Janosch – welcher Vater welcher Tigerente wird 95

Der Kinderbuchautor und Illustrator Janosch


Porträt

Stand: 11.03.2026 • 13:57 Uhr

Er ist der Erfinder von Tiger, Bär und Tigerente – und begleitete Generationen von Kindern. Dabei war seine eigene Kindheit von Gewalt und Traumata geprägt. Nun wird der Kinderbuchautor Janosch 95 Jahre alt.

Die Tigerente – für viele Menschen ist das ein Stück Kindheit. Auf Tassen, Socken und Schnullern, als Plüschfigur und im Fernsehen, überall ist das Tier mit den schwarz-gelben Streifen präsent. Ihren Ursprung hat die Tigerente in den Kinderbüchern von Janosch an der Seite von Tiger und Bär, die gemeinsam Abenteuer erleben.

Nun wird der Schöpfer dieses Universums 95 Jahre alt. Was muss man über Janosch wissen, der nach Stationen in München und am Ammersee seit mehr als 40 Jahren auf der Kanareninsel Teneriffa lebt?

Eigene Kindheit als „Hölle“

Geboren wurde Janosch, mit bürgerlichem Namen Horst Eckert, 1931 im oberschlesischen Bergarbeiterort Zabrze, heute in Polen. Seine eigene Kindheit beschreibt Janosch als „Hölle“. Sein Vater sei jeden Tag „besoffen“ gewesen, schildert Janosch in einem Spiegel-Interview aus dem Jahr 2017, und habe sowohl ihn als auch die Mutter geschlagen.

Doch auch diese sei nicht besser gewesen: „Meine Mutter hat mich immer gehauen – dabei sagte sie, wenn du nicht aufhörst zu heulen, schlag ich dich tot“, so Janosch. Hinzu kamen die mit Vehemenz auftretenden Priester der katholischen Kirche, die tief sitzende Ängste vor der Sünde beim jungen Horst auslösten. Ihm sei eine „Schuld, die man nie loswird“, eingepflanzt worden.

In dem Filmporträt „Janosch – ja ist gut, nein ist gut“ des Bayerischen Rundfunks (BR) schildert Janosch auch die „Quälerei in der Hitlerjugend“, der er beitreten musste und in der er litt, auch weil er nicht so sportlich war wie andere. „Die hatten mich auf dem Kieker“, erzählt er. „Dann haben sie mich geschliffen, bis zum Umfallen.“

„Wollte ein Kitschbuch machen“

Tiger, Bär und Tigerente waren eine Art Trotzreaktion – auf die Ablehnung an der Kunstakademie in München. Auch erste Bücher wie „Die Geschichte vom Pferd Valek“ hatten keinen rechten Erfolg. So sann er auf Protest: „Ich wollte ein Kitschbuch machen“, sagt er in dem BR-Film.

Dieses „Kitschbuch“ hatte eine ungeahnte Wirkung. „Oh, wie schön ist Panama“ bescherte dem Künstler den lang ersehnten Durchbruch. Seit dem ersten Erscheinen 1978 verkaufte sich das Werk nach Angaben des Beltz-Verlages weltweit mehr als zwei Millionen Mal. Es wurde in unzählige Sprachen übersetzt.

Andere Werke wie „Kasper Mütze“ oder „Lari Fari Mogelzahn“ festigten Janoschs Ruf als einfühlsamer und fantasievoller Autor und Illustrator für Kinder. Lesenswert sind auch seine Romane für Erwachsene. Insgesamt schrieb er mehr als 150 Bücher, teilweise ist von rund 300 Werken die Rede.

Der Kinderbuchautor Janosch vor seinen beiden Figuren Tiger und Bär.

„Sehnsucht nach einem einfachen Leben“

Bis heute bezaubern seine Kinderbücher auch Erwachsene. „Einmal ist da die Sehnsucht nach einem einfachen Leben, nach Glück, der Liebe und der Freundschaft. Und das Versprechen, dass sich all dies erfüllen kann, wenn man seinen eigenen Weg geht“, sagt Katrin Hartmann, Cheflektorin Bilderbuch beim Verlag Beltz & Gelberg.

Tiger und Bär feiern die kleinen Freuden des Lebens. Voller Liebe, Rücksicht und Respekt sorgen sie sich umeinander. Sie schwelgen in Kompott aus selbst gesammelten Waldbeeren oder genießen „fabelhafte Bouillon“ mit Kartoffeln. Und wenn der Tiger krank ist, pflegt ihn der Bär mit Hingabe gesund.

Flucht in Alkoholkonsum

Für Janosch war diese Idylle eine Art Seelenpflaster und ein Kontrast zur eigenen Kindheit. Doch seine Erfahrungen als Kind blieben nicht ohne Folgen. So versuchte auch Janosch, seine Erinnerungen mit Alkohol zu betäuben: Im Alkoholrausch habe er den Punkt erreichen können, die verdrängten Kindheitstraumata wieder freizulegen und sie zu beschreiben, so Janosch.

Er habe mit dem Verstand aus seinem Kopf aussteigen müssen, sagte er seiner Biografin Angela Bajorek, die 2016 über ihn geschrieben hatte. Der Titel des Buches ist ein Stück Lebensweisheit, wie sie typisch für den Künstler ist, der Bescheidenheit liebt: „Wer fast nichts braucht, hat alles“.

Sehnsucht nach Polen

Seine düstere Seite kommt vor allem in den Romanen zum Tragen, die sich eher an Erwachsene richten. In „Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm“ etwa erzählt er schonungslos, aber auch wehmütig von der grauen Arbeitersiedlung, in der er seine Kindheit verbrachte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ die Familie fluchtartig ihr Zuhause, um schließlich in der Nähe von Oldenburg zu landen. Für Janosch blieb Zabzre trotz allem eine Art Sehnsuchtsort. So notiert er später im Roman „Polski Blues“: „Polen ist ein Heimwehland“.

„Sie hätten Panama einfach gegoogelt“

Anders als früher gibt Janosch keine Interviews mehr, auch weil seine Gesundheit nicht mehr so stabil ist. „Er will seine Ruhe haben“, heißt es bei der Janosch-Gesellschaft, die auch nach dem altersbedingten Ende von dessen Schaffensphase sein Werk lebendig hält.

Bis vor einigen Jahren hatte Janosch noch eine Kolumne im Wochenmagazin Zeit. Als „Herr Wondrak“ sinnierte er darin über das Leben und das Weltgeschehen, so etwa 2015, als er die Mediensucht zum Thema machte: „Herr Janosch, was wäre eigentlich gewesen, hätten Tiger und Bär Smartphones gehabt?“, fragte er. Die ernüchternde Antwort: „Sie hätten Panama einfach gegoogelt und wären im Übrigen am Tisch sitzen geblieben“.

Source: tagesschau.de