Kölner Tatort Showtime: Mord im Kinderfernsehen? Als Medienkritik reicht dies nicht

Schenk und Ballauf ermittelten im Tatort „Showtime“ am Sonntagabend bei der Kindersendung „Lachen und Sachen“. Eine echte Fernsehen-im-Fernsehen-Geschichte also. Doch die gute Idee blieb in den Kulissen stecken


Frank Anders (Max Giermann) ist off-Kamera ein Kotzbrocken

Foto: WDR/Bavaria Fiction/Martin Valentin Menke


Kinderfernsehen kann auch Schlagzeilen machen: Pee-wee Herman, Gastgeber des US-amerikanischen Formats Pee-wees Playhouse, wurde Anfang der 1990er in einem Schwulenkino wegen „unsittlicher Entblößung“ festgenommen, was zur Absetzung der Show führte. Gegen das Rappeln im Karton rund um eine Kindersendung im jüngsten WDR-Tatort Showtime klingt das allerdings wie Pillepalle.

Dort entdeckt man am Sonntagabend nämlich die verkohlte Leiche des Kameramanns der (im Titel etwas unelegant die WDR-Fernsehmaus channelnden) Kindersendung Sachen und Lachen in seinem verbrannten Auto. Und nach dem Start der Ermittlungen des Kölner Polypenduos Schenk und Ballauf (Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt) gibt es einen zweiten, noch auffälligeren Verlust zu verzeichnen.

Denn der Gastgeber, Moderator und Kinderidol Frank Anders (Max Giermann), stürzt vom Dach einer Ruine in den Tod. Was nicht wirklich todtraurig ist – wie die Herren Kommissare schnell herausfinden, war der Typ (Obacht Kinder, earmuffs!) off-Kamera ein misanthropischer Kotzbrocken.

Nur eine Verkettung unglücklicher Umstäne

Am Ende heißt es wider Erwarten nicht „Der Tapir war’s, der Tapir war’s!“, wie die Punchline von Tassilo Tapir lautet, dem menschengroßen Maskottchen der imaginären Sendung. Dabei hätte dessen Puppenspieler (Ercan Acar) gute Gründe für Missetaten gehabt. Allein die anatomisch inkorrekte Tapir-Darstellung gehört schließlich gerächt, zumindest aus zoologischer Sicht.

Stattdessen entpuppen sich die Mordfälle einerseits als von Anders selbst ausgeführt (Motiv: Geldgier und fieser Charakter), andererseits als Verkettung von unglücklichen Umständen: Die durch traumatische Waisenhauserfahrungen geprägte Produktionspraktikantin Marie (Bineta Hansen), Sachen und Lachen-Fan der ersten Stunde, kam dunklen Vertuschungsmachenschaften Anders’ auf die Schliche, wollte ihn erpressen und schubste den Choleriker aus Notwehr in die Tiefe.

Ein Hauch von Medienkritik weht durch den „Tatort“

Dass die Prime Time es bei ihrem braven Zugpferd am Sonntagabend mit einer echten Fernsehen-im-Fernsehen-Geschichte versucht, durch die gar ein Hauch Medienkritik weht, ist wunderbar. Trotzdem schade und vielleicht auch auftragssenderbedingt, dass man nicht einen Schritt in Richtung Bissigkeit und Authentizität weiterging, und in den Studios drehte, wo Kindheitserinnerungen tatsächlich entstanden: im „Sesamstraßen-Studio“ zum Beispiel – dafür hätte es allerdings einen Hamburg-Tatort gebraucht – oder bei Willi will’s wissen – da hätte der BR federführend sein müssen.

So entwickelt der mit viel Fantasie vielleicht immerhin als dunkle Seite der Sendung mit der Maus durchgehende Hinter-den-Kulissen-Tatort zu wenig Wirkmacht, um sein tief verstecktes Grundmotiv – toxische Machtstrukturen in der Medienbranche – umfassend und vor allem nachhaltig zu erforschen. Eher bleibt er selbst ein wenig in jenen Kulissen stecken – und scheitert letztlich am zwangsunterhaltenden Format.

Unverblümter und unnötiger „male gaze“

Sperenzchen wie Giermanns ständiges Zitieren seiner legendären (und formidablen) Kinski-Parodie führen das Anliegen des von Regisseurin Isabell Šuba nach einem Buch der alten Tatort-Hasen Arne Nolting und Jan Martin Scharf inszenierten Films noch weiter vom Thema weg; und ein Kameraschwenk entlang der Beine von knapp bekleideten Komparsinnen, denen die Kommissare im Studio begegnen, sind unverblümter und unnötiger „male gaze“.

Dass darüber hinaus Schenk und Ballauf dem Publikum und sich selbst jeden gemachten und geplanten Ermittlungsschritt erklären, passt vielleicht gut ins Kinderfernsehen. Aber 20 Uhr ist Hauptabendprogramm. Da sollten unter 12-Jährige doch schon schlummern – ob mit oder ohne Plüsch-Tapir im Arm.