Krankenstand: Blaumachen ist verantwortungslos

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kostet die Arbeitgeber jedes Jahr 82 Milliarden Euro. Das ist das Doppelte der Leistungen der Arbeitslosenversicherung und übersteigt auch jene der Pflegekassen bei Weitem. 82 Milliarden Euro entsprechen dem erheblich erhöhten Verteidigungshaushalt. Die Kosten für die Betriebe sind stark gestiegen und ein weiterer Grund dafür, dass die Wirtschaft in den Seilen hängt. Es ist daher richtig, dass Kanzler Merz und Gesundheitsministerin Warken (beide CDU) eine Diskussion über übertriebene Krankschreibungen angestoßen haben.

Es ist ein hohes Gut, dass sich Arbeitnehmer ohne Gehaltseinbußen auskurieren können. Niemand, schon gar nicht der Betrieb, wünscht sich, dass sich Angeschlagene zur Arbeit quälen und dort andere anstecken. Es gibt aber Hinweise darauf, dass mit den Regeln, die viel großzügiger als in anderen Ländern sind, Schindluder getrieben wird. Es geht darum, diese Auswüchse abzustellen, nicht darum, Arbeitnehmerrechte einzuschränken.

Dem Missbrauch wird Tür und Tor geöffnet

Die Arbeitsunfähigkeit muss ärztlich nachgewiesen werden, spätestens am vierten Tag. Die Gesundheit ausschließlich am Telefon zu beurteilen, wie es seit der Corona-Pandemie möglich ist, fällt aber selbst erfahrenen Medizinern schwer und sollte daher entfallen.

Onlinekrankschreibungen öffnen dem Missbrauch ohnehin Tür und Tor, sie dienen vor allem windigen Geschäftemachern. Ärzte müssen die Kranken sehen, um eine Diagnose zu stellen. Will man die Wartezimmer entlasten, geht das auch übers Smartphone.

Auffällig oft melden sich Arbeitnehmer an Freitagen und Montagen krank. Um das Blaumachen zu unterbinden, sind unbezahlte Karenztage zu Beginn der Krankmeldung sinnvoll. Denkbar wäre, dass die Mitarbeiter ihren Krankenstand dann um diese Tage nach hinten verlängern dürfen, falls nötig. In jedem Fall muss mehr Verantwortungsbewusstsein her: wenn schon nicht für den Standort und das Unternehmen, dann wenigstens für die Kollegen, die jedes Mal die Suppe auslöffeln müssen.