Jochen Buchsteiner: „Die Vertreibung hatte eine Vorgeschichte“
DIE ZEIT: Herr Buchsteiner, Ihre Familie stammt aus Ostpreußen. Für Ihr Buch über Ihre Familiengeschichte konnten Sie sich auf Notizen Ihrer Großmutter Else stützen, die Sie in den Neunzigerjahren aufgefordert hatten, ihre Fluchtgeschichte aufzuschreiben. Woher kam damals der Impuls?
Jochen Buchsteiner: Ostpreußen war immer ein Thema bei uns in der Familie, und meistens wurde darüber eher positiv gesprochen – wie schön Ostpreußen war und wie toll das Gut. Aber sowie man auf die Flucht zu sprechen kam, wurden alle sehr einsilbig. Als ich meine Großmutter bat, das alles mal für uns Enkel aufzuschreiben, hat sie sich lange gesträubt. Nach vielen Jahren schrieb sie dann mithilfe von Tagebucheinträgen, alten Briefen und viel Gedächtnisarbeit in zwei langen Wintern alles nieder, mehr als 60 Seiten. Erst als ich es las, wurde mir klar, welche Überwindung sie das gekostet haben musste.