Irankrieg: Iran ernennt Nachfolger pro getöteten Sicherheitschef Laridschani


  • Israel und die USA haben am 28. Februar einen gemeinsamen Angriff auf den Iran gestartet.
  • Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in verschiedenen Staaten der Region.
  • Ajatollah Ali Chamenei, der mehr als drei Jahrzehnte Anführer des Iran war, wurde bei den Angriffen getötet.
  • Modschtaba Chamenei, der Sohn von Ali Chamenei, ist neues politisches und geistliches Oberhaupt des Iran.
  • Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, epd, KNA und Reuters.
  • Mehr lesen Sie auf unserer Themenseite zum Iran.


Eric Voigt
Eric Voigt

Libanon weist iranischen Botschafter aus 

​Das libanesische Außenministerium hat dem iranischen Botschafter nach eigenen Angaben die Akkreditierung entzogen und ihn zur unerwünschten Person erklärt. Wie das Ministerium mitteilte, wurde Mohammed Resa Scheibani aufgefordert, das Land bis Sonntag zu verlassen.

Als Begründung wurden Verstöße des Iran gegen diplomatische Normen und etablierte Gepflogenheiten zwischen den beiden Ländern genannt. Zudem ruft das Ministerium seinen eigenen Botschafter im Iran zu Konsultationen in den Libanon zurück

Der Iran ist einer der wichtigsten Unterstützer der Hisbollah-Miliz, gegen die Israel im Libanon Krieg ​führt. Die israelische Regierung hat den Libanon wiederholt aufgefordert, die Hisbollah zu entwaffnen.

Susanne Ködel
Susanne Ködel

Neuer iranischer Sicherheitschef ernannt

Mohammed Bagher Solghadr ist zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran ernannt worden. Das teilte der für Kommunikation zuständige Stellvertreter des iranischen Präsidenten, Mehdi Tabatabai, auf X mit. Berichten iranischer Medien zufolge wurde Solghadr nach Zustimmung durch die Staatsführung und per Erlass durch den Präsidenten für das Amt ernannt. Der frühere General der iranischen Revolutionsgarde folgt damit auf Ali Laridschani, der in der vergangenen Woche bei einem Angriff getötet wurde.

Marla Noss
Marla Noss

Wadephul sieht in Gesprächen zwischen USA und Iran einen „Wendepunkt“ im Krieg 

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hält die Gespräche zwischen den USA und dem Iran für eine mögliche Chance, den Konflikt zu beenden. „Das könnte ein Wendepunkt in diesem Konflikt sein“, sagte der CDU-Politiker über die Spekulationen zu möglichen direkten Kontakten zwischen den beiden Regierungen. Deutschland werde ihm zufolge alles daransetzen, zum Erfolg beizutragen. Den USA habe man zudem angeboten, sie diplomatisch zu unterstützen, falls dies gewünscht sei.

Über die möglichen Gespräche und die Spekulationen darum sagte Wadephul, dass „etwas stattfindet“, es aber noch am Anfang sei. Zudem fügte er hinzu, dass er es begrüße, dass US-Präsident Donald Trump die angedrohten Angriffe auf iranische Kraftwerke für fünf Tage zurückgestellt habe. „Jeder würde sich mehr wünschen, in der Sache und auch von der Frist her, aber immerhin“, sagte er.

Marie N’gouan
Marie N'gouan

Israels Verteidigungsminister droht mit Zerstörung des Südlibanon

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat dem Süden des Libanon mit einer Zerstörung wie im Gazastreifen gedroht. Israel werde auf „die Modelle Rafah und Beit Hanun“ zurückgreifen, sagte Katz unter Verweis auf die zwei Grenzstädte im Gazastreifen, die Israel nach dem Angriff der Hamas im Oktober 2023 zerstört hatte.

Beim Vorgehen gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz will Israel laut Katz außerdem im Südlibanon die Kontrolle über das Gebiet bis zum Fluss Litani übernehmen. Der Fluss spielt seit Jahren eine wichtige Rolle bei den Bemühungen Israels, die libanesische Hisbollah-Miliz zurückzudrängen.

Katz hatte der libanesischen Regierung vorgeworfen, ihr Versprechen einer Entwaffnung der Hisbollah-Miliz nicht gehalten zu haben. Nun teilte er mit, fünf Brücken über den Litani seien gesprengt worden. Nach der Sprengung werde das israelische Militär „die restlichen Brücken und die Sicherheitszone bis zum Litani kontrollieren“. Hunderttausende Bewohner, die aus dem Südlibanon vertrieben wurden, dürften nicht in das libanesische Gebiet südlich des Flusses zurückkehren – bis die Sicherheit für die Bewohner im Norden Israels „garantiert“ sei.

Marie N’gouan
Marie N'gouan

Iran nimmt laut Medienberichten 446 Menschen fest

Iranische Sicherheitskräfte während einer Kundgebung zur Unterstützung des obersten Führers des Iran, Modschtaba Chamenei
Iranische Sicherheitskräfte während einer Kundgebung zur Unterstützung des obersten Führers des Iran, Modschtaba Chamenei. Majid Asgaripour/WANA/Reuters
Im Iran sind laut Angaben von staatlichen Medien 466 Menschen wegen angeblicher Onlineaktivitäten zur Untergrabung der nationalen Sicherheit festgenommen worden. Die Festgenommenen stünden mit „feindlichen“ Netzwerken in Verbindung, die auf eine interne Destabilisierung abzielten, erklärte die Polizei. Den Berichten zufolge handelt es sich um eine der größten Sicherheitsaktionen seit Beginn des Irankriegs.

Susanne Ködel
Susanne Ködel

Iranische Medien berichten über Angriffe auf Energieinfrastruktur

Die USA und Israel sollen einem iranischen Medienbericht zufolge mehrere Einrichtungen der Energieinfrastruktur durch Angriffe beschädigt haben. In der zweitgrößten Stadt Isfahan sei ein Verwaltungsgebäude und eine Gasdruckregelstation „teilweise beschädigt“ worden, berichtete die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Fars.

An der Grenze zum Irak im Südwesten wurde den Angaben nach außerdem eine Erdgas-Pipeline im Kraftwerk Chorramschar angegriffen. Gestern hatte US-Präsident Donald Trump unter Verweis auf laufende Gespräche angekündigt, vorerst keine Kraftwerke angreifen zu wollen.

Marla Noss
Marla Noss

Iran meldet Festnahmen von mehreren „Söldnern“

Die iranischen Sicherheitsdienste haben im Zusammenhang mit dem Krieg 30 Personen festgenommen. Die Verdächtigen wurden in den Provinzen Lorestan, Hamedan und Kerman vom Geheimdienst verhaftet, wie der staatliche iranische Rundfunk berichtete. In einer Mitteilung war die Rede von „Söldnern“ Israels und „Vaterlandsverrätern“. Bei den Festnahmen seien außerdem elf Starlink-Geräte sowie Waffen beschlagnahmt worden. 

Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Marla Noss
Marla Noss

Sicherheitskräfte gehen weiter gegen Irans Bevölkerung vor

Das iranische Regime setzt auch im Schatten des Krieges auf Repression gegen die eigene Bevölkerung. Die Menschen im Iran seien dadurch noch einer zweiten Bedrohung ausgesetzt, schreibt mein ZEIT-Kollege Omid Rezaee. Es sind die Sicherheitskräfte im eigenen Land. In den vergangenen Wochen kam es zu Hunderten Festnahmen. Die meisten Festnahmen werden mit „Propaganda gegen das System“ oder „Zusammenarbeit mit feindlichen Staaten“ begründet.

Seit Kurzem gehen die Sicherheitskräfte zudem gegen Menschen vor, die Angriffe filmen und verbreiten. Wer solche Inhalte verbreite, sei Teil einer „fünften Kolonne des Feindes“, teilten das Geheimdienstministerium und der Geheimdienst der Revolutionsgarde mit. Darüber hinaus erhalten Bürgerinnen und Bürger Warn-SMS, in denen ihnen „beunruhigende Aktivitäten“ im Netz vorgeworfen werden. Die Repression gegen die iranische Bevölkerung ist also nicht nur physischer Natur, sondern findet auch digital statt.

Mehr dazu lesen Sie hier:

Yannick von Eisenhart Rothe
Yannick von Eisenhart Rothe

Libanon meldet Tote nach israelischem Angriff auf Wohngebäude

Bei einem israelischen Angriff auf ein Wohngebäude nahe Beirut sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens zwei Menschen getötet und fünf verletzt worden. Der Angriff ereignete sich demnach in Bchamun, außerhalb  der südlichen Vororte von Beirut. Für diese Vororte hatte Israel zuvor Evakuierungsbefehle erteilt.

Marla Noss
Marla Noss

Mehrere Einschläge in Tel Aviv bei iranischem Raketenangriff

Ein iranischer Raketenangriff auf die israelische Metropole Tel Aviv hat nach Angaben von Sanitätern zu mehreren Einschlägen geführt. An vier dieser Einschlagsorte seien sechs Menschen verletzt worden, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom laut dem Nachrichtenportal ynet mit.

Nach Angaben der Polizei handelte es sich um den Einschlag von Raketentrümmern. Videoaufnahmen zeigen, wie an einem Ort Rauch aufstieg. Außerdem berichteten Einwohner Tel Avivs von starken Explosionsgeräuschen. 

Rettungskräfte versuchen, die Schäden zu beheben, die nach iranischen Raketenangriffen in Tel Aviv entstanden sind.
Rettungskräfte versuchen, die Schäden zu beheben, die nach iranischen Raketenangriffen in Tel Aviv entstanden sind. Ronen Zvulun/Reuters

Mounia Meiborg
Mounia Meiborg

Proiranische Gruppe im Irak meldet getötete Kämpfer

Bei einem Angriff im Westen des Irak sind ein Kommandant sowie mehrere Kämpfer des proiranischen Netzwerks Haschd al-Schaabi nach Angaben der Gruppe getötet worden. Es handele sich um den Kommandanten der Provinz Anbar, Saad Dawai al-Baidschi, sowie weitere Kämpfer, teilte Haschd al-Schaabi mit, ohne weitere Details zu nennen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Kreise des Netzwerks, die Gruppe mache einen US-Angriff verantwortlich.

Zum Netzwerk Haschd al-Schaabi gehört auch die proiranische Miliz Kataeb Hisbollah im Irak. Sie hatte gestern ihre Angriffspause auf die US-Botschaft in Bagdad verlängert. Zuvor war die US-Botschaft mehrmals mit Drohnen und Raketen angegriffen worden. Die Gruppe Haschd-al-Schaabi, ein vom Iran unterstütztes Netzwerk ehemaliger Paramilitärs, die jetzt der regulären irakischen Armee angehören, wurde seit Kriegsbeginn ebenfalls mehrfach angegriffen. 

Ulrike Tschirner
Ulrike Tschirner

EU-Kommissionspräsidentin verlangt Ende der Angriffe

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein Ende der Kämpfe im Nahen Osten gefordert. „Es ist von größter Bedeutung, dass wir zu einer ausgehandelten Lösung kommen, die den Kampfhandlungen, die wir im Nahen Osten beobachten, ein Ende setzt“, sagte von der Leyen während eines Besuchs im australischen Canberra.

Sie verwies insbesondere auf die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs. Durch die Blockade der Straße von Hormus ist der Öltransport durch die Meerenge so gut wie zum Erliegen gekommen. Gas- und Ölpreise stiegen daraufhin. In vielen Ländern wurde das Tanken teurer.

Ursula von der Leyen spricht sich auf einer Pressekonferenz für ein Ende der Angriffe im Nahen Osten aus
Ursula von der Leyen spricht sich auf einer Pressekonferenz für ein Ende der Angriffe im Nahen Osten aus. Lukas Coch/dpa

Simon Sales Prado
Simon Sales Prado

Iran startet neue Angriffe auf Israel 

Der Iran hat nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens weitere Raketen auf Israel abgefeuert. Die iranischen Angriffe hätten „mehrere israelische Luftabwehrsysteme durchdrungen“, hieß es im staatlichen iranischen Fernsehsender Irib. Die israelische Armee teilte mit, sie habe anfliegende iranische Raketen geortet und arbeite daran, sie abzufangen.

Bei einem vorherigen iranischen Angriff war bereits ein Gebäude im Norden Israels getroffen worden. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom veröffentlichte ein Video eines beschädigten Gebäudes und teilte mit, dass es keine Toten gegeben habe.

Raketen ziehen am frühen Morgen über Zentralisrael.
Raketen ziehen am frühen Morgen über Zentralisrael. Ohad Zwigenberg/dpa/AP

Mounia Meiborg
Mounia Meiborg

Börse in Tokio legt nach Trumps verschobenem Ultimatum zu

Die Kurse an der asiatischen Leitbörse in Tokio haben sich nach der Verschiebung angedrohter Angriffe auf iranische Kraftwerke durch US-Präsident Donald Trump etwas verbessert. Kurz nach Handelsbeginn notierte der Nikkei-225-Index ein Plus von 66,78 Punkten oder 1,36 Prozent beim Stand von 52.215,27 Punkten.

Trump hatte gedroht, iranische Kraftwerke anzugreifen, falls die iranische Regierung die Straße von Hormus nicht freigibt. Dass Trump davon vorerst absieht und den Ablauf seines Ultimatums um mehrere Tage verschoben hat, ließ die Ölpreise sinken.

Ulrike Tschirner
Ulrike Tschirner

Israel attackiert südliche Vororte von Beirut

Das israelische Militär hat in der Nacht erneut Angriffe auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut gestartet. Die Armee teilte mit, dass sie auf Infrastruktur der vom Iran unterstützten Hisbollah abziele.

Mehrere Nachrichtenagenturen berichteten über Brände und Rauchwolken in der Region. Tote oder Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet. Zehntausende Bewohner hatten das Gebiet bereits verlassen.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von einer Reihe von Angriffen südlich der Hauptstadt. In und um Beirut seien niedrig fliegende israelische Kampfflugzeuge zu hören gewesen. NNA meldete außerdem weitere israelische Angriffe im Südlibanon.