Keine Revolte unter dieser SPÖ: Babler sitzt wieder starr im Sattel

Am Ende reichte es für ein solides Ergebnis: 81,51 Prozent der Delegierten stimmten am Samstag für den einzigen Kandidaten. Damit ist der österreichische Vizekanzler Andreas Babler als Bundesvorsitzender seiner SPÖ bestätigt und hat zumindest das Minimalziel erreicht: Die acht müsse vorne stehen, hatte es vor der Wahl geheißen, sonst sehe es schlecht aus für die nahe Zukunft der Partei.

Die gefährlichste Revolte gegen Babler war allerdings schon vor dem Wiener Parteitag abgeblasen worden. Vor allem in den Landesverbänden wird dem 1973 in Mödling, südlich von Wien, geborenen Parteilinken vorgeworfen, nur noch die eingefleischte SPÖ-Klientel zu erreichen. Derzeit liegen die Sozialdemokraten in Umfragen noch deutlich unter den mageren 21 Prozent, die sie bei der letzten Nationalratswahl geholt hatten, uneinholbar abgeschlagen hinter der rechten FPÖ. Doch der in Stellung gebrachte Gegenkandidat, der frühere SPÖ-Kurzzeitkanzler Christian Kern, kniff im letzten Moment, obwohl man ihm schon breite Unterstützung organisiert hatte.

Auf der SPÖ-Bühne ist Babler in seinem Element

Es sei dabei gar nicht so sehr um die Ausrichtung der Partei gegangen, heißt es nun von den Organisatoren der Revolte. Tatsächlich bekommt Babler für sein Agieren als Vizekanzler in der Regierung mit ÖVP und NEOS durchaus Lob. Dort hat er sich zum verlässlichen Pragmatiker gewandelt, der Sparmaßnahmen und strenge Asylregeln mitträgt.

Doch es komme auch auf die Art der Kommunikation an, mit der die SPÖ in den Dörfern und an den Stammtischen nicht mehr durchdringe, sagen Bablers Gegner. Mit den alten Floskeln von Solidarität und Gleichheit könne man da nicht punkten.

Auf dem Parteitag streichelte Babler, der gern seine Herkunft als Arbeiterkind hervorhebt, mal wieder die sozialdemokratische Seele. Den Großteil seines Berufslebens verbrachte er in Parteifunktionen. Mit der Wiener Kunstszene, für die er als Kultur- und Medienminister zuständig ist, fremdelt er weiterhin sichtbar.

Doch auf der SPÖ-Bühne ist er in seinem Element. 2023 hatte er sich, damals Bürgermeister von Traiskirchen im Speckgürtel Wiens, im parteiinternen Machtkampf zwischen der damaligen Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner und dem Parteirechten Peter Doskozil durch eine geschickte Kampagne selbst an die Spitze gebracht.

In der Messehalle in Wien spannt er am Samstag einen weiten Bogen von der Weltlage bis hin zur Vermögenssteuer und kommt am Ende zur Geschlossenheit, die die Partei wieder finden müsse. Es mache ihn „nachdenklich“, dass die Partei in Umfragen nicht dort sei, „wo wir gerne wären“. Das liege natürlich auch an eigenen Fehlern, schickte er – vielleicht als Zeichen an seine Gegner – hinterher.

Source: faz.net