Kriegsfolgen | Das Ende eines sicheren Geschäftsmodells? Wie welcher Irankrieg nebensächlich den Golfstaaten schadet
Bisher boten sich Oman, Katar, Saudi-Arabien, Kuwait und die Arabischen Emirate als sicherer Ort für den Ölhandel, Finanzdienstleistungen und einen hochpreisigen Tourismus an. Mit dem Krieg gegen Iran ist das vorbei, zumindest vorübergehend
Rauch über Teheran, am 3. März 2026
Foto: Atta Kenare/AFP/Getty Images
Je länger der völkerrechtswidrige Krieg gegen das iranische Regime andauert, desto deutlicher wird, in welchem Ausmaß dies ein israelisch-iranischer Waffengang ist. Ein Regime-Change-War, den die USA an der Seite Israels absichern und betanken. Und das durchaus im Wortsinn.
Wenn man Berichte von Militärbloggern verfolgt, dann sind es vor allem israelische Aufklärungsdaten und israelische Kampfflugzeuge, die das Geschäft der gezielten Tötung von hochrangigem iranischen Führungspersonal besorgen. Das Auftanken israelischer Jets in der Luft obliegt der US-Luftwaffe. Zügig und weitgehend unfallfrei ergänzen sich die israelische und die amerikanische Militärmaschinerie.
Inzwischen schließt Präsident Trump den Einsatz von Bodentruppen im Iran nicht mehr aus. Auch wenn sein Verteidigungsminister erfolglos versucht, dieses Schreckgespenst verbal wieder einzufangen: In den Golfstaaten stehen GIs längst auch außerhalb ihrer Militärbasen im Wüstensand und feuern Boden-Luft-Raketen auf Ziele im Iran. Die wirklich „große Welle“ stehe aber, so verkündet Trump unheilschwanger, noch bevor.
Der saudische Kronprinz gab grünes Licht – ein Verrat, der in Teheran niemanden überrascht
Auch wenn man das unter psychologischer Kriegsführung verbuchen kann – so bereitet ein Präsident seine Öffentlichkeit auf wachsende Kosten wie steigende Opferzahlen und eine ganze Region auf weiter eskalierende Gewalt vor.
Das geht vor allem an die Adresse der Golfstaaten. Die haben bis kurz vor Ausbruch des Krieges versucht, das Weiße Haus auf dem Verhandlungsweg zu halten. Vor allem Oman hat als Vermittler in Washington bis zur Selbstverleugnung antichambriert.
Hingegen gab Kronprinz Mohammed bin Salman als der starke Mann in Saudi-Arabien Trump grünes Licht, entgegen aller Beteuerungen aus dem Königshaus, dass man weder Boden noch Luftraum für einen Angriff auf den Iran zur Verfügung stellen würde. Ein „Verrat“, der in Teheran niemanden überrascht haben dürfte. Man ist sich in regionaler Feindschaft seit Jahrzehnten verlässlich zugetan, jähe Zweck-Zuneigungen inklusive.
Wenn Iran als Machtfaktor ausfällt
Was sich die israelische Führung von einem Regimewechsel in Teheran erwartet, liegt auf der Hand: das Ende eigener existenzieller Bedrohung, aber ebenso einen gemäßigteren Akteur im Konflikt mit den Palästinensern um Raum und Herrschaft im „Heiligen Land“.
Bis zum Sturz des Schah-Regimes 1979 waren Iran und Israel Verbündete in diesem Konflikt. Zwei Staaten, die sich als Alliierte Washingtons auch religiös und kulturell vom arabisch-sunnitischen Mainstream in der Region unterschieden. Dass ein Regimewechsel in Teheran die alte Achse wiederbeleben könnte, ist eher unwahrscheinlich. Abgesehen davon: Tel Aviv würde es reichen, wenn der Iran für eine längere Zeit als regionaler Machtfaktor ausfällt, womit auch die Golfmonarchien gut leben könnten.
Sie haben gegenüber der Islamischen Republik immer eine vorsichtige Schaukelpolitik betrieben, die zwischen Abschreckung und Annäherung lavierte. Teheran wiederum spielte neben der schiitisch-religiösen auch die palästinensische Karte, um die Golfmonarchien unter Druck zu setzen oder in eine Allianz zu zwingen. Diese Muster leben bis heute fort, selbst im Krieg.
Die Mullahs wissen, dass sie am Ende militärisch gegen die israelisch-amerikanische Allianz keine Chance haben. Sie wissen aber auch, dass der Iran nicht zu erobern ist und allein ihr Überleben ein Sieg wäre, der Trump und Netanjahu politisch erledigen kann. Deshalb musste die US-Administration Regime Change zum Kriegsziel erklären. Auch wenn das ideologisch nicht zur MAGA-Agenda passt. Die USA werden daher versuchen, schnell zu Ergebnissen zu kommen.
Gefahr bei Zerfall des iranischen Zentralstaats
Wohingegen die iranische Führung auf Zeit spielen wird und den Golfstaaten weiter zusetzen könnte. Ihre Raketen gelten nicht nur den US-Basen, die sich mit Ausnahme Omans auf dem Boden dieser Länder befinden. Wenn sie in Flughäfen, Luxushotels und Urlaubsdomizilen einschlagen und die Straße von Hormus blockiert bleibt, ist das der Angriff auf ein Geschäftsmodell.
Es basiert darauf, sicherer Ort für Ölhandel, Finanzdienstleistungen und hochpreisigen Tourismus zu sein. Das hat schon vor dem Kriegsausbruch Wirkung gezeigt. Und es wird, solange der Iran die militärischen Kapazitäten dazu hat, auch weiter für eine Appeasement-Stimmung in den Palästen am Golf sorgen. Erst recht, wenn sich das Blatt wenden sollte und Iran der US-Streitmacht nennenswerte Verluste beibringt, die Trump zu Hause politisch in die Defensive zwingen.
Richtig Angst müssten die Golfmonarchen vor einem Szenario haben, das ihnen auf den ersten Blick fast wie ein Gottesgeschenk erscheinen könnte: der von separatistischen Bewegungen bewirkte Zerfall des iranischen Zentralstaats nach einem Kollaps der Mullah-Diktatur. Ein Blick auf die Konfliktkarte der Region verrät, wie real diese Gefahr ist. Und auch: Welch destruktive Sprengkraft eine solche Entwicklung nicht nur für den Vielvölkerstaat Iran hätte, wenn sich ethnische und religiöse Konflikte in Bürgerkriegen entladen.