Ist Russlands Außenminister Lawrow zwischen Putin in Ungnade lieben?

Sergej Lawrow

Stand: 10.11.2025 14:38 Uhr

Russlands Außenminister Lawrow fehlte vergangene Woche bei einer Sitzung des Sicherheitsrates. Nun brodelt die Gerüchteküche. Ist er bei Putin in Ungnade gefallen? Während der Kreml das zurückweist, halten die Gerüchte an.

Das Gerücht ist so hartnäckig, dass der Kreml es heute erneut dementieren musste. Nein, Außenminister Sergej Lawrow sei nicht in Ungnade gefallen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow und wiederholte damit genau das, was er bereits am Freitag öffentlich gesagt hatte. „All diese Nachrichten sind absolute Lügen, denen man keine Beachtung schenken darf.“ Alles sei in Ordnung. „Und wenn es wieder entsprechende öffentliche Veranstaltungen gibt, werden sie den Herrn Minister sehen.“

Am vergangenen Mittwoch fehlte Außenminister Lawrow bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates – als einziger unter den ständigen Mitgliedern des von Kremlchef Wladimir Putin geleiteten Gremiums. Das sorgte für Aufsehen, weil bei genau dieser Sitzung Russlands Antwort auf mögliche US-Atomwaffentests verkündet wurde, und weil der langjährige Putin-Vertraute sonst immer zuverlässig anwesend ist.

Das Fehlen sei vorher abgesprochen gewesen, hieß es anschließend offiziell. Dennoch folgte der Abwesenheit Lawrows umgehend eine Gerüchte-Lawine auf sozialen Medien über ein Abstrafen, vielleicht sogar den baldigen Rauswurf nach 21 Jahren im Amt.

Lawrow vertrat harte Linie gegenüber den USA

Der mögliche Hintergrund: Anfang Oktober verkündete US-Präsident Donald Trump ein baldiges Treffen mit Putin in Budapest – für den russischen Präsidenten äußerst prestigeträchtig und eine Fortsetzung des Kurses, sich den USA weiter anzunähern, ohne im Krieg gegen die Ukraine echte Kompromisse einzugehen.

Kurz vor dem geplanten Gipfeltermin telefonierten die Außenminister der beiden Länder. Lawrow soll dabei äußerst hart die russische Linie vertreten haben, keine Zugeständnisse zu machen für ein schnelles Schweigen der Waffen. Die Linie soll so wenig flexibel gewesen sein, dass Trump das Budapest-Treffen wegen der abzusehenden Erfolglosigkeit absagte.

Diese Absage könnte Putin dem Außenminister vorwerfen. Allerdings: Der unversöhnliche, aggressive Ton – nicht nur der ukrainischen Regierung gegenüber, sondern auch deren europäischen Unterstützerländern – das ist Putin pur. Ebenso das Festhalten am Kriegskurs.

„Alles, was Lawrow sagte, war abgestimmt“

„Natürlich treibt Lawrow die Linie von Putin voran“, sagt Alexej Wenediktow, Ex-Chefredakteur von Echo Moskwuj, im unabhängigen russischsprachigen YouTube-Kanal „shiwoj gwosd“: Der Außenminister könne sich nichts Eigenes erlauben – außer seinem eigenen Stil. „Alles, was Lawrow Rubio sagte, wurde mit Putin abgestimmt“, betont Wenediktow.

Auch Politikwissenschaftler Michail Winogradow betont auf YouTube bei „shiwoj gwosd“, es falle schwer zu glauben, dass Lawrow sich ungehorsam verhalten habe. „Schaut man auf die Geschichte des Außenministeriums in den vergangenen 30 bis 35 Jahren, dann sieht man, dass diese Behörde extrem selten eine eigenständige politische Haltung hatte. So etwas gab es kaum.“

Andere Gründe für Abwesenheit?

Aber auch andere Gründe für die Abwesenheit Lawrows wurden in der Vergangenheit schon mehrfach dementiert: Etwa dass der 75-Jährige einfach amtsmüde sein könnte oder dass es Zeit sei für einen Generationenwechsel.

Den bislang letzten tatsächlichen Abgang aus dem Vertrautenkreis des russischen Präsidenten gab es Mitte September. Da musste Dmitri Kosak seinen Schreibtisch räumen, der Vizechef der Präsidialverwaltung und langjähriger, enger Wegbegleiter Putins. Kosak ging offiziell auf eigenen Wunsch. Klar ist aber auch: Kosak soll der letzte verbliebene im engen Putin-Umfeld gewesen sein, der sich gegen den Krieg und für Verhandlungen mit Kiew ausgesprochen hatte. Eine Haltung, die Außenminister Lawrow fremd ist.

Source: tagesschau.de