Kampf um die Commerzbank: Warum Unicredit Griechenland liebt

Die Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp hält die Offerte des italienischen Konkurrenten Unicredit nicht für ein echtes Übernahmeangebot, sondern für einen „technischen Schachzug“. Dies sagte sie am Dienstag auf einer Investorenkonferenz. Das Übernahmeangebot sei angesichts der Kursziele der Bank sehr niedrig.
Weiterhin würde die Commerzbank für Gespräche mit der Unicredit zur Verfügung stehen, „dafür bräuchten wir aber etwas in der Hand“, sagte sie und meinte damit einen Plan mit Angaben zu Synergien, Restrukturierungskosten, Zeitverlauf, Preis für die Aktionäre und Fragen der Unternehmensführung. Die Botschaft der italienischen Bank, dass sie zwar die 30-Prozent-Schwelle des Kapitalanteils an der Commerzbank überschreiten wolle, nicht aber die Kontrolle anstrebe, sei schwer nachzuvollziehen, findet Orlopp. Der Schritt sei im Übrigen überraschend gekommen, es gab vorher keine Abstimmung.
Dennoch kann die Commerzbank die Offerte aus Mailand offenbar nicht komplett ignorieren. So will die Bank aus Frankfurt ihre Gewinne anheben. „Wir denken derzeit über eine Beschleunigung nach“, sagte Orlopp gegenüber Bloomberg TV. Die Fondsgesellschaft Union Investment, die ein Commerzbank-Aktionär ist, hat der Commerzbank-Führung empfohlen, nun in einen „konstruktiven Dialog“ mit Unicredit zu treten.
Die Alpha Bank stand bis zur staatlichen Rettung am Abgrund
Der Unicredit-Vorstandsvorsitzende Andrea Orcel hatte am Montag die Commerzbank-Führung zu Gesprächen aufgefordert. Doch Gespräche mit welchem Ziel? Dazu blieb der italienische Spitzenmanager in einem Rundruf mit Analysten vage. Immerhin aber machte er einige Andeutungen. Als Vorbild nannte er die griechische Alpha Bank, an der Unicredit mit knapp 30 Prozent beteiligt ist. Man wolle „einen Dialog, der hoffentlich viel enger und viel konstruktiver ist als heute – so wie der Dialog, den wir heute mit der Alpha Bank in Griechenland haben“, sagte Orcel. Die Kontrolle über die Commerzbank strebe man nicht an, jedenfalls nicht sofort, sondern nur eine wie auch immer geartete Kooperation.
Alpha Bank und die Commerzbank sind schwer miteinander vergleichbar. Die eine gehört zu den vier systemischen Banken des kleinen Landes Griechenland und wird von den Anlegern derzeit mit 8,8 Milliarden Euro bewertet – nicht mal ein Viertel des Börsenwertes der Commerzbank. Und doch nennt Orcel die beiden Banken in einem Atemzug, denn am liebsten würde er in Deutschland genauso offen empfangen werden wie in Griechenland. „In unseren bisherigen Verhandlungen hat nur ein Land die EU-Regeln wirklich akzeptiert – Griechenland“, sagte der italienische Bänker dem Magazin Bilanz im September. „Dort sind wir überall willkommen: bei der Bank, der Zentralbank, der Regierung und in der öffentlichen Meinung.“
Unicredit profitiert von der Kooperation
Unicredit hat seine Anteile an der Alpha Bank seit Ende 2023 von knapp zehn Prozent auf heute rund 29 Prozent schrittweise aufgestockt. Verkäufer war die Regierung in Athen, welche die Bank während der schweren Schuldenkrise retten musste. Zudem hat die stark auf Osteuropa konzentrierte Unicredit-Gruppe der Alpha Bank in Rumänien fast die ganze dortige Tochtergesellschaft abgekauft, die mit 4800 Mitarbeitern und 300 Niederlassungen immerhin über einen Marktanteil von 13 Prozent im Kreditgeschäft des Landes und von 11 Prozent bei Spareinlagen verfügt. Alpha Bank hält jetzt nur noch einen Anteil von knapp 10 Prozent.
In Griechenland kann Unicredit mit Hilfe der Alpha Bank ihre Produkte vertreiben, ohne die griechische Bank kontrollieren zu müssen. Das ist beispielsweise bei einem Angebot in der Vermögensverwaltung namens „onemarkets“ der Fall. Alpha Bank verfügt über gute Kontakte zu wohlhabenden Griechen und griechischen Unternehmen. So entstehen Synergien, ohne das Unicredit dafür viel Geld ausgeben muss.
„Unsere strategische Partnerschaft mit Unicredit eröffnet neue Möglichkeiten in den Bereichen Beratung, Investmentbanking, Handelsfinanzierung, Cash Management, Treasury-Dienstleistungen, internationale Konsortialfinanzierungen sowie Vermögens- und Private-Wealth-Management“, teilte der Alpha-Bank-Vorstandsvorsitzende Vassilios Psaltis kürzlich mit. Untermauert wird die Zusammenarbeit dadurch, dass im elfköpfigen Verwaltungsrat der griechischen Bank eine Unicredit-Vertreterin sitzt.
In Griechenland, das jahrelang wirtschaftlich auf dem Boden lag und wie ein Paria behandelt wurde, empfindet man die Zusammenarbeit mit der Unicredit wie einen Ritterschlag. Hier hören die Parallelen zu Deutschland und der Commerzbank auf. Die Machtverhältnisse sind völlig andere. Zu laut will man in Mailand denn auch nicht die Vergleiche zwischen den ungleichen Banken ziehen – aus Angst, die Commerzbank zu vergraulen.
Langfristig bleibt die Frage offen, zu welchem Modell es kommen wird, sollte es nicht beim Status Quo bleiben: Eine Zusammenarbeit ohne Kontrollausübung wie im Alpha-Modell oder eine vollständige Integration wie bei der Unicredit-Tochtergesellschaft Hypo-Vereinsbank? Kein Zweifel, dass Orcel die letztere Variante bevorzugen würde, weil damit die größeren Synergien zu erzielen wären. Doch wegen des Widerstandes der Commerzbank und der Bundesregierung will er sich nun schrittweise voranarbeiten. Daher der Verweis auf das Modell Griechenland.