Krieg in Nahost: Ölpreis steigt zeitweise um mehr denn zehn Prozent

Der Ölpreis ist infolge iranischer Angriffe auf Energieinfrastruktur in den Golfstaaten stark angestiegen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent legte am Donnerstag zeitweise um mehr als zehn Prozent zu und kostetet zeitweise gut 118 Dollar je Fass. Am späten Vormittag kostete ein Barrel dann wieder rund 113 Dollar – knapp sechs Prozent mehr als zu Handelsbeginn. Israel hatte am Mittwoch iranische Gasanlagen angegriffen. Teheran nahm daraufhin Öl- und Gasanlagen in Katar, Saudi-Arabien und Kuwait ins Visier.
Am Morgen war der Gaspreis in Europa schon in die Höhe geschossen. Der als Referenzindex geltende TTF legte um gut 21 Prozent auf gut 66 Euro je Megawattstunde zu. Zeitweise hatte der Anstieg bei 35 Prozent gelegen.
In Saudi-Arabien stürzte eine Drohne auf die Raffinerie Samref im Industriegebiet von Yanbu am Roten Meer. „Die Schadensbewertung ist im Gange“, erklärte das saudische Verteidigungsministerium am Donnerstagmorgen. „Wir behalten uns das Recht vor, militärische Maßnahmen zu ergreifen, sollte dies erforderlich sein“, erklärte Außenminister Prinz Faisal bin Farhan.
Angriffe in Qatar und Kuwait
In Qatar war am Mittwoch schon der Gaskomplex Ras Laffan beschädigt worden. Der amerikanische Präsident Donald Trump drohte daraufhin mit der Zerstörung von Irans wichtigster Gasförderstätte, sollte Teheran abermals die global wichtigste Produktionsstätte von Flüssigerdgas ins Visier nehmen. Qatar, der zweitgrößte Flüssiggasexporteur der Welt, meldete am frühen Donnerstag weitere „erhebliche Schäden“ an Ras Laffan. Der qatarische Zivilschutz teilte mit, die Brände vor Ort unter Kontrolle gebracht zu haben.
In Kuwait traf ein Drohnenangriff am Donnerstagmorgen eine der größten Raffinerien des staatlichen Ölkonzerns und löste in einer ihrer Anlagen einen Brand aus. Wenig später wurde eine Anlage einer zweiten Raffinerie des staatlichen Konzerns ebenfalls durch einen Drohnenangriff in Brand gesetzt.
Reiche: „Das kann zu Einbrüchen führen“
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigte sich besorgt wegen der jüngsten Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen und Gasfelder im Nahen Osten. „Das kann tatsächlich zu Einbrüchen führen“, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag in Berlin während einer Veranstaltung des Wirtschaftsrats der CDU. Reparaturen könnten Monate dauern.
US-Präsident Donald Trump hat nach einem israelischen Angriff auf das iranische Gasfeld South Pars mit der vollständigen Zerstörung der Anlage gedroht, sollte die Führung in Teheran mit weiteren Attacken auf Qatar reagieren. Es werde keine weiteren israelischen Angriffe auf das Gasfeld geben, sofern der Iran nicht weiter Qatar attackiere. In diesem Fall würden die USA – mit oder ohne israelische Hilfe – das gesamte Gasfeld South Pars „mit einer Stärke und Kraft, die der Iran noch nie gesehen oder erlebt hat, massiv in die Luft sprengen“.
Seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar sind die Benzinpreise deutlich gestiegen. Reiche sagte, das verschärfe die Lage, weil
deutsche Unternehmen ohnehin schon wegen hoher Energiepreise „aus dem Land getrieben“ würden. Das könne sie als Wirtschaftsministerin nicht kaltlassen. Die jetzige Lage sei aber nicht mit der Energiekrise im Jahre 2022 vergleichbar, als Russland die Ukraine angriff. Damals habe es in Europa Engpässe bei Energielieferungen gegeben, dies sei nun nicht der Fall. Betroffen seien vielmehr asiatische Staaten wie Japan, Südkorea und Indien, die sehr stark von Öl und Gas aus der Golfregion abhängig seien.
Reiche bringt am Donnerstag ein Gesetzespaket in den Bundestag ein,
das vor allem Preiserhöhungen an Tankstellen befristet auf ein Mal pro Tag beschränkt. Es sollten die vielen Preisveränderungen unterbunden und mehr Verlässlichkeit geschaffen werden. Denn die Preisaufschläge in Deutschland seit dem Iran-Krieg lägen über dem europäischen Schnitt.
Source: faz.net