Iran: USA verlegen offenbar Flugzeugträger in den Nahen Osten

Das US-Militär verlegt übereinstimmenden Berichten zufolge einen Flugzeugträger aus dem südchinesischen Meer in den Nahen Osten. Dort solle die USS Abraham Lincoln mit mehreren Begleitschiffen innerhalb etwa einer Woche ankommen, berichten die New York Timesund das Portal Axios. Zudem würden zusätzliche Waffen und Ausrüstung in die Region gebracht, auch zusätzliche Kampfflugzeuge könnten dorthin verlegt werden. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte die Verlegung der USS Abraham Lincoln bislang nicht.

Der Flugzeugträger hat eine Besatzung von mehreren Tausend Soldatinnen und Soldaten und kann bis zu 90 Kampfflugzeuge und Militärhubschrauber tragen. Das Schiff, das zur dritten Flugzeugträgerkampfgruppe der US-Marine gehört, war Ende 2024 bereits bei US-Luftangriffen auf die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen eingesetzt worden. 

Indessen ist trotz der Verlegung des Schiffs momentan unklar, ob die USA einen Angriff auf Ziele im Iran planen. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach damit gedroht, falls das iranische Regime mit tödlicher Gewalt gegen die seit Wochen anhaltenden Proteste vorgeht. Trotz Berichten über Tausende getötete Demonstrantinnen und Demonstranten hat sich Trump zuletzt zurückhaltend gezeigt. Von „sehr wichtigen Quellen“ sei ihm versichert worden, dass das Töten von Demonstranten beendet werde, sagte der US-Präsident am Mittwoch, ohne genauer auf die Information einzugehen. 

Nach Darstellung des US-Präsidentenamts sollen auf Druck der USA angeblich 800 geplante Hinrichtungen abgesagt worden sein. Die Zahl angeblich geplanter Hinrichtungen ist ungewöhnlich hoch: Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte das iranische Regime im Jahr 2024 972 Menschen hinrichten lassen. 

Spekulationen über bevorstehenden US-Angriff

Zu Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden US-Angriff hatte am späten Mittwochabend beigetragen, dass der Iran seinen Luftraum vorübergehend sperrte. Schon zuvor hatten mehrere Flugzeuggesellschaften ihre Flüge umgeleitet oder abgesagt; Die britische Botschaft in Teheran stellte zeitweise die Arbeit ein. Zur Erwartung eines baldigen Angriffs trug auch bei, dass die USA und Großbritannien Personal aus einem wichtigen Militärstützpunkt in Katar abzogen. Der Iran hatte mit Attacken auf US-Truppen in der Region gedroht, falls die USA das Land angreifen.

Laut mehreren US-Medienberichten soll Trump die Entscheidung über einen Angriff nach Beratungen mit Verbündeten hinausgezögert haben. So habe Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu den US-Präsidenten um Aufschub gebeten, um seinem Land mehr Zeit für die Vorbereitung auf einen iranischen Gegenangriff zu geben, berichten Axios und die New York Times. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt bestätigte lediglich ein Gespräch Trumps mit Netanjahu. 

Ende Dezember 2025 hatten sie ihr Vorgehen bezüglich des Iran bereits bei einem persönlichen Treffen in Florida koordiniert. Damals stellte Trump Israel die Hilfe der USA in Aussicht, falls es erneut zu Kämpfen zwischen Israel und dem Iran komme. Kurz darauf sprach der US-Präsident die erste seiner konkreten Drohungen gegenüber der iranischen Führung im Zusammenhang mit deren Vorgehen gegen Demonstranten aus.


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USA laut Berichten in Kontakt mit arabischen Verbündeten

Laut einem Bericht des US-Senders CNN soll Netanjahu unter anderem befürchten, dass die Flugabwehr seines Landes einen iranischen Gegenangriff derzeit nicht zuverlässig abwehren könne, nachdem sie im vergangenen Jahr stark ausgelastet worden ist. Zudem gehe Israel nicht davon aus, dass das iranische Regime innerhalb kurzer Zeit kollabieren würde. Im vergangenen Sommer hatten Israel und die USA iranische Atomeinrichtungen bombardiert, stellten die Angriffe aber innerhalb von zwei Wochen ein.

Auch mehrere arabische Verbündete der USA haben laut dem CNN-Bericht Sorgen vor einer Eskalation. Vertreter der Trump-Regierung hätten unter anderem Saudi-Arabien und Katar darüber informiert, dass Trumps vorläufiges Ziel kein Regimesturz sei, sondern darin bestehe, den Iran vor weiteren Tötungen von Demonstranten abzuhalten. 

Offiziell drohen die USA dem Iran allerdings weiterhin mit militärischer Gewalt. Trump sei „ein Mann der Tat, nicht der endlosen Worte, wie wir sie bei den UN sehen“, sagte der Botschafter der USA bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats. „Er hat klargestellt, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen, um das Schlachten zu beenden.“ 

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