als erster Anbieter Silversea Cruises: Die Luxusreederei hat sich für Flugsafaris ein eigenes Tor zur Antarktis gebaut. Sie eröffnet an Chiles Südspitze im Herbst 2026 ein neues 150-Zimmer-Hotel für ihre Gäste.

„The Cormorant at 55 South“ mit Restaurant, Bar und Fitnessbereich in Puerto Williams soll nach Unternehmensangaben die Anreise zu einem der entlegensten Reiseziele der Welt effizienter gestalten. Wer in die Antarktis reist, kann hier erst einmal ein Päuschen einlegen, bevor es zu den Pinguinen weitergeht.

Lesen Sie auch

Denn zugleich werden auch Hafen und Airport am Beagle-Kanal auf der Isla Navarino ausgebaut – strategisch günstig als Antarktis-Hub für Eilige.

Das 2000-Einwohner-Dorf Puerto Williams ist bisher vor allem bei Trekkingreisenden durch Patagonien beliebt, mit kleinen Hostels, Privatunterkünften und ein paar Lodges, größtenteils in Familienbesitz.

Doch das ändert sich gerade: Silversea Cruises hat sich mit einer 50-Prozent-Beteiligung bereits ein zweites Hotel im Ort gesichert. Das „Lakutaia“ bekommt ebenfalls 150 Zimmer.

Für diejenigen, die die Antarktis ohne „Drake Shake“ besuchen wollen.

Source: welt.de