Krieg in Iran: Macron kritisiert Trumps Krieg – und verlegt obschon Kräfte

Frankreich hat sich angesichts des Irankriegs für einen Mittelweg zwischen britischer Kritik und deutscher Zustimmung entschieden. Präsident Emmanuel Macron sagte, er könne die „außerhalb des Völkerrechts“ beschlossenen militärischen Operationen Israels und Amerikas nicht gutheißen, fügte aber hinzu, niemand werde „den Henkern ihres eigenen Volkes hinterherweinen“.
Fünf amerikanische Tankflugzeuge vom spanischen Luftwaffenstützpunkt Rota haben nach der spanischen Weigerung eine Genehmigung in Istres in Südfrankreich erhalten. Weitere könnten folgen. „Amerikanische Flugzeuge, die operative Unterstützung leisten, werden akzeptiert“, teilte der französische Generalstabschef mit.
Die stellvertretende Verteidigungsministerin Alice Rufo betonte, dass es sich nicht um Kampfflugzeuge handele, die aktiv in Kampfhandlungen gegen Iran eingebunden seien. Die Freigabe in Istres sei „ein Routineverfahren im Rahmen der NATO“. „Ein Tankflugzeug ist eine Tankstelle, kein Kampfflugzeug. Das ist die einzige Genehmigung, die vom Präsidenten erteilt wurde“, sagte Verteidigungsministerin Catherine Vautrin.
Frankreich hat eine Sonderstellung im transatlantischen Bündnis, da es keinen Stützpunkt automatisch zur Verfügung stellt.
5000 französische Soldaten in Alarmbereitschaft
Anders als Deutschland ist Frankreich durch Beistandsabkommen direkt militärisch in den Konflikt verwickelt. Macron betonte, dass die Einsätze der französischen Armee „strikt defensiv“ seien. Er bestätigte, dass Frankreich iranische Drohnen abgeschossen habe.
In den vergangenen Tagen beteiligten sich französische Rafale-Kampfjets am Schutz des Luftraums der Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich unterhält dort seit 2009 drei ständige Militärstützpunkte. Ein französischer Lagerraum auf dem Stützpunkt in Abu Dhabi wurde durch einen iranischen Drohnenangriff beschädigt.
Frankreich verfügt über Verteidigungsabkommen mit Zypern, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Qatar und ist zudem mit 800 Blauhelmsoldaten der UNIFIL-Mission in Libanon engagiert. Verpflichtungen gibt es auch gegenüber Jordanien und dem Irak. Frankreich unterstützt die Operation Chammal in den beiden Ländern mit 1200 Soldaten. Am Horn von Afrika, in Djibouti, ist der größte ständige Militärstützpunkt Frankreichs mit 1500 Soldaten beheimatet.
Insgesamt sind etwa 5000 französische Soldaten in der Region in Alarmbereitschaft versetzt. Außenminister Jean-Noël Barrot sagte, dass 400.000 Franzosen in den zwölf Ländern der Region leben oder sich dort aufhalten.
Flugzeugträger Charles de Gaulle im Mittelmeer angekommen
Um Zypern zu unterstützen, das im Dezember 2025 eine strategische Partnerschaft mit Frankreich unterzeichnete, hat Macron eine französische Fregatte, die Languedoc, sowie Luftabwehrsysteme und luftgestützte Radarsysteme nach Zypern entsandt. Der Flugzeugträger Charles de Gaulle ist am Freitag im Mittelmeer angekommen.
Frankreich, Spanien, die Niederlande, Italien und Griechenland haben ihre Aktionen zu Hilfe Zyperns koordiniert. Die niederländische Fregatte HNLMS Evertsen zählt zum Begleitschutz des französischen Flugzeugträgers. Spanien entsendet die Fregatte Christopher Columbus, die ebenfalls die Charles de Gaulle begleiten soll.
Nach einem Telefonat zwischen Macron und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beteiligt sich auch Italien an dem Einsatz. Athen hat bereits zwei Fregatten und F-16-Flugzeuge nach Zypern entsandt.
Macron will verhindern, dass Libanon noch weiter in den Irankrieg hineingezogen wird. Die libanesischen Behörden hätten zugesagt, die Kontrolle über die Stellungen der Hizbullah zu übernehmen. Frankreich werde seine Zusammenarbeit mit den libanesischen Streitkräften verstärken und ihnen gepanzerte Transportfahrzeuge sowie operative und logistische Unterstützung zur Verfügung stellen.
Macron appellierte an Israel, den Krieg nicht weiter auszuweiten. Frankreich will die humanitäre Hilfe für Libanon verstärken und Medikamente schicken. Französische Blauhelmsoldaten mussten sich in den vergangenen Tagen mehrfach in Deckung begeben, da es in der Nähe ihrer Stellungen zu Auseinandersetzungen zwischen Hizbullah-Kämpfern und der israelischen Armee kam.
Um die für Europa so wichtige Handelsroute von Hormus abzusichern, strebt Macron eine Verstärkung der EU-Marineoperation Aspides an. Frankreich erwägt, weitere Fregatten für die Operation zur Verfügung zu stellen. Der Generalstabschef der Marine, Admiral Nicolas Vaujour, hat kürzlich kritisiert, dass Frankreich mit seiner Flottengröße an die Grenzen dessen stoße, was es leisten könne.
Source: faz.net