Komödie „Damen“: Töchter, Mütter, Multikulti

Allein die Tatsache, dass in der Komödie „Damen“ (Regie Katharina Bischof, Drehbuch Stefanie Kremser) meist die Sonne scheint, hebt die triste Februar-Stimmung. Außerdem spielt „Damen“ in München, einer Stadt also, die auch ohne schönes Wetter für schöne Bilder sorgt. Im Mittelpunkt steht Maya (Salka Weber), eine Frau Mitte dreißig, die als mobile Nagelpflegerin und freie Maskenbildnerin am Theater arbeitet und von einem Termin zum nächsten hetzt, ohne je die Contenance oder Zuversicht zu verlieren. Ihre Busfahrten nutzt die Kamera (Robert Münchhofen) und fängt Mayas Profiblick auf die Hände der Mitfahrenden ein, die mal runzlig, glatt oder auffällig manikürt sind.

Alltagsrassismus, Generationenkonflikte

Mayas Arbeitstag endet nicht, wenn die Nägel der Kundinnen strahlen. Ihre Mutter Doro (Anja Herden) hat sich in sich selbst und ihre vermüllte Wohnung zurückgezogen, aus der sie Maya zu locken versucht. Anja Herden spielt die depressive Mutter eindrucksvoll. Der Tochter verweigert sie immer wieder den Zutritt zur Wohnung, sie brüllt, faucht und liegt zusammengekauert im Bett. Doros Auftritte, die das Sommerfeeling kurz unterbrechen, gehören zu den stärksten im Film.

Vor einigen Jahren lief der für den Grimme-Preis nominierte Fernsehfilm „Herren“, der die Geschichte eines Deutschbrasilianers erzählte, Rassismus thematisierte und für den Stefanie Kremser ebenfalls das Drehbuch schrieb. „Damen“ ist gewissermaßen eine weiche, fröhliche Fortsetzung aus weiblicher Perspektive. Mayas Großvater war ein afroamerikanischer GI, sie selbst ist Münchnerin, wird aber aufgrund ihrer Hautfarbe gern gefragt, ob sie adoptiert worden sei. Ihre Mitbewohnerin Sema (Şafak Şengül) hat türkische Wurzeln, ist Optikerin mit einem eigenen instagramtauglichen Geschäft, reüssiert als Influencerin und trägt seltsamerweise eine überdimensionierte Brille, die ihr nicht sonderlich gut steht. Zu Mayas Freundeskreis zählen außerdem Kim (Viet Pham), der aus einer deutsch-vietnamesischen Familie stammt, sowie dessen reizende Großmutter Thao (Mai-Phuong Kollath).

Alltagsrassismus, Generationenkonflikte, Identitäts- und Herkunftsfragen bilden die Grundmelodie dieser in keiner Szene moralisch aufgeladenen Komödie. Dass „Damen“ zudem ohne die in den Öffentlich-Rechtlichen beliebte Didaktik auskommt, ist erfreulich. Allzu viel Tiefe darf man jenseits der Szenen mit Mayas Mutter allerdings nicht erwarten. Geschmeidig löst sich etwa das „Drama“ um Semas Bruder Yunus (Tareq Nassery), der seinem Vater zuliebe bereit ist, eine arrangierte Ehe einzugehen, anstatt seinem Herzen zu folgen. Letztendlich siegt natürlich die Liebe – wie bei Maya. Für den Theaterschauspieler Philip (Patrick Isermeyer), dessen Mutter aus Angola stammt, entwirft sie eine zauberhafte Paradiesvogelmaske, und die beiden kommen einander näher. Und die seelisch zerrüttete Doro verlässt mit Maya nach langer Zeit zum ersten Mal ihre Wohnung. Kitsch? Nein, nur ein schönes Ende.

Damen läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD.

Source: faz.net