Kompetent wohnhaft bei Twitch & Co – Rose Mondy ist die neue „Miss Germany“
Unternehmerinnen – teils auch mit Hijab – eine Wissenschaftlerin und eine Bundeswehroffizierin wollten „Miss Germany“ werden. Am Ende setzt sich eine Kandidatin durch, die eine ganz andere Männerdomäne erobert hat.
Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, aus der Wahl der „Miss Germany“ eine ganz explizit politische zu machen. Wenn angesichts der viel propagierten „Zeitenwende“ die Bundeswehroffizierin Aileen Tina Hufschmidt gewonnen hätte zum Beispiel oder wenn mit den beiden Muslimas Büsra Sayed oder Amina Ben Bouzid Unternehmerinnen gesiegt hätten, die Kopftuch tragen und dafür nach eigenen Angaben angefeindet werden.
Beim Finale des Wettbewerbs in den Bavaria Studios bei München aber gewann nach dem Publikums-Voting am Samstagabend eine Frau, die eine ganz andere Männerdomäne erobert hat als die Bundeswehr: Die 26 Jahre alte Rose Mondy ist Streamerin und zeigt sich auf der Plattform „Twitch“ beispielsweise beim „Zocken“, beim Spielen von Videogames wie „Minecraft“ oder „Fortnite“.
Auch Millionen Frauen zocken, ist sich die Jury einig
Es ist ein Metier, in dem vorwiegend Männer verortet sind. Aber, wie Jury-Mitglied und Schauspielerin Collien Fernandes (44, „Das Traumschiff“) sagt: Auch Millionen Frauen zocken. Mondy hatte sich vor ihrem Sieg bereits in der Kategorie „Female Mover“ für Frauen in männlich dominierten Branchen durchgesetzt.
Eine „Wundertüte“ wird Mondy von der Jury genannt. Eine Frau, die den Verantwortlichen für das Finale und die zugehörige Serie „Road to Miss Germany“ auf Sixx und Joyn das eine oder andere graue Haar beschert habe. Aber dann irgendwann sei sie aus sich herausgekommen – und über sich hinausgewachsen.
2025 war Mondy (bürgerlicher Name: Dua Fares), die als Kind syrischer Eltern in jungen Jahren nach Deutschland kam und heute Hunderttausende Follower in den sozialen Medien hat, bereits als Streamerin des Jahres ausgezeichnet worden. Nachdem die Corona-Krise ihrem Kosmetikstudio ziemlich zugesetzt hatte, verlagerte die junge Frau ihre Arbeit ins Internet.
Als Kind syrischer Eltern klagt die 26-Jährige über Alltagsrassismus
Dabei nutzt sie ihren Stream auch dafür, sehr offen über ihre Sprachprobleme zu sprechen und über den „Alltagsrassismus“, den sie als Kind syrischer Eltern in Deutschland erlebt. Ihre Wahl ist also politischer als sie auf den ersten Blick aussieht. „Ich zeige, dass man nicht perfekt sein muss, um Erfolg zu haben“, sagt sie nach ihrem nicht nur von ihr, sondern auch von den Konkurrentinnen und dem Produktionsteam emotional und mit Tränen in den Augen gefeierten Sieg der Deutschen Presse-Agentur.
Insgesamt hatten sich 2.600 Frauen für den Titel der Miss Germany beworben, wie der Veranstalter, die Miss Germany Studios, mitteilte. Neun Frauen schafften es ins Finale, wo sie in jeweils drei Kategorien gegeneinander antraten. Rose Mondy gewann zunächst in der Kategorie „Female Mover“, in der Frauen ausgezeichnet wurde, die sich in Männerdomänen behaupten.
Unter den Top-Drei, die sich in ihren jeweiligen Kategorien „Female Founder“, „Female Leader“ und „Female Mover“ in der Jurybewertung durchgesetzt hatten, standen neben der Streamerin noch die 36-jährige Anne Bäumler (36) aus dem hessischen Assenheim, die bei einer Drogeriekette ein Team von mehr als 800 Mitarbeitenden führt, und die 31 Jahre alte Biologin Amelie Reigl aus Würzburg, die menschliche Haut im Labor züchtet, um Tierversuche zu reduzieren.
Gesucht: Dax-Vorständinnen statt Beauty-Influencerinnen
Lange als Schönheitswettbewerb bekannt, versteht sich die Verleihung, die im kommenden Jahr 100 Jahre alt wird, inzwischen als Auszeichnung für Frauen, „die Zukunft gestalten, entwickeln“ und in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen.
Man suche „nicht nach den nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern nach zukünftigen Dax-Vorständinnen und erfolgreichen Gründerinnen“, teilte der Veranstalter mit.
Rose Mondy löst nun die Ärztin Valentina Busik als „Miss Germany“ ab, die mit Künstlicher Intelligenz arbeitet und die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem voranbringen will. Sie hat einen Avatar entwickelt, der Tag und Nacht für jeden verständlich auf 40 Sprachen und Gebärdensprache medizinischen Fachjargon übersetzen soll.
dpa/krott
Source: welt.de