Israel droht, Chamenei-Nachfolger zu töten – „Der Iran hat sich verkalkuliert“, sagt Masala
Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts kündigt Israel an, dessen Nachfolger ins Visier zu nehmen. Sicherheitsexperte Carlo Masala analysiert die aktuelle Lage in Nahost. Mehr im Liveticker.
Seit dem Wochenende greifen Israel und die USA den Iran an. Am Samstag wurde das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet, der seit 1989 an der Macht war. Der Iran reagiert mit Gegenangriffen auf US-Basen, Israel und arabische Verbündete der USA. Zum Teil lassen sich Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Alle Ereignisse rund um den Angriff auf den Iran im Liveticker:
08:27 Uhr – Masala: „Der Iran hat sich verkalkuliert“
Im Krieg gegen Israel, die USA und ihre Verbündete setzt der Iran aktuell vor allem auf Drohnen. Ob das iranische Raketenprogramm aber erfolgreich geschwächt wurde, ist für Sicherheitsexperte Carlo Masala offen. „Wir wissen aber auch, dass der Iran unterirdisch Raketen lagert. Also, es kann sein, dass das nur eine kleine Pause ist des Irans mit dem Raketenbeschuss“, sagt Masala im Interview mit WELT TV.
Das Kalkül der iranischen Führung mit Angriffen auf die Nachbarn sei gewesen, dass die Nachbarn die USA und Israel drängen, diesen Krieg einzustellen. Das sei nicht eingetreten, im Gegenteil. „Die beschossenen Nachbarn halten sich die Option frei, aktiv in diesen militärischen Konflikt mit einzutreten, was für den Iran zum Nachteil wäre“, sagt Masala. „Wenn der Iran letzten Endes hier einen Flächenbrand in dem Sinne erzeugen wollte, dass in vielen seiner arabischen Nachbarstaaten innenpolitische Proteste gegen die Politik der Regierungen ausbrechen, hat er sich momentan verkalkuliert.“
08:26 Uhr – Israel droht, Chamenei-Nachfolger zu eliminieren
Israel will auch den Nachfolger des zum Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran getöteten Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei töten. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz schreibt in einem Post auf der Plattform X, jeder Anführer, der im Iran ernannt werde, „um weiterhin das Programm zur Vernichtung Israels voranzutreiben, die USA, die freie Welt und die Staaten der Region zu bedrohen und das iranische Volk zu unterdrücken, wird ein eindeutiges Ziel für eine Eliminierung sein“. Es spiele dabei keine Rolle, „wie er heißt oder wo er sich versteckt“.
Man werde sich weiterhin gemeinsam mit den USA dafür einsetzen, „die Fähigkeiten des Regimes zu zerschlagen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das iranische Volk es stürzt und ersetzt“. Als einer der möglichen Nachfolger Chameneis gilt sein Sohn Modschtaba.
08:15 Uhr – Iran feuert mehr als 40 Raketen auf israelische und US-Ziele
Die iranischen Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben mehr als 40 Raketen auf Ziele Israels und der USA abgefeuert. Es handle sich um die 17. Angriffswelle der „Operation Ehrliches Versprechen“, hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung der Revolutionsgarden. Der Angriff sei vor „ein paar Stunden“ erfolgt.
08:10 Uhr – Israel fliegt erneute Angriffswelle auf Teheran
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut massive Luftangriffe auf die iranische Hauptstadt Teheran geflogen. Bei der Angriffswelle unter „Anleitung der Geheimdienste“ seien „Dutzende Ziele“ im Iran getroffen worden, darunter „Kommandozentralen des terroristischen iranischen Regimes“ in unterschiedlichen Teilen von Teheran. Ziel seien insbesondere Einrichtungen der „inneren Sicherheit“ des Landes gewesen.
In Israel ertönte am Mittwochmorgen erneut Luftalarm. Verletzt wurde nach offiziellen Angaben niemand.
07:57 Uhr – Libanon meldet Angriff auf Hotel
Das israelische Militär hat neue Luftangriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut gestartet. Das teilte das Militär mit. Zuvor hatte das libanesische Gesundheitsministerium sechs Tote und acht Verletzte bei Angriffen auf die Städte Aramun und Saadijat in der Nähe Beiruts vermeldet.
Getroffen wurde den Angaben zufolge auch ein Hotel in Hasmie, einem Vorort der libanesischen Hauptstadt. Gäste des Hotels berichteten, es habe zuvor keinerlei Warnung gegeben. Das zweite Stockwerk sei getroffen worden, während die Gäste geschlafen hätten, sagte Maggie Schibli, die Ehefrau des Besitzers des Hotels.
07:54 Uhr – Trauerfeier für Chamenei geplant
Der Iran nimmt am Mittwochabend mit einer Zeremonie in Teheran Abschied von dem getöteten geistlichen Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Die Feierlichkeiten sollen um 22.00 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr MEZ) auf der Imam-Chomeini-Gebetsstätte beginnen und drei Tage andauern, wie die staatlichen Medien meldeten.
07:52 Uhr – USA beraten mit Kurden-Milizen
Iranische Kurden-Milizen haben Insidern zufolge mit den USA über Angriffe auf Sicherheitskräfte im Iran beraten. Ziel sei es, das Militär nach dem Tod von Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei zu schwächen und einen Aufstand zu initiieren, sagen drei mit den Plänen vertraute Personen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.
07:22 Uhr – Drohne in Bagdad abgeschossen
Nahe dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad ist erneut eine Drohne abgeschossen worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde bei dem Vorfall niemand verletzt, es sei kein Sachschaden entstanden. Am internationalen Flughafen von Bagdad befindet sich ein militärischer Bereich, der von US-Beratern genutzt wird. Früher waren dort Truppen der US-geführten Militärkoalition stationiert.
05:32 Uhr – US-Militär veröffentlicht Identität getöteter Soldaten
Das US-Militär gibt die Namen von vier Soldaten bekannt, die in Kuwait von einer iranischen Drohne getötet wurden. Die vier Soldaten im Alter von 20 bis 42 Jahren starben dem Pentagon zufolge am Sonntag. Insgesamt sind in dem Konflikt bislang sechs US-Soldaten getötet worden. Der demokratische Senator Chris Murphy sagte, die Regierung habe den Abgeordneten mitgeteilt, dass weitere Amerikaner sterben würden.
04:01 Uhr – „Gesamte Marine versenken“ – USA geben Einblick in Mission „Epische Wut“
Admiral Brad Cooper, der Chef des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom) gibt in einem auf X veröffentlichten Video einen Einblick in die Operation „Epische Wut“: Demnach haben die USA bisher fast 2000 Ziele angegriffen und nach eigenen Angaben 17 iranische Kriegsschiffe zerstört. „Heute ist kein einziges iranisches Schiff im Arabischen Golf, in der Straße von Hormus oder im Golf von Oman unterwegs“, sagt Cooper in dem Video. Es gehe darum, „die gesamte iranische Marine zu versenken“, bekräftigte er.
Er erinnerte an den Beginn des Irak-Kriegs 2003. „Die ersten 24 Stunden dieser Operation waren fast doppelt so umfangreich“, sagte Cooper.
04:18 Uhr – Modschtaba Chamenei könnte Macht übernehmen
Am Dienstag haben 88 Kleriker im Iran getagt, um einen Nachfolger für Ajatollah Ali Chamenei zu finden. Berichten zufolge ist dessen Sohn Modschtaba der klare Favorit. Schon am Mittwoch könnte die Entscheidung der Klerikerversammlung offiziell verkündet werden. Mit Modschtaba Chamenei hätten sich die Hardliner und Revolutionsgarden durchgesetzt.
03:52 Uhr – Herabfallende Trümmer töten elfjähriges Mädchen in Kuwait
In Kuwait ist ein elf Jahre altes Mädchen von herabfallenden Trümmern tödlich verletzt worden. Wiederbelebungsversuche der Rettungskräfte blieben erfolglos: Sie wurde wenig später in einem Krankenhaus in Kuwait-Stadt für tot erklärt, wie das Gesundheitsministerium auf X mitteilte. Die Behörde machte keine genauen Angaben zur Art der Trümmer.
02:33 Uhr – Syrien rüstet an Grenze zum Libanon und Irak auf
Syrien verstärkt seine Grenzen mit Raketeneinheiten und Tausenden Soldaten. Das syrische Verteidigungsministerium erklärte, die Armee habe ihre Präsenz entlang der Grenzen zum Libanon und zum Irak ausgebaut. Dies geschehe im Rahmen von Bemühungen zum Schutz und zur Kontrolle der Grenzen angesichts des eskalierenden regionalen Konflikts
02:11 Uhr – Iranische Rakete trifft großen US-Stützpunkt in Katar
Eine aus dem Iran abgefeuerte ballistische Rakete hat den auch vom US-Militär genutzten Stützpunkt Al-Udeid in Katar getroffen. Dabei sei niemand verletzt worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Doha auf X. Die Behörde machte keine Angaben zum genauen Einschlagsort der Rakete oder möglichen Schäden. Eine zweite ballistische Rakete sei von der Luftabwehr abgefangen worden.
00:50 Uhr – US-Regierung entsendet Charterflüge zur Evakuierung von US-Bürgern
Die US-Regierung gibt die Bereitstellung von Charterflügen zur Evakuierung von US-Bürgern aus dem Nahen Osten bekannt. US-Vertreter hätten bei der Organisation von Flügen aus Jordanien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geholfen und „werden weiterhin zusätzliche Kapazitäten sichern, sofern die Sicherheitslage dies zulässt“, erklärte das US-Außenministerium.
Seit Kriegsbeginn seien bereits mehr als 9000 US-Bürger sicher aus dem Nahen Osten ausgereist, davon mehr als 300 aus Israel.
00:40 Uhr – Israel greift erneut Iran an
Das israelische Militär teilt mit, es habe eine breite Angriffswelle gegen Ziele im Iran begonnen. Die Angriffe zielten auf iranische „Abschussanlagen, Luftabwehrsysteme und weitere Infrastruktur“ ab. Zuvor hatte Teheran Israel nach israelischen Angaben mit einer massiven Angriffswelle überzogen.
In weiten Teilen Israels waren in der Nacht Luftschutzsirenen zu hören, während die israelische Armee versuchte, die iranischen Geschosse abzufangen. Es gab keine unmittelbaren Berichte über nennenswerte Treffer. Die israelische Polizei erklärte, im Raum Tel Aviv sei eine Frau durch Splitter leicht verletzt worden.
00:24 Uhr – Katar fasst angebliche iranische Spione
In Katar haben die Sicherheitsbehörden zehn angebliche Spione der iranischen Revolutionsgarde festgenommen. Sieben von ihnen hätten den Auftrag gehabt, Informationen über die militärische Infrastruktur des Golfstaats zu sammeln, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur QNA. Drei weitere sollten demnach Sabotageakte verüben und waren im Umgang mit Drohnen geschult. Sie hätten ihre Verbindung zu den Revolutionsgarden eingeräumt
Dienstag, 3. März
23:08 Uhr – Rubio: USA haben Iran nicht wegen Israel angegriffen
Die USA haben den Iran nach den Worten von US-Außenminister Marco Rubio zum Schutz eigener Sicherheitsinteressen angegriffen – und nicht wegen des Agierens von Israel. Es sei nicht mehr darum gegangen, ob die USA den Iran angreifen, sondern nur noch um den Zeitpunkt, sagte er in Washington. „So oder so musste es passieren.“ Das habe er bereits am Montag gesagt, seine Aussage sei aber nicht korrekt wiedergegeben worden.
Rubio und der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hatten zuvor das Agieren Israels in den Fokus gerückt. „Israel war entschlossen, hier zu seiner eigenen Verteidigung zu handeln, mit oder ohne amerikanische Unterstützung“, sagte Johnson. Rubio hatte gesagt, die USA hätten Kenntnis davon gehabt, dass Israel angreifen würde. „Wir wussten, dass dies einen Angriff auf die amerikanischen Streitkräfte auslösen würde“, führte Rubio aus.
21:44 Uhr – Trump verspricht Schutz für Schiffe in der Straße von Hormus
Donald Trump will den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus absichern – auch mit der eigenen Marine. „Falls erforderlich, wird die US-Marine so bald wie möglich damit beginnen, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren“, schrieb er auf seiner Plattform „Truth Social“. Um jeden Preis würden die USA den freien Fluss von Energie für den Rest der Welt sicherstellen.
Zudem habe er die zuständige Behörde für Entwicklungsfinanzierung DFC angewiesen, Risikoversicherungen und Garantien für den gesamten Seehandel in der Region anzubieten. Die Maßnahme ziele vor allem auf Energietransporte, sei aber für alle Reedereien verfügbar.
21:17 Uhr – Drohnenangriff auf US-Konsulat in Dubai
In Dubai ist nach einem mutmaßlich iranischen Drohnenangriff am US-Konsulat ein Feuer ausgebrochen. Es habe dort einen „Vorfall mit einer Drohne“ gegeben, teilte das Medienbüro der Stadt mit. Die Rettungskräfte hätten sofort reagiert, Verletzte habe es nicht gegeben. Videos zeigten eine Explosion im Zentrum von Dubai und kurz darauf einen Brand. Die US-Botschaft im Land hatte zuvor bereits dazu aufgerufen, wegen der Gefährdung keineswegs zur Botschaft oder dem Konsulat zu kommen.
Die iranischen Angriffe in den Vereinigten Arabischen Emiraten dauern auch am vierten Tag des Krieges mit dem Iran an. Insgesamt hat sich die Lage laut Augenzeugen aber beruhigt. Seit zwei Tagen habe es kaum Explosionen gegeben.
20:36 Uhr – Israel meldet Angriff auf iranische Anlage zur Atomwaffen-Entwicklung
Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen Gebäudekomplex im Iran zur Entwicklung von Atomwaffen angegriffen. Die Anlage habe dazu gedient, „notwendige Fähigkeiten“ dafür bereitzustellen. Belege liefert die Armee zunächst nicht. Eine Stellungnahme des Irans liegt nicht vor.
19:33 Uhr – Israel will ab morgen Abend seinen Luftraum teilweise öffnen
Israel will seinen Luftraum teilweise öffnen, um im Ausland gestrandete Israelis zurück ins Land kommen zu lassen. „Nach Lagebewertungen der Sicherheitsbehörden wird der Luftraum bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag geöffnet“, zitierte der israelische TV-Sender N12 Verkehrsministerin Miri Regev. Der Betrieb am internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv soll dann schrittweise aufgenommen werden.
Nach dem derzeitigen Plan wird es jedoch nur Ankünfte von Passagieren geben: In den Flugzeugen, die den Flughafen Ben Gurion verlassen, um Israelis aus dem Ausland zu holen, werden keine Passagiere zugelassen.
17:49 Uhr – Trump spielt steigende Ölpreise herunter: „Werden tiefer sein als zuvor“
Donald Trump hat die steigenden Ölpreise infolge des Iran-Krieges heruntergespielt. Bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus antwortete der US-Präsident auf eine Frage nach den Preisen, man habe eingreifen müssen, um eine iranische Atombombe zu verhindern. Man werde „für eine kleine Weile etwas hohe Ölpreise“ haben. „Aber sobald das endet, werden diese Preise fallen, glaube ich, sogar tiefer als zuvor.“ Die Inflation ist in den USA im Wahljahr für den US-Kongress ein großes Thema. Zudem ist der Iran-Krieg laut Umfragen unpopulär.
17:22 Uhr – Großbritannien und Frankreich senden Kriegsschiffe nach Zypern
Großbritannien verlegt Premierminister Keir Starmer zufolge Hubschrauber zur Drohnenabwehr nach Zypern. Zudem werde der Zerstörer „HMS Dragon“ in die Region entsandt, heißt es weiter.
Ebenso entsendet Frankreich nach Angaben aus Behördenkreisen zur Stärkung der zyprischen Drohnenabwehr ein Kriegsschiff zu der Mittelmeerinsel. Zudem werde Frankreich landbasierte Systeme zur Drohnen- und Raketenabwehr schicken, bestätigen zyprische Beamte. Auch Deutschland habe positiv auf eine Bitte reagiert, ein Kriegsschiff zu entsenden, sagten drei Gewährspersonen gegenüber AP.
dpa/AP/AFP/Reuters/krö/jm/rct/nw/jmr/lay/sebe/ll
Source: welt.de