Kommentar zu Iran-Eskalation: Es gibt kein klares strategisches Ziel

Iranische Flagge


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Stand: 02.03.2026 • 01:52 Uhr

Wird es in Iran einen Machtwechsel geben? Die Hoffnung sei trügerisch, meint Clemens Verenkotte. Denn die Erben von Chamenei klammerten sich an die Macht. Und den USA fehle es an Geduld.

Steht jetzt das Ende des Regimes bevor? Jetzt, nach der Tötung des greisen, grausamen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei und seiner Militärspitze? Die Hoffnung ist groß: Iraner im In- und Ausland jubeln. Und viele von uns sagen: Zu wünschen wäre es den 90 Millionen Iranerinnen und Iranern.

Netanjahu hofft auf mehr Zeit

Doch die Hoffnung ist trügerisch. Für den Machtwechsel müsste die Bevölkerung schon selbst sorgen, sagt US-Präsident Donald Trump. Und zwar dann, wenn er und seine Verbündeten fertig sind. Trump setzt auf einen raschen Erfolg, er will sich schnell zum Sieger erklären. Denn der Geduldsfaden seiner Anhänger für eigenmächtig begonnene Kriegseinsätze ist inzwischen ziemlich dünn.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hofft hingegen, von Trump mehr Zeit zu bekommen. Zeit, um sein jahrzehntelanges Ziel zu erreichen: Das Mullah-Regime zum Einsturz zu bringen und damit den Erzfeind auszuschalten.

Gewaltige Risiken

Die Frage allerdings ist: Wenn das gelingt, wer schützt dann die iranische Bevölkerung vor dem arg angeschlagenen Regime? Vor den Schlägertrupps und Revolutionsgardisten, die es noch gibt. Trump etwa, oder Netanjahu? Wohl kaum. Es gibt eben kein klares strategisches Ziel der USA, wie es denn nach einem Ende ihres Angriffs im Iran weitergehen soll.

Schon jetzt ist zu sehen: Die Erben Chameneis tun alles, um an der Macht zu bleiben. Und um sich an Israel, den USA und den arabischen Nachbarstaaten zu rächen. Kein Zweifel: Der „War of Choice“, der Krieg der Wahl, den Washington und Jerusalem begonnen haben, birgt gewaltige Risiken. Für uns alle.

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Source: tagesschau.de