Kennedy Center Washington: Philip Glass kontert Trump

„Amerika wird niemals von au­ßen zerstört werden. Wenn wir ins Wanken geraten und unsere Freiheiten verlieren, liegt es daran, dass wir uns selbst zerstört haben.“ Dem Autor dieses Satzes hat der amerikanische Komponist Philip Glass seine 15. Symphonie gewidmet: „Lincoln“. Die für Juni geplante Premiere hat er abgesagt, weil der Ort der Uraufführung gekapert worden ist.

„Nach gründlichen Überlegungen habe ich mich entschlossen, die Aufführung meiner 15. Sym­phonie ‚Lincoln‘ im John F. Kennedy Center zurückzuziehen. Die 15. Symphonie ist ein Porträt von Abraham Lincoln, und die Werte des heutigen Kennedy Center stehen in direktem Konflikt mit der Botschaft der Symphonie. Aus diesem Grunde fühle ich mich verpflichtet, die Premiere dieser Symphonie im Kennedy Center unter seiner heutigen Leitung zurückzuziehen“, schreibt der Komponist.

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Seit Monaten ist, un­ter dem Führer-Ego von Donner-Gott Donald, der Versuch zu erleben, die amerikanische Geschichte, gerade die Jahre unter Abraham Lincoln mit den Kämpfen um die Bürgerrechte, zu überschreiben und große Ins­titutionen zu beherrschen. Dazu gehört das Kennedy Center of the Performing Arts in Washington DC, eröffnet 1971, acht Jahre nach der Ermordung des 35. amerikanischen Präsidenten. Im Februar 2025 ließ sich Trump vom Board der Trustees zum Chairman of the Board ernennen. Er ließ wissen, wie sehr ihm die als „woke“ eingeschätzten Programme missfielen; entledigte sich der langjährigen Präsidentin Deborah Rutter und etlicher anderer leitender Mitarbeiter; installierte den als Mitläufer bewährten Richard Grenell als Interimspräsidenten; und verkündete: Unter seiner Ägide solle und werde das Kennedy Center in der Bundeshauptstadt zu einem „very special and exciting place“ werden.

In den vergangenen Monaten haben viele bekannte und renommierte Künstler ihre Auftritte im Kennedy Center abgesagt, oft aus Angst vor Repressalien. Die Nachricht von Philip Glass, eines Großen und Vielgerühmten, hat nun Nachhall in aller Welt gefunden. In diese Nachricht ist eine politische Mahnung ohne das Geschrei eines agitatorischen Zungenschlags eingesenkt: durch den Hinweis auf jene Werte, die Amerika groß gemacht haben. Schon mit der Namensgebung der Symphonie ist eine Botschaft in mehrfachem Sinn verbunden: auch die, dass künstlerische Botschaften an einem Ort der Repression verraten werden.

Implizit erinnert sie an eine Botschaft Kennedys darüber, wie Amerika groß werden kann: „Ich blicke in eine große amerikanische Zukunft; in eine Zukunft, in der unser Land seine militärische Stärke mit unserer moralischen Verantwortung verbindet, seinen Reichtum mit seiner Weisheit, seine Macht mit unseren Werten. Ich blicke in ein Amerika, in dem Anstand und Schönheit zu den großen Werten gehören und das die Schönheit der Natur schützt. Und ich blicke voraus in ein Amerika, das nicht allein wegen seiner Stärke Respekt verdient, sondern wegen seiner Zivilisation.“

Source: faz.net