Jan Böhmermann: Ach, die Welt!
Wie
schön wäre es, Jan Böhmermann mal ganz ohne Reflexe zu begegnen. Bevor man
losläuft durch diese Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt an diesem
Samstagmorgen mit den anderen müden Journalisten und dem müde aussehenden Jan Böhmermann. Einmal innerlich ausklopfen, bitte. Weil man den Namen Jan Böhmermann nicht mehr sagen kann, ohne dass eine Wolke aus Meinungen
entgegenstaubt. Weil die Ausstellung noch bevor ein Journalist einen Zeh über
die Schwelle des HKW setzen konnte, „in Kritik geriet“, wie es so
neutralitätskrampfig heißt, weil der Kulturstaatsminister laut und
öffentlichkeitswirksam den geplanten Auftritt des Rappers Chefket wegen eines
antisemitischen T-Shirts auf einem Instagramfoto kritisiert hat, die Debatte
hiermit umrissen sei, dass Jan Böhmermann die Kritik wieder
„zurückweist“, und an diesem Morgen sagt: „Zwischen mich und
Wolfgang Weimer passt keine Welt am Sonntag“. Wenn irgendjemand das
Existenzrecht Israels leugne, hake er sich bei Weimer ein und „boxe den
von der Bühne“. Oder weil die Berliner Zeitung kurz vor der Eröffnung der
Ausstellung einen Text in die Heißluftfritteuse
schmiss und das inhaltsleere Ergebnis mit „Böhmermanns dubiose Geschäfte“
übertitelte und den Blutdruckerhöher „mit Steuergeldern finanziert“
reinstreute. Oder weil es Herbst 2025 ist und man insgesamt an der Erregung
öffentlicher Erregung interessiert ist. Und damit zur Kunst.