Kritik an Hagel und Stoch: Die schwäbischen Tugendwächter

Wenn gar nichts anderes mehr geht im Wahlkampf, gibt es immer noch die Charakterprobe, die Stunde der Moralapostel und Tugendwächter. Gibt es irgendwo einen Fettnapf? War der Kandidat in seinem Leben schon einmal sexistisch? Gibt es einen heuchlerischen Ausrutscher? War er (oder sie) gar rassistisch?

Eine fast übermenschliche Sache

Über Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen, ließe sich sicher auch etwas finden, was der schwäbischen Ehrbarkeit widerstrebt. Tugendhaft zu sein, ist zwischen Korntal und Tübingen eine fast schon übermenschliche Sache. Die Kulturgeschichte hat da offenbar selbst in der linkesten Seele ihre Spuren hinterlassen. Die Ironie der Geschichte ist, dass dadurch den Grünen und manch rechtsradikaler Partei der Aufstieg erleichtert wurde.

Moralischer Rigorismus begünstigt eben die Drift nach links wie nach rechts. Dass dabei gerne an andere Maßstäbe angelegt werden, die für einen selbst nicht gelten, sieht man täglich an der AfD.

Source: faz.net