„Italien ist abgehängt. Wenn Deutschland diesen Weg weitergeht, droht uns gleichartig“

Philipp Lahm spricht eine Warnung für den deutschen Fußball aus. Der Weltmeister von 2014 beobachtet eine taktische Entwicklung, die ihm Sorgen bereitet. Es drohe das Italien-Schicksal.

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Philipp Lahm hat seine Sorgen über die aktuelle Spielweise im deutschen Fußball geäußert. Gleichzeitig hob er in einer Kolumne für die englische Zeitung „Guardian“ die Vormachtstellung des spanischen Modells in Europa hervor.

Der Weltmeister von 2014 bezeichnete es als „überlegenes Modell für den Erfolg in der Champions League“. Die Überlegenheit der spanischen Art und Weise zu spielen, spiegle sich zum Beispiel in der Dominanz der spanischen Trainer in den europäischen Klub-Wettbewerben wider. In den Achtelfinals aller drei Wettbewerbe standen gleich elf von ihnen. Lahm nannte Mikel Arteta (FC Arsenal), Luis Enrique (Paris St. Germain), Xabi Alonso (ehemals Real Madrid), Unai Emery (Aston Villa), Cesc Fàbregas (Como 1907), Pep Guardiola (Manchester City) oder Luis de la Fuente (Nationaltrainer Spaniens) als Erfolgsbeispiele.

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Das Modell aus Spanien verfolge laut dem 42-Jährigen den Ansatz des ballorientierten Defensivspiels mit klar definierten Positionen und Rollen sowie organisiertem Kombinationsspiel. „Die Spieler müssen zusammenarbeiten, sich orientieren und im richtigen Moment, vom Zusammenspiel der Mannschaft geleitet, in die Eins-gegen-Eins-Situationen gehen. Denn das Eins-gegen-Eins ist nach wie vor der Kern exzellenten Fußballs“, schrieb Lahm.

Italien sei mit seiner auf Manndeckung ausgelegten Taktik abgehängt worden. Zwar stelle Italien auch nach Carlo Ancelotti (Nationaltrainer Brasiliens) weiterhin Trainer für den internationalen Markt. Doch die Mannschaften seien international kaum noch erfolgreich. Wenn Deutschland diesen Weg einschlage, könne es ihnen genauso ergehen. „Italien ist bereits abgehängt. Wenn Deutschland diesen Weg weitergeht, droht uns dasselbe“, schrieb Lahm.

Lahm beobachtet mehr Manndeckung in der Bundesliga

Der Kapitän der 2014er-Weltmeistermannschaft hofft, dass in Deutschland die richtigen Schlüsse gezogen werden, denn auch in der Bundesliga sehe er nun wieder häufiger Manndeckung. „Ich bin überrascht, dass so viele Verteidiger in der Bundesliga ihre Gegner wieder bis zur Toilette verfolgen. Bayern macht es auch; Vincent Kompany setzt manchmal auf Manndeckung. In der Bundesliga, wo er keine Konkurrenz hat, werden Fehler nicht bestraft“, schrieb Lahm.

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Weiter sagte Lahm über die Bayern: „Um große Ziele zu erreichen, braucht ein Trainer einen unverwechselbaren Stil. Kompany, ein Schützling Guardiolas, scheint von einer ballbesitzorientierten Verteidigung auf Manndeckung umstellen zu wollen. Diese Umstellung zu meistern, ohne die Kontrolle zu verlieren, wäre die ultimative Leistung. Bisher ist es keinem Trainer gelungen.“

dv

Source: welt.de