Jeffrey Epstein: Ein mächtiges patriarchales Netz
Fassungslosigkeit, Wut, Abscheu. Mit diesen Gefühlen liest man die Geschichten der Frauen, die über Jahre von dem Investmentbanker Jeffrey Epstein und einer unbekannten Zahl reicher und mächtiger Männer vergewaltigt, misshandelt und offenbar wie Ware weitergereicht worden sind.
Wer außerdem die politischen Erdbeben verfolgt, die immer neue Berichte über Epsteins Männerfreundschaften (und einige Frauenfreundschaften) auslösen, mag auch Genugtuung empfinden. Der Mann, der bis vor Kurzem Prinz Andrew war, ist heute faktisch Persona non grata im eigenen Land. Die Berufung des britischen Politstars und Epstein-Vertrauten Peter Mandelson zum Botschafter in den USA hat in London zu einer Regierungskrise geführt. Die Reputation von Bill Gates als globalem Wohltäter ist wegen seiner Epstein-Freundschaft schwer beschädigt. Ebenso die der linken Ikone Noam Chomsky oder des ehemaligen französischen Kulturministers Jack Lang.