Kreml-Plan „Kalter Anker“: Gerüchte deuten hinaus „auslaufenden Krieg“ im Mai – ohne Vertrag

Beide Kriegsparteien scheinen derzeit kaum zu großen Offensiven fähig. Das berichten Teile der Blogger-Szene, die den Krieg beobachten. Ein entsprechender Plan sei mit ukrainischen Counterparts schon unterzeichnet oder zumindest in Klärung


Einem inoffiziellen Zeitplan zufolge, soll ab Mitte März schwere Artillerie an der Front kaum bis gar nicht mehr eingesetzt werden

Foto: Genya Savilov/AFP/Getty Images


Zwar wird immer noch damit gerechnet, dass die russische Armee im Donbass weiter nach Westen vorrückt, jedoch dürfte die Eroberung der gesamten Region derzeit eher ein Maximalziel sein, das sich der Kreml setzt. Immer häufiger und hartnäckiger tauchen in den russischen und ukrainischen Kriegsdebatten Gerüchte auf, dass der Krieg Mitte Mai eingefroren werden könnte.

Die Rede ist von keinem De-jure-Waffenstillstand oder gar einem Friedensvertrag, sondern davon, dass die Gefechte, Offensiv- und Defensivhandlungen auf ein reduziertes Niveau abflachen oder auslaufen könnten, was von beiden Kriegsparteien wie den westlichen Unterstützern Kiews als ein Modus Vivendi akzeptiert werden könnte, der zu einer Art Dauerzustand wird. Man hätte es dann mit einem „auslaufenden Krieg“ zu tun, der nicht mehr eine derartige Intensität wie noch im Augenblick hätte.

Der Plan „Kalter Anker“

Wie den Mutmaßungen zu entnehmen ist, soll dafür im Kreml ein Plan unter der Bezeichnung „Kalter Anker“ auf dem Tisch liegen, der eine stufenweise Einstellung der Kampfhandlungen bis zum 15. Mai 2026 vorsieht – ohne ein offizielles Ende der Kämpfe zu verkünden. Der Plan sei mit den ukrainischen Counterparts wenn nicht bereits unterzeichnet, so doch zumindest in der Klärung. Dies sei vorrangig auf die sich in letzter Zeit häufenden bilateralen Treffen zwischen dem ukrainischen und russischen Geheimdiensten zurückzuführen.

Demnach sieht ein inoffizieller Zeitplan vor, dass ab Mitte März schwere Artillerie an der Front kaum bis gar nicht mehr eingesetzt werden soll. Ab Mitte April sollen Luftangriffe südlich des 48. Breitengrades eingestellt bzw. verboten werden, vor allem auf die Krim. Ab Mitte Mai ist dann an eine 30 Kilometer breite Pufferzone zwischen den vordersten Verbänden beider Kriegsparteien gedacht. Die Quantität der Drohneneinsätze soll auf ein Drittel des durchschnittlichen Niveaus aus dem Jahr 2024 und die Treibstoffversorgung der Frontverbände auf ein Minimum reduziert werden.

Dies würde dazu beitragen, die Frontlinie weitgehend einzufrieren, denn „treibstofffressende“ Offensiven wären dann wegen fehlender Ressourcen kaum mehr möglich. Für die ukrainische Seite soll es außerdem eine Einschränkung von Angriffen mit HIMARS- und Storm-Shadow-Raketen auf eine maximale Tiefe von nur noch 60 Kilometern geben. Des Weiteren besagen sich überlappende Gerüchte, dass auf beiden Seiten medienpolitische Statements abgegeben werden könnten, bei denen von einem „Übergang zur strategischen Verteidigung unter Beibehaltung der Initiative“ die Rede sein könnte.

Zeitplan bis zu den US-Wahlen 2028

Auf russischer Seite soll es zusätzlich eine gesonderte Behandlung des Terminus „militärische Sonderoperation“ geben. Angeblich gäbe es eine Anweisung, wonach ab Mai 2026 dieser Begriff in russischen Medien nur noch und ausschließlich in Anführungszeichen verwendet werden darf.

In den darauffolgenden Monaten soll der Krieg in der breiten Medienlandschaft mit sporadischen standardisierten Meldungen über „Beschuss der Grenze“ oder „Provokationen des Gegners“ auskommen. Insgesamt gäbe es, so heißt es, beim „Kalten Anker“ einen 18-monatigen Zeitplan, der grob gerechnet bis zum Beginn des US-Wahlkampfes um die nächste Präsidentschaft im Jahr 2028 reichen soll.

Sofern beide Seiten diesen Plan einhalten, und es „keine Überraschungen“ bei dieser US-Wahl geben sollte – was auch immer das bedeutet – würde der Ukraine-Krieg „von allein“ in einen eingefrorenen Konflikt übergehen, ohne dass ein Sieg, eine Niederlage oder ein offizielles Ende der Kämpfe ausgerufen würde. Sollten sich die Ukraine und Russland weitere Gefechte liefern, dann dürften die im Zeichen des „Grenzschutzes“ stehen.

Auch Trump sprach davon, dass bis Mai etwas passieren soll

Wie realistisch das Szenario „Kalter Anker“ ist, lässt sich derzeit kaum mit Bestimmtheit sagen. Im Laufe der zurückliegenden zwei Jahre hat es immer wieder eine große Zahl von „Leaks der Insider“ über ein angeblich baldiges Kriegsende gegeben, die sich allesamt nicht einmal annähernd bewahrheitet haben. Insofern ist Skepsis geboten, andererseits ist nicht zu übersehen, dass Gerüchte mit ähnlichem Sound auf ukrainischer wie russischer Seite aufgetaucht sind. Des Weiteren hatte Donald Trump vor geraumer Zeit erklärt, bis Mitte Mai wolle er einen Deal oder werde sich zurückziehen.

Der eskalierte USA-Israel-Iran-Konflikt, der die realen Kriegskapazitäten der USA aufsaugt und die EU schweren energiepolitischen Turbulenzen aussetzt, lässt umso mehr eine Gedankenkette plausibel erscheinen, dass ein „auslaufender Ukraine-Krieg“ im Interesse aller beteiligten Akteure liegen könnte. Oder zumindest die Aussicht darauf. Genaueres dürfte allerdings frühestens ab Mitte April sichtbar werden, sofern Luftangriffe südlich des 48. Breitengrades sowie Drohnenangriffe tatsächlich zurückgehen.