Irankrieg Macht Öl kurz: Energiepreisschock lässt Gaspreis um 30 Prozent steigen

Wie der Ölpreis steigt auch der Preis für Erdgas in Folge des Irankriegs weiter. Am Montagmorgen sprang der niederländische TTF-Kontrakt, der als wichtigster europäischer Referenzwert gilt, rund 30 Prozent in die Höhe und notierte zeitweise auf 69,70 Euro. Grund ist die faktische Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran und der Produktionsstopp von Flüssigerdgas in Katar wegen iranischer Raketenangriffe.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 war der Preis allerdings noch erheblich stärker gestiegen. Damals lag er teils deutlich über 100 Euro und in der Spitze bei fast 340 Euro.
Für die meisten Haushalte hat der aktuelle Anstieg des Gaspreises zunächst keine direkten Auswirkungen, da sie länger laufende Verträge haben. Preisänderungen an der Börse kommen erst mit Verzögerung bei Bestandskunden an.
Müssen jetzt die Ölreserven freigegeben werden?
Die Finanzminister führender westlicher Industriestaaten (G7) werden einem Zeitungsbericht zufolge im Verlauf dieses Tages über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Ziel der Dringlichkeitssitzung sei es, den durch den Krieg im Nahen Osten ausgelösten rasanten Ölpreisanstieg abzufedern, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf G7-Vertreter.
Die Minister und IEA-Direktor Fatih Birol sollen demnach um 8.30 Uhr New Yorker Zeit (14.30 Uhr MEZ) telefonieren, um die Auswirkungen des Iran-Krieges zu erörtern. Wie die Zeitung weiter berichtet, hätten bereits drei G7-Staaten, darunter die USA, dem Vorschlag ihre Unterstützung zugesagt.
Die Mitgliedsstaaten der IEA, ein Interessenverband von Industriestaaten, halten strategische Reserven als Teil eines gemeinsamen Notfallsystems für Ölpreiskrisen. Aus dem Bericht der „Financial Times“ geht weiter hervor, dass die USA eine gemeinsame Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel (je 159 Liter) für angemessen halten. Dies würde 25 bis 30 Prozent der 1,2 Milliarden Barrel umfassenden Reserve bedeuten.
Die Ölpreise setzten ihren Höhenflug wegen der sich verschärfenden Lage im Nahen Osten fort. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordsee-Sorte Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Nach dem Bericht der „Financial Times“ sank er wieder, lag allerdings am Morgen mit etwa 108 Dollar immer noch 16 Prozent höher als am Freitag.
Ölreserven werden nur selten angezapft
Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten gegriffen. In Deutschland wurden bisher viermal strategische Ölreserven freigegeben – jeweils auf Grundlage gemeinsamer Beschlüsse der IEA-Mitgliedsländer.
Öl-Notreserven im größeren Stil wurden zuletzt im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg im Jahr 2022 freigegeben. Ende März 2022 hatten die USA angekündigt, für die nächsten sechs Monate täglich durchschnittlich eine Million Barrel Rohöl aus ihrer strategischen Reserve freigeben zu wollen.
Anfang März 2022 hatte die IEA bekanntgegeben, dass ihre Mitgliedsländer insgesamt 60 Millionen Barrel Rohöl freigeben würden, um die Folgen des Ukraine-Kriegs an den Märkten abzumildern. Deutschland beteiligte sich daran mit einem geringen Teil seiner Erdölreserven.
Zuvor hatten die USA im November 2021 die Freigabe von Ölreserven in einer abgestimmten Aktion mit China, Indien, Japan, Südkorea und Großbritannien angekündigt. Hintergrund waren hohe Inflationsraten und gestiegene Benzinpreise.
Die IEA-Mitglieder hatten zuvor während des Golfkriegs 1990/91, nach dem Hurrikan Katrina 2005 und beim Ausfall libyscher Ölexporte 2011 koordiniert Reserven freigegeben.
Deutsche Ölreserven reichen für drei Monate
Deutschland hält strategische Ölreserven für mindestens 90 Tage, um Versorgungsstörungen auszugleichen. Mit diesen sogenannten strategischen Ölvorräten könnte laut Bundeswirtschaftsministerium für drei Monate ein vollständiger Ausfall aller Importe ausgeglichen werden. Verantwortlich ist der Erdölbevorratungsverband (EBV), der Rohöl und Mineralölerzeugnisse (Benzin, Diesel, Kerosin) lagert.
Die Vorräte an Erdölerzeugnissen sind den Angaben zufolge über ganz Deutschland verteilt, das Rohöl wird demnach vorwiegend in Kavernen in Norddeutschland gelagert, von wo aus es über Pipelines oder auch per Schiff zur Verarbeitung in Raffinerien transportiert werden kann.
Die Finanzierung der Ölbevorratung wird durch Pflichtbeiträge der Unternehmen sichergestellt, die Kraftstoffe, leichtes Heizöl oder Flugkraftstoff nach Deutschland einführen oder hierzulande herstellen.