Jobcenter Mannheim: Wer sich nicht beim Jobcenter meldet, wird zu Hause besucht
Pünktlich um neun Uhr meldet sich am Schalter der Agentur für Arbeit in Mannheim eine Frau, die nur deshalb hierherkommen muss, weil sie Bulgarin ist. Sie hat eine Verwandte dabei, zum Übersetzen. Hätte sie nicht gebraucht. Die Dame am Schalter begrüßt sie auf Bulgarisch und begleitet sie nach oben, zur Arbeitsvermittlung und zur Sozialberatung – beides ebenfalls in ihrer Sprache. Dabei will sich die Frau bloß anmelden, beim Einwohnermeldeamt. Aber so einfach geht das nicht. Nicht in Mannheim, nicht als Bulgarin.
Seit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) im Mai von „mafiösen Strukturen“ sprach, steht diese Gruppe von Migranten im Fokus: Menschen aus Bulgarien und Rumänien, aus SOE, wie Behörden oft schreiben, also aus Südosteuropa. Oder präziser: aus den beiden Ländern, die 2007 der Europäischen Union beitraten und 2014 die Arbeitnehmerfreizügigkeit erhielten. Der Schritt hat Deutschland günstige Arbeitskräfte beschert. Aber auch Armutsmigration und Sozialleistungsbetrug.