Irankrieg und dies Benzin: Ruhe verewigen

Schon kurz nach den ersten Angriffen auf Iran stiegen an den deutschen Zapfsäulen die Preise, weil die Ölkonzerne steigende Ölpreise absehen konnten. Sofort begann die Debatte, ob die Regierung den Bürgern mit Subventionen helfen solle.

Die beste Reaktion darauf ist die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die solche Subventionen einfach ausschloss. Höhere Spritpreise halten die Verbraucher dazu an, weniger Benzin zu verbrauchen. Das ist in Zeiten eines ­unberechenbaren Kriegs in Nahost genau die richtige Reaktion. Das ist Marktwirtschaft.

Die schlechteste Antwort auf den Preisanstieg für Benzin geben all die Politiker und Marktfeinde, die den Erdölkonzernen Abzocke unterstellen, weil sie den jetzt ­verkauften Sprit noch zu Vorkriegspreisen eingekauft hätten. Das ist ökonomischer Unfug.

Mit dem Rohölpreis steigt der Wert der Vorräte, die die Konzerne vorhalten. Es ist ökonomisch und moralisch angemessen, wenn sie sich den höheren Wert von den Kunden bezahlen lassen. Wer das verbieten will, kann die Marktwirtschaft gleich ganz abschaffen.

Wirtschaftlich ist in Deutschland noch gar nicht viel passiert

Ähnlich verrückt läuft die Debatte über die gesamtwirtschaftlichen Folgen des Krieges. Die schlechteste Reaktion ist die von Untergangspropheten, die Horrorszenarien in den Raum stellen und alles schwarzmalen. Natürlich kann einem jederzeit der Himmel auf den Kopf fallen und der Krieg sich lange hinziehen. Das ist ein Risiko für den Hinterkopf. Wahrscheinlicher aber scheint immer noch, dass der Konflikt relativ schnell beendet sein wird.

Die beste Antwort ist die nüchterner Ökonomen, die Gelassenheit ­bewahren. Wirtschaftlich ist in Deutschland noch gar nicht viel passiert. Öl und Gas sind mit Reserven vorhanden, wenn auch zu höheren Preisen. Diese dürften nach aller Voraussicht nach Ende des Konflikts schnell wieder sinken. Ökonomen schätzen den Wachstumsverlust als Folge des Kriegs derzeit auf bis zu 0,2 Prozentpunkte. Das ist weniger, als die Deutschen in diesem Jahr durch mehr Arbeitstage erwirtschaften werden.