Konflikt mit USA: Dänemark brachte Blutkonserven und Sprengstoff nachher Grönland

Als dänische Soldaten im Januar nach Grönland entsandt wurden, um eine mögliche amerikanische Intervention abzuwehren, rechneten führende Militärs und Politiker jederzeit mit einem Angriff. Die Soldaten führten Blutreserven mit sich, außerdem scharfe Munition und Sprengstoff, mit dem im Falle eines Angriffs die Landebahnen in Nuuk und Kangerlussuaq – wo wichtige Militäreinrichtungen liegen – zerstört werden sollten. Außerdem wurden dänische F-35-Kampfflugzeuge mit scharfen Waffen zu der Insel geschickt.
Das berichtet der dänische Rundfunk unter Berufung auf führende dänische Militärs und Beamte sowie Geheimdienstquellen in Frankreich und Deutschland. Demnach wurden die Soldaten mit einem sogenannten königlichen Verteidigungsbefehl nach Grönland entsandt, der besagt, dass Dänemark im Falle eines Angriffs den Kampf aufnehmen muss. In dem Befehl stand – anders als üblich – den Quellen zufolge „nichts Deeskalierendes“.
Auch mehrere europäische Staaten hatten damals zur Unterstützung Dänemarks Soldaten nach Grönland geschickt, darunter Deutschland und Frankreich. Offiziell diente die Entsendung der Sicherung der Arktis im Rahmen der Übung „Arctic Endurance“. Der tatsächliche Zweck war ein anderer. „Es war keine Übung, es war ernst gemeint“, sagte eine Quelle in der dänischen Verteidigung dem Sender.
Dänische Soldaten hatten bereits im Januar der F.A.Z. bestätigt, dass die Entsendung eigentlich der Abwehr Amerikas diente. Es gehe eindeutig darum, für Amerika den Preis einer möglichen Annexion hochzutreiben, sagte damals ein Soldat. Die offizielle Linie aber war eine andere. Sowohl Armeechef Michael Hyldgaard als auch Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen verneinten Ende Januar im Gespräch mit der F.A.Z., dass die Entsendung der Abschreckung Amerikas diene.
Seit 1940 befand sich das Land nicht mehr in solch einer Lage
Amerikas Präsident Donald Trump hatte damals wiederholt einen Militäreinsatz nicht ausgeschlossen, um Grönland zu annektieren. Vor diesem Hintergrund sorgte die amerikanische Intervention in Venezuela in Kopenhagen für große Besorgnis. Zunächst flogen damals einige dänische, französische, deutsche, schwedische und norwegische Soldaten nach Grönland. Kurz darauf folgten größere Truppenteile, darunter dänische Soldaten des Dragonerregiments, Elitesoldaten des Jägerkorps und französische Gebirgsjäger.
Ziel war es laut dem dänischen Rundfunk, Soldaten mit so vielen verschiedenen Flaggen auf den Schultern wie möglich auf der Insel präsent sein. Informationen über konkrete amerikanische Pläne für eine Invasion liegen dem Bericht zufolge nicht vor.
„Wir haben uns seit April 1940 nicht mehr in einer solchen Situation befunden“, sagte eine Quelle aus dem Verteidigungsbereich dem dänischen Rundfunk. Damals war Dänemark Nazi-Deutschland nicht militärisch entgegengetreten, auch um die eigene Bevölkerung zu schützen. Kopenhagen kapitulierte damals rasch und kollaborierte; erst im Laufe der Jahre wuchs im Land der Widerstand.
Source: faz.net