Iran: Mehrere Menschen zwischen Protesten im Iran getötet
Bei Protesten im Iran sind Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Demonstrierende vorgegangen. Im Südwesten wurden Medienberichten zufolge fünf Menschen getötet. Bereits zuvor war in der westiranischen Provinz Lorestan ein Angehöriger der iranischen Sicherheitskräfte laut Staatsmedien bei Protesten getötet worden.
Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise des Landes zieht es bereits fünf Tage in Folge viele Menschen auf die Straßen. Aus ländlichen Regionen gibt es Berichte über ein hartes Vorgehen gegen die Proteste. Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag.
Im Süden wurde am Mittwoch auch ein Gouverneursbüro attackiert. Die Justizbehörden drohten mit einem „entschiedenen“ Vorgehen gegen Unruhestifter.
Die iranische Nachrichtenagentur Fars sprach von Gewalt von Demonstrierende in Lordegan rund 650 Kilometer südlich von Teheran. Sie hätten mit Steinen auf Verwaltungsgebäude geworfen. Die Demonstranten hätten unter anderem auf das Büro des Provinzgouverneurs, eine Moschee, das Rathaus und Banken gezielt, teilte Fars mit. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt. Fars hatte zuvor auch von Verletzten berichtet, ohne eine Zahl zu nennen.
Fars ist offiziell unabhängig, gilt aber als unter dem Einfluss der Revolutionsgarden stehend.
Getötete Sicherheitskraft
Im Westen des Iran ist Medienberichten zufolge ein Mitglied der Basidsch-Miliz aus der Stadt
Kuhdascht getötet worden. Das iranische Staatsfernsehen teilte unter Berufung auf den Vizegouverneur
der westiranischen Provinz Lorestan, Said Purali, das Basidsch-Mitglied sei „bei der Verteidigung der
öffentlichen Ordnung vor Randalierern getötet“ worden. Dem Vizegouverneur
zufolge wurden zudem 13 Polizisten und Basidsch-Mitglieder „durch Steinwürfe
verletzt“.
Die paramilitärische Basidsch-Miliz ist eng mit
den iranischen Revolutionsgarden verbunden. Bei dem getöteten
Basidsch-Angehörigen handelte es sich um den ersten registrierten Todesfall
seit Beginn der neuen Proteste im Iran gegen die hohen
Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage.
Die spontanen Demonstrationen waren von Teherans größtem
Handymarkt ausgegangen. Zunächst demonstrierten vor allem Händler wegen der schlechten Wirtschaftslage, der hohen Inflation und Wechselkursschwankungen.
Danach schlossen sich auch zahlreiche Studenten an mindestens zehn
Universitäten des Landes sowie Menschen in zahlreichen anderen Städten den
spontanen Protesten an.
„Die Zeit ist gekommen“
Der israelische Geheimdienst Mossad rief die Menschen
im Iran indes zu weiteren Protesten auf. „Geht zusammen raus auf
die Straße. Die Zeit ist gekommen. Wir sind mit euch“, schrieb der Mossad
am Mittwoch in einer Botschaft auf Farsi. „Nicht nur aus der Entfernung
oder mit Worten. Wir sind auch mit euch vor Ort.“
Die durch jahrzehntelange westliche Sanktionen
geschwächte iranische Wirtschaft steht unter dem Druck einer hohen
Inflation, zudem wurden Ende September UN-Sanktionen im Zusammenhang mit dem
Atomprogramm der Regierung wieder in Kraft gesetzt.
Das Ausmaß der Proteste erreichte bisher nicht das der Massendemonstrationen
von 2022, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam
ausgelöst worden waren. Während der Proteste waren Hunderte Menschen, darunter Dutzende Sicherheitskräfte, getötet worden. Tausende Menschen wurden
inhaftiert. Mehrere der Festgenommenen wurden hingerichtet.