Irankrieg: Trumps Aufschub pro sich selbst

Man fragt sich, wer sich eigentlich durch Trumps Ultimaten mehr unter Druck gesetzt fühlt: das Regime in Teheran oder der Präsident selbst? Dass Trump die angedrohten Angriffe auf iranische Energieanlagen noch einmal verschiebt, und diesmal gleich um zehn Tage, begründet er mit gut laufenden Verhandlungen. Das sind wohlgemerkt Verhandlungen, von denen Iran behauptet, dass sie gar nicht stattfinden, zumindest nicht direkt.
Was da wirklich hinter den Kulissen vor sich geht, lässt sich von außen nicht seriös beurteilen. Aber eines ist klar: Mit jedem Tag, den Trump sich selbst einen Aufschub gewährt, kann er eine Entscheidung über den Einsatz von Bodentruppen vertagen. Dieser hätte große Folgen, nicht nur militärisch, sondern vor allem auch innenpolitisch in den Vereinigten Staaten.
Die Europäer spielen keine Rolle
Die Europäer spielen bei alldem keine Rolle; teils, weil sie vor Beginn des Krieges nicht gefragt wurden, teils, weil sie Trump nun nicht zu Hilfe kommen wollen. So fragt man sich wieder einmal, in welcher Welt der deutsche Außenminister lebt, wenn er vor dem G-7-Treffen in Frankreich eine „abgestimmte Politik“ und eine „gemeinsame Position“ mit Amerika fordert.
Das Maximum, wozu man in Berlin derzeit bereit ist, ist eine Absicherung der Straße von Hormus nach dem Krieg. Und selbst das könnte nicht ganz so einfach werden, wie es klingt. Die Iraner beanspruchen inzwischen eine Kontrolle über die strategisch so bedeutende Meerenge, die über den Status quo ante hinausgeht.
Vier Wochen nach Kriegsbeginn sieht die Zwischenbilanz sehr gemischt aus. Iran ist allem Anschein nach militärisch geschwächt, kann aber weiter seine gefürchteten Raketen abfeuern. Das Regime wurde durch die Enthauptungsschläge hart getroffen, ist aber immer noch an der Macht. Groß sind die wirtschaftlichen Kollateralschäden auf den Öl- und Gasmärkten und die politischen in der ohnehin angeschlagenen NATO. Hier müssen die Europäer wirklich aufpassen.
Source: faz.net