Kriegspropaganda in Iran: Teherans satirische Cyberkrieger

Angeblich war es ausgerechnet die iranische Botschaft in Simbabwe, die sich am Dienstag über Donald Trumps wechselnde Ultimaten lustig machte. „Acht Uhr abends passt nicht so gut. Könnten wir es auf ein oder zwei Uhr nachmittags ändern?“, schreibt jemand im Kanal der Botschaft auf der Plattform X. Dieser Jemand ist vermutlich nicht der Social-Media-Beauftragte in Harare.

Der iranische Propagandaapparat verbreitet gerade über alle möglichen Kanäle ironische englischsprachige Kommentare über den amerikanischen Präsidenten, die so auch von einer westlichen Werbefirma stammen könnten. Offensichtlich zielt die Social-Media-Kampagne darauf ab, in der amerikanischen Öffentlichkeit Zweifel am Oberbefehlshaber Trump und seinem Krieg gegen Iran zu säen.

So zitiert etwa der Kanal der iranischen Botschaft in London den Schriftsteller Mark Twain mit dem Satz: „Es ist besser, deinen Mund zu halten und Leute glauben zu lassen, du seist ein Dummkopf, als ihn aufzumachen und alle Zweifel zu beseitigen.“ Die diplomatische Vertretung in Wien fügt hinzu: „Warnung: Schützen Sie Minderjährige unter 18 vor dem Kontakt mit Trumps Rhetorik.“

Ein abgekartetes Spiel, um Kasse zu machen

Auch der X-Kanal von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der derzeit an der Spitze des politischen Apparats steht, scheint von Leuten bespielt zu werden, die sich mit westlicher Kommunikation gut auskennen. So scheint Ghalibaf im Jargon eines Börsenmaklers Anlagetipps zum Krieg zu verteilen. „Vorbörsliche sogenannte Nachrichten oder Wahrheiten“ seien ein abgekartetes Spiel, um Kasse zu machen. Deshalb gelte: „Wenn sie es hochpumpen, geh short. Wenn sie abverkaufen, geh long.“

Ghalibafs X-Kanal ist besonders reichweitenstark, seit Trump ihn als Teil einer angeblich „neuen“ iranischen Führung identifiziert hat, die angeblich „weniger radikal und viel vernünftiger“ ist. In einem anderen Post Ghalibafs heißt es ironisch: „Nachdem sie Iran 37-mal hintereinander besiegt haben, ist diese brillante Nichtstrategie jetzt herabgestuft worden von ‚Regimewechsel‘ auf ‚Hey, kann jemand unsere Piloten finden? Bitte?‘“ Dazu den passenden Smiley.

In Teheran ist man sich natürlich bewusst, dass der Krieg nicht nur auf dem Schlachtfeld entschieden wird. „Social-Media-Botschaften können genauso wirkungsvoll sein wie militärische Macht“, schreibt die regimetreue Plattform „Tabnak“. „Soft Power“ nennt der Autor das. Viel Aufmerksamkeit hat Iran sich auch mit KI-generierten Lego-Videos verschafft, in denen Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als Spielfiguren auftreten.

Die Videos wurden auch vom russischen Sender RT aufgegriffen

Besonders viele Aufrufe hat ein Clip bekommen, in dem Trump nach Durchsicht der Epstein-Akten per Knopfdruck einen Luftangriff auf eine Mädchenschule in Iran einleitet. Veröffentlicht wurde das Video zunächst von einem Telegram-Kanal namens „Akhbar Enfejari“ (Explosive Nachrichten).

Kurz darauf wurde es von der Nachrichtenagentur Tasnim weiterverbreitet, die der Revolutionsgarde nahesteht. Die zeitliche Nähe lässt Verbindungen zum Regime vermuten. Aufgegriffen wurden die millionenfach angeschauten Videos auch vom russischen Propagandasender RT.

Laut der Zeitschrift „The New Yorker“ wurde ein Konto mit dem Namen „Akhbar Enfejari“ erstmals im vergangenen Jahr auf Youtube aktiv. Das erste Lego-Video wurde demnach während des Zwölftagekrieges im Juni veröffentlicht. Auf Anfrage der Zeitschrift bezeichneten sich die Macher als „von Studenten geführtes Medienteam mit einem Hintergrund in sozialem Aktivismus“. Verbindungen zum Regime verneinten sie.

Dem Bericht zufolge wurden die Konten von „Akhbar Enfejari“ auf Youtube und Instagram zwischenzeitlich gesperrt. Ein Youtube-Sprecher begründete das gegenüber dem „New Yorker“ mit Verstößen gegen Spam- und Täuschungsregeln. Am Dienstag waren die Konten aber wieder abrufbar.

Source: faz.net