Künstliche Intelligenz: Die seltsame Logik dieser Kursblasen

Ein bisschen verrückt klingt das schon: Wochenlang drehen die Aktionäre halb durch aus Angst vor einer KI-Blase, in den Handelssälen spricht man über kaum ein anderes Thema – und schon soll alles wieder gut sein, nur weil der Chiphersteller Nvidia vier Prozent mehr Umsatz gemacht hat als gedacht?

Herzlich willkommen in der paradoxen Welt der Finanzmärkte, in der nichts offensichtlich ist, in der man immer noch eine Drehung weiterdenken kann und in der die Angst vor einer Blase genau diese Blase kleinhält.

Blasen-Propheten tun Gutes

Es stimmt ja: Irgendwann werden die Kurse tatsächlich zurückgehen. „Es ist eben schwierig einzuschätzen, wie viel Wert eine neue Technologie schafft“, sagt der Ökonom und Finanzkrisen-Forscher Kenneth Rogoff. Immer größere Verflechtungen der KI-Unternehmen schüren zusätzliches Misstrauen. Irgendwann werden die Kurse zu hoch gewachsen sein. Aber wann ist das? Wie weit steigen die Kurse vorher noch? Und welche Kurse stellen sich nach dem ganzen Zyklus von Hoffnung und Enttäuschung als die richtigen heraus? Sind die womöglich höher als die heutigen?

Niemand weiß es. Und da kommen die Blasenpropheten ins Spiel. Diejenigen, die in der aktuellen Kursentwicklung Höhenangst bekommen. Sie warnen, halten sich mit Käufen zurück, verkaufen vielleicht sogar einige Aktien – und sorgen so schon lange dafür, dass die Kurse nicht so schnell weiter steigen. Der Kurs von Nvidia ist seit August nur noch langsam nach oben gegangen, der Dax tritt seit einem halben Jahr auf der Stelle: Zeit für die Gewinne, den Kursen hinterherzukommen.

Ob die Mahner von heute mit ihrer aktuellen Warnung wirklich recht haben, wissen wir nicht. Feiern werden sie sich auf jeden Fall. Aber ein Gutes haben sie schon getan: die Kurse gebremst.

Source: faz.net