Kampf um die Fed: Wer wird dieser neue Chef dieser amerikanischen Notenbank?

Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die amerikanische Notenbank Fed in dieser Woche ihre Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau zwischen 3,5 und 3,75 Prozent belässt – trotz des wachsenden Drucks aus dem Weißen Haus.  Eine Inflationsrate von 2,8 Prozent im November, eine Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent und ein Wirtschaftswachstum von annualisiert 4,4 Prozent im  dritten Quartal des vergangenen Jahres zeigen eine robuste Volkswirtschaft. Diese produziert zwar deutlich weniger offene Stellen als in früheren Jahren. Doch es gibt auch keine großen Entlassungswellen.  Zudem suchen weniger Leute Arbeit als Folge der Deportations- und  Immigrationspolitik der US-Regierung. Die Teuerungsrate  übersteigt nach wie vor das Inflationsziel von zwei Prozent und lag sogar höher als im November 2024, stagniert aber seit einiger Zeit.

So lautet offenbar der Konsens, dass Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum noch nicht genug Gründe liefern, die Wirtschaft durch weitere Leitzinssenkungen zu befeuern, während die Inflation nicht bedrohlich genug erscheint, um ihr Einhalt zu gebieten. Die wahrscheinliche Entscheidung, die Leitzinsen dieses Mal nicht anzurühren, beruht auf einer konventionellen Sichtweise, von der eines klar ist: Die Trump-Regierung will sie nicht länger tolerieren. Der Mann, der nun ein neues  Denken in die Federal  Reserve bringen soll, heißt Rick Rieder. Er ist Chief Investment Officer für internationale festverzinsliche Anlagen bei Blackrock, dem größten privaten Geldanleger der Welt. In dieser Funktion verantwortet er die Verwaltung von Anleiheportfolios im Umfang von mehr als 2,4 Billionen Dollar.

Der Neue folgt Jerome Powell nach

Bis vor Kurzem noch galten Kevin Hassett, wirtschaftspolitischer Berater des Präsidenten, und Kevin Warsh, ein New Yorker Milliardär und ehemaliger Notenbanker, als Favoriten. Doch  nach Äußerungen von Insidern verdichten sich die Hinweise, dass Rieder nun die besten Karten hat.  Finanzminister Scott Bessent deutete an, dass die Spitzenpersonalie diese Woche bekannt gegeben werden könnte. Der Neue soll Jerome Powell nachfolgen, dessen Rolle als Chef der Notenbank im Mai endet.

Rieder hatte im Interview mit Donald Trump bleibenden Eindruck hinterlassen, wie dieser verlauten ließ. Tatsächlich verraten  öffentliche Äußerungen, dass Rieder einen deutlich geschmeidigeren geldpolitischen Kurs verfolgen würde als die aktuelle Führung der Federal Reserve.  Der Wall-Street-Banker, der lange für die untergegangene Investmentbank Lehman Brothers gearbeitet hatte, vertritt einige unkonventionelle Vorstellungen.

Im Mai 2024 sagte er dem Wirtschaftsmagazin „Fortune“: „Für mich ist heute – bestenfalls – unklar, ob ein höheres Zinsniveau hilft, die Inflation zu senken, oder ob es am Ende eher zu ihr beiträgt.“  Nach seiner Deutung waren damals viele Unternehmen und Besserverdiener  zu Sparern geworden, die von hohen Zinsen profitierten und die Erlöse zurück in den Wirtschaftskreislauf schleusten und damit die Nachfrage stimulierten, statt diese zu dämpfen.

In anderen Phasen allerdings forderte er eine entschlossenere Straffung der Geldpolitik, als die  Federal Reserve praktiziert hatte.  Rieder sieht  die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und ihre Folgen für die Produktivität als einschneidend an. Sie könnte nach seiner Einschätzung  die Inflation deutlicher drücken, als die Modelle der Fed bisher erwarten ließen. Damit si­gnalisiert er die Bereitschaft zu Zinssenkungen   in der aktuellen Phase.  Die Tatsache, dass er das Erreichen des Inflationsziels von zwei Prozent weniger  hoch hängt als viele Notenbanker, unterstreicht  diese Neigung.

Sein  Augenmerk würde stärker  dem Funktionieren des US-Staatsanleihen-Marktes gelten als volkswirtschaftlichen Modellen. Das unterscheidet ihn von den anderen Kandidaten, die Trump gesprochen hat.

Source: faz.net