Iran und die Golfstaaten: Von seiner Entschuldigung will Teheran nichts mehr wissen
Von der Entschuldigung für die massiven iranischen Angriffe, die Irans Präsident Masoud Peseschkian am Samstag an die arabischen Golfstaaten gerichtet hatte, war einen Tag später nicht mehr viel übrig.
Seine Äußerungen seien „vom Feind falsch interpretiert worden“, der versuche, Spaltungen zwischen den Nachbarn zu säen, sagte Peseschkian Berichten des staatlichen Fernsehens zufolge. Man habe immer wieder betont, „dass wir Brüder sind und gute Beziehungen zu den Nachbarn haben müssen“, so der Präsident weiter. Erst dann kam der entscheidende Satz: „Wir sind jedoch gezwungen, für die Angriffe Vergeltung zu üben.“
Was Peseschkian am Samstag beteuerte
Am Vortag hatte Peseschkian noch einen anderen Ton angeschlagen. Die Interimsführung Irans habe am Freitag „beschlossen, dass keine weiteren Angriffe auf Nachbarländer ausgeführt und keine Raketen abgefeuert werden, es sei denn, ein Angriff auf den Iran geht von diesen Ländern aus“, sagte der Präsident in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede. Bei den „Nachbarländern, die von Iran angegriffen wurden“, bat er um Entschuldigung.
Seit Beginn der Angriffe Israels und der USA auf Iran vor einer Woche hatte Teheran nicht nur in Richtung Israel zurückgeschlagen, sondern auch die Golfstaaten massiv angegriffen. Viele der Attacken richteten sich dabei gegen amerikanische Militärbasen und Botschaften in der Region. Darüber hinaus geraten aber auch zivile Ziele immer stärker unter Beschuss.
Dass den beschwichtigenden Tönen des iranischen Präsidenten wenig folgt, wurde bereits wenige Stunden später deutlich. Mehrere Golfstaaten teilten am Samstag mit, sie hätten abermals Angriffe mit Raketen und Drohnen abgewehrt. Qatar, das den wichtigen amerikanischen Militärstützpunkt al-Udaid beherbergt, teilte mit, die Luftabwehr habe eine Rakete abgefangen. Aus Saudi-Arabien hieß es, die Luftwaffe habe mehrere Drohnen sowie Raketen in der Nähe der amerikanischen Luftwaffenbasis südöstlich von Riad abgefangen.
Emirate: „Wir befinden uns im Krieg“
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die unter den Golfstaaten bislang am stärksten attackiert werden, meldeten mehrere Angriffe durch Iran. Präsident Muhammad Bin Zayid Al Nahyan reagierte deutlich: „Wir befinden uns im Krieg“, sagte er dem Fernsehsender Abu Dhabi TV bei einem Besuch Verletzter im Krankenhaus in der Hauptstadt. Kurz darauf kursierten im Internet Videos aus Dubai, die Rauchwolken über einem Hochhaus zeigten.

Wie wenig von einer Entspannung der Lage zwischen Iran und seinen Nachbarn am Golf die Rede sein kann, machten auch die Reaktionen in Iran selbst deutlich. Denn auf Peseschkians Entschuldigung folgte harsche Kritik der Hardliner. Parlamentssprecher Bagher Ghalibaf und Justizchef Mohseni Esche’i stellten sich umgehend gegen seine Aussagen und offenbarten damit ungewöhnlich deutlich die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Führung.
Der Abgeordnete Dschalah Raschidi-Kutschi schrieb auf der Plattform X: „Bei allem Respekt, Herr Präsident, eine Entschuldigung wird ausgesprochen, wenn ein Fehler gemacht wurde. (…) Aber wir haben keinen Fehler gemacht.“ Der Parlamentarier Mohammad Manan-Raisi forderte Peseschkian auf der Plattform X dazu auf, „sich umgehend beim Volk für diese erniedrigende Haltung“ zu entschuldigen.
Angriff auf Treibstofftanks in Kuwait
Iran setzte derweil seine Angriffe auf die Golfstaaten auch am Sonntag fort. Aus Kuwait hieß es, man habe „auf feindliche Drohnen reagiert“, die in den Luftraum des Landes eingedrungen seien. Am internationalen Flughafen Kuwaits seien zudem Treibstofftanks mit Drohnen angegriffen worden, bei deren Abfangen „einige zivile Einrichtungen durch herabfallende Trümmer und Bruchstücke“ beschädigt worden seien.
Die nationale Ölgesellschaft Kuwaits verkündete eine „vorsorgliche“ Drosselung ihrer Ölproduktion. Qatar meldete ebenfalls Angriffe; das saudische Verteidigungsministerium erklärte, es habe 15 Drohnen abgefangen und zerstört. In der Hauptstadt Riad habe es einen versuchten Angriff auf das Diplomatenviertel gegeben.
Aus Saudi-Arabien hieß es am Wochenende, man führe infolge der Angriffe Gespräche mit Pakistan über die Umsetzung eines gemeinsamen Verteidigungsabkommens. Am Sonntag wollte die Arabische Liga auf Gesuch Saudi-Arabiens zu einer Notfallsitzung zusammenkommen.
Source: faz.net