Kunstgeschichte: Diese sieben Gemälde muss man gesehen nach sich ziehen

Diese sieben Meisterwerke kennt jeder – doch wo kann man sie sehen? Eine Reise zu den berühmtesten Gemälden von Paris bis New York.
Manche Bilder kennt die ganze Welt. Oft muss nur ihr Name fallen, und die Zuhörer haben sofort die Formen und Farben vor dem geistigen Auge. Folgende sieben Gemälde stechen dabei besonders hervor – sie gehören zu den berühmtesten Kunstwerken überhaupt. Wer sie im Original erleben möchte, muss eine Reise durch Europa unternehmen und einen Abstecher in die USA machen.
„Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci
Im Louvre in Paris hängt das wohl bekannteste Gemälde der Welt. Die „Mona Lisa“ zeigt das Porträt der Lisa Gherardini mit ihrem rätselhaften Lächeln, auch wenn es über die tatsächliche Identität der Porträtierten immer noch Diskussionen gibt. Leonardo da Vinci (1452-1519) malte das Werk um 1503 und nutzte die Sfumato-Technik mit ihren weich verschwimmenden Konturen. Das kleine Bild steht in der „Salle des États“ des Louvre in einem kugelsicheren Glaskasten.
Weltberühmt wurde die Mona Lisa auch durch einen spektakulären Diebstahl 1911, über den die internationale Presse wochenlang berichtete.
„Die Sternennacht“ von Vincent van Gogh
Im Museum of Modern Art in New York hängt Vincent van Goghs Nachthimmel mit seinen charakteristischen Wirbeln. „Die Sternennacht“ zeigt ein Dorf unter einem dramatischen Firmament. Van Gogh (1853-1890) malte 1889 mit dicken Pinselstrichen in intensivem Blau und leuchtendem Gelb eine Landschaft, die mehr vom inneren Erleben als von äußerer Realität erzählt.
Zu Lebzeiten erfuhr van Gogh kaum Anerkennung, um seinen Tod ranken sich bis heute Mythen. Erst Jahrzehnte später wurde das Werk zur Ikone der modernen Malerei. Wissenschaftler entdeckten, dass die Himmelsmuster tatsächlich physikalischen Turbulenzen ähneln.
„Der Schrei“ von Edvard Munch
Gleich zwei Museen in Oslo bewahren Fassungen von „Der Schrei“ auf. Im Museum MUNCH und im Nationalmuseum kann man Varianten eines der berühmtesten Bilder des Expressionismus sehen. Die geschlechtslose Figur auf der Brücke, Hände an die Ohren gepresst, vor einem glühend roten Himmel. Dieses Motiv wurde zum Symbol für Angst und Verzweiflung.
Edvard Munch (1863-1944) schuf mehrere Versionen in verschiedenen Techniken. Die stark verzerrten Formen und emotional aufgeladenen Farben waren um 1893 radikal neu. Zwei spektakuläre Diebstähle in den 1990er und 2000er Jahren verliehen dem „Schrei“ zusätzliche Berühmtheit.
„Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Johannes Vermeer
Im Mauritshuis in Den Haag dreht sich alles um einen Blick. Johannes Vermeers (1632-1675) „Mädchen mit dem Perlenohrring“ zeigt ein junges Mädchen im Dreiviertelprofil, das sich umwendet und den Betrachter direkt ansieht. Der blaue Turban, der große Perlenohrring und der dunkle Hintergrund schaffen eine Intimität, die für das 17. Jahrhundert außergewöhnlich war.
Es handelt sich nicht um ein klassisches Porträt einer bestimmten Person, sondern um eine „Tronie“ – ein Charakterkopf, bei dem Licht und Ausdruck im Vordergrund stehen. Der Roman von Tracy Chevalier (2000) und der gleichnamige Film „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (2003) mit Scarlett Johansson (41) in der Titelrolle machten das Werk zur „Mona Lisa des Nordens“.
„Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli
In den Uffizien in Florenz steht Sandro Botticellis (1445-1510) „Die Geburt der Venus“. Das Gemälde zeigt die Liebesgöttin nackt auf einer Muschel stehend, während sie von Winden ans Ufer getrieben wird. Die eleganten Linien, die flächigen Farben und die idealisierten Körper schaffen eine poetische Atmosphäre.
Für das späte 15. Jahrhundert war dieser großformatige mythologische Akt in einer stark religiös geprägten Gesellschaft bemerkenswert. Botticelli verband antike Mythologie mit neuplatonischer Philosophie. Im 19. Jahrhundert wurde der Künstler wiederentdeckt und gilt heute als Inbegriff der florentinischen Frührenaissance.
„Der Kuss“ von Gustav Klimt
Das Obere Belvedere in Wien widmet dem „Kuss“ einen eigenen Saal. Das quadratische Gemälde aus Gustav Klimts (1862-1918) „goldener Phase“ zeigt ein sich küssendes Paar auf einer blumenbedeckten Wiese. Die Körper lösen sich teilweise in ornamentale Gold- und Musterflächen auf.
Um 1908 war diese Kombination aus religiöser Goldgrund-Anmutung und moderner, sinnlicher Liebesszene ungewöhnlich. Die ornamentale Flächigkeit weist bereits über den Jugendstil hinaus in Richtung Abstraktion. Das Bild war von Anfang an erfolgreich beim Publikum und wurde später durch Poster und Dekoartikel weltweit bekannt.
„Guernica“ von Pablo Picasso
Im Museo Reina Sofía in Madrid hängt Pablo Picassos (1881-1973) „Guernica“. Das monumentale, schwarz-weiße Gemälde verarbeitet die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica im Jahr 1937. Fragmentierte Figuren von Menschen, ein Pferd, ein Stier und zerstörte Architektur fügen sich zu einem Antikriegsbild zusammen.
Picasso nutzte eine kubistisch geprägte Bildsprache, um das Kriegsverbrechen anzuprangern. Die Beschränkung auf Grautöne verstärkt den dokumentarischen Charakter. Während der Franco-Diktatur befand sich „Guernica“ im Ausland und kehrte erst 1981 nach Spanien zurück.
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Source: stern.de