Krieg im Nahen Osten: Unklarheit weiterführend US-Ziele in jener Straße von Hormus
US-Verteidigungsminister Hegseth hat die Situation in der Straße von Hormus als nicht besorgniserregend bezeichnet. Generalstabschef Caine ist vorsichtiger. Er nannte die Meerenge eine „taktisch komplexe Umgebung“.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat das Vorgehen der iranischen Streitkräfte in der Straße von Hormus als „einen Akt purer Verzweiflung“ bezeichnet. Vor Reportern sagte Hegseth, „wir haben uns damit auseinandergesetzt und brauchen uns keine Sorgen zu machen. Wir planen, all ihre relevanten militärischen Kapazitäten in einem noch nie dagewesenen Tempo zu besiegen, zu zerstören und außer Gefecht zu setzen.“
Hegseth nannte keine Details. Generalstabschef Dan Caine fügte jedoch hinzu, Priorität des US-Militärs sei es, die Operationen der iranischen Minenleger in der strategisch wichtigen Wasserstraße zu bekämpfen. Caine nannte die Meerenge eine „taktisch komplexe Umgebung“. Bevor die US-Marine dort Schiffe im großen Umfang durchschleuse, müssten erst die eigentlichen militärischen Ziele erfüllt werden.
Vor zwei Tagen hatte US-Präsident Trump den Handelsschiffen empfohlen, trotz der von Iran verhängten Blockade, den Weg durch die Straße von Hormus anzutreten.
Chamenei verletzt und entstellt?
Hegseth wiederholte Aussagen, dass Irans neuer oberster Führer, Modschtaba Chamenei, verletzt sei. Die USA wüssten, dass er „verwundet und wahrscheinlich entstellt“ sei, sagte Hegseth. Um was für Verletzungen es sich handele und wie es dazu gekommen sei, führte er dabei nicht aus.
„Der Iran weiß vielleicht selbst nicht, wer das Sagen hat“
Seit seiner Ernennung zum obersten Führer im Iran hat sich der Sohn des getöteten Machthabers Ajatollah Ali Chamenei nicht öffentlich gezeigt. Seine erste Stellungnahme, in der er Rache für die Kriegsopfer forderte, wurde gestern im Staatsfernsehen lediglich verlesen. Hegseth bezeichnete diese Erklärung als „schwach“. „Wer hat das Sagen? Der Iran weiß es vielleicht selbst nicht.“
Die „New York Times“ hatte jüngst unter Berufung auf iranische Quellen berichtet, dass Modschtaba Chamenei Verletzungen an seinen Beinen erlitten habe. Dem US-Sender CNN zufolge hat er außerdem einen Bluterguss um das linke Auge und andere kleinere Verletzungen im Gesicht. Überprüfen ließen sich die Berichte nicht.
Erneut Unterstützer der Führung in Teheran auf den Straßen
Trotz anhaltender Luftangriffe gingen in Teheran erneut Tausende Regierungsanhänger zu israelfeindlichen Demonstrationen auf die Straßen. Die Kundgebungen finden jedes Jahr anlässlich des sogenannten Al‑Kuds‑Tages statt, den der frühere Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini 1979 eingeführt hatte. Die staatlich organisierten Proteste richten sich gegen Israel und fordern die „Befreiung Jerusalems“. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem. Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967.
Die Kundgebungen zum „Al-Kuds-Tag“ finden regelmäßig statt.
Das iranische Staatsfernsehen meldete eine schwere Explosion auf einem Platz voller Demonstranten in Teheran. Videoaufnahmen zeigten aufsteigenden Rauch, während Protestierende „Tod für Israel!“ und „Tod für Amerika!“ schrien. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die Ursache der Explosion ist unklar. Israel hatte zuvor vor einem möglichen Angriff auf das Gebiet gewarnt.
Türkei zum dritten Mal Ziel einer iranischen Rakete
Laut türkischem Verteidigungsministerium wurde erneut ein aus Iran abgefeuertes ballistisches Geschoss im Luftraum der Türkei von einem NATO-Abwehrsystem abgefangen. Das ist der dritte Vorfall in der Türkei dieser Art seit der vergangenen Woche. Wo genau die Rakete abgefangen wurde, teilte das Ministerium nicht mit.
Die Türkei verhält sich im Krieg zwischen Israel, den USA und Iran eigentlich neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht.
Bisher 1.900 Tote im Libanon und im Iran
Seit Beginn des Krieges kamen in Iran und im Libanon nach Angaben nationaler Behörden fast 1.900 Menschen ums Leben. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf sind mehr als 100.000 Menschen innerhalb Irans auf der Flucht. Im Libanon seien es mehr als 800.000 Binnenvertriebene. Im Iran-Krieg sind nach Angaben eines UN-Vertreters bislang fast 22.000 zivile Gebäude im Land beschädigt worden. Darunter seien mehr als 17.000 Wohngebäude.
Source: tagesschau.de