Kampf um den Freie Demokratische Partei-Vorsitz: „Ein Neuanfang bedeutet neue Köpfe“

Herr Höne, in der FDP herrscht Chaos. Am Montag kündigte der gesamte Vorstand seinen Rücktritt an. Parteichef Christian Dürr will – zum Erstaunen vieler – wieder als Chef kandidieren. Was machen Sie?

Die FDP hat alle Chancen auf ein erfolgreiches Comeback. Unsere Perspektive, unsere Art Politik zu machen, wird gebraucht. Aber dafür müssen wir einen Neuanfang schaffen. Ich will der Partei ein Angebot dafür machen und auf dem Bundesparteitag Ende Mai als Bundesvorsitzender kandidieren.

Allein? Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat gerade durchblicken lassen, dass sie sich vorstellen kann, die Partei in einer Doppelspitze mit Ihnen zu führen.

Mein Angebot ist eines, das ich allein mache. Ich freue mich, wenn auch andere Persönlichkeiten sich weiterhin stark einbringen. Wir brauchen Marie-Agnes Strack-Zimmermann, wir brauchen Wolfgang Kubicki und viele andere.

Wohl auch, weil die beiden deutlich prominenter sind als Sie. Kubicki gab kürzlich zu bedenken, dass die FDP eigentlich nicht die Zeit habe, einen neuen Vorsitzenden bundesweit erst bekannt zu machen.

Sollte der Parteitag mich wählen, käme eine Menge harter Arbeit auf mich zu. Dessen bin ich mir bewusst. Aber ein Neuanfang bedeutet eben auch neue Köpfe und die Einsicht, dass man sich ein neues Profil erarbeiten und für anderes bekannter werden muss. Ich bin bereit, dafür alles zu tun, was notwendig ist. Dazu gehört es, ein starkes Team einzubinden.

Sie sprachen von einem neuen Profil. Auch Christian Dürr hat in den vergangenen Monaten ein neues Grundsatzprogramm erarbeiten lassen. Was wollen Sie anders machen?

Wir müssen viel stärker von unserem Markenkern her denken. Größtmögliche Freiheit für jede und jeden. Und wir dürfen uns nicht über Nähe zu oder Abstand von anderen definieren. Die FDP braucht eine spürbare Strategie und nicht nur einen neuen Anstrich. Wir müssen eigene Überschriften setzen statt nur tagespolitisch zu kommentieren. Das Kernversprechen der FDP ist sehr aktuell. „Die Freiheit stirbt immer zentimeterweise“, wusste Karl-Hermann Flach. In den letzten Jahren ist sie meterweise gestorben.

Bisher Chef der FDP in Nordrhein-Westfalen: Höne im Landtag
Bisher Chef der FDP in Nordrhein-Westfalen: Höne im Landtagdpa

Auf Freiheit können sich in der FDP alle einigen. Bloß verstehen die einen darunter Kettensäge, die anderen Kindergärten. Wie wollen Sie die zusammenführen?

Uns sollte bewusst sein, dass uns viel mehr eint, als uns trennt. Und dass es in der Demokratie und in einer Partei gar nicht schlimm ist, wenn es unterschiedliche Schwerpunkte oder Meinungen gibt. Wir müssen alte Gräben überwinden und einen Schlussstrich mit Blick auf die Ampel ziehen. Ab diesem Mai geht der Blick wieder nach vorne. Was uns als FDP einzigartig macht, ist, dass alle anderen Parteien dem Bürger versprechen: Wir lösen das für dich. Wir sind diejenigen, die sagen: Wir glauben an Dich, das kannst Du allein. Und wir schaffen die Bedingungen dafür.

Das ist etwas sehr Kraftvolles, von da aus werde ich die FDP neu aufstellen. Und uns eint noch viel mehr: Es sind die Liberalen, die an die tiefe transatlantische Freundschaft glauben, die Präsidenten übersteht. Es sind Liberale, die das Existenzrecht des Staates Israels verteidigen. Es sind Liberale, die imperialistische Träume von Xi und Putin in Taiwan und der Ukraine zurückweisen. Und es sind Liberale, die für ein freies Europa und Wochenendbesuche bei Freunden ohne Grenzkontrollen streiten. Das müssen wir erzählen.

Viele Bürger wissen, wofür die FDP steht. Sie glauben nur nicht, dass sie genügend davon durchsetzen kann. Mit Jamaika wurde es erst gar nichts, und in der Ampel ging es schief.

Wir haben nicht nur Wahlen verloren, sondern auch viel Vertrauen. Das wollen wir zurückgewinnen. Wir haben seit der Bundestagswahl schon zu viel Zeit verstreichen lassen. Darum brauchen wir dringend einen Neustart im Mai.

Kann aus Ihrer Sicht Christian Dürr ein Teil davon sein, zum Beispiel Mitglied eines FDP-Vorstandes unter Ihrer Führung?

Nein. Der Neustart muss mit neuen Köpfen gelingen.

Source: faz.net