Iran-Krieg: Eine Woche – und die Kämpfe ziehen nicht ab
Eine Woche nach Beginn der Angriffe auf Iran haben die Kämpfe nicht an Intensität verloren – im Gegenteil. Israel wirft Teheran den Einsatz von Streubomben vor. Laut den USA dürften die Attacken noch mehrere Wochen andauern.
Rund eine Woche nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf Iran und den Gegenschlägen des iranischen Militärs zeigen sich beide Seiten unnachgiebig. Von israelischer Seite hieß es, die Angriffe gingen in eine nächste Phase über. „In dieser Phase werden wir das Regime und seine militärischen Kapazitäten weiter zerschlagen“, sagte Generalstabschef Ejal Zamir.
Raketen-Kapazitäten deutlich reduziert
Offenbar zeigt das Dauer-Bombardement Israels und der USA mittlerweile Wirkung. US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt erklärte, die iranischen Raketenangriffe hätten binnen einer Woche um 90 Prozent abgenommen. Zudem seien 30 Schiffe der iranischen Marine zerstört worden. Sie sei damit kampfunfähig.
Allerdings ist unklar, wie viele einsatzfähige Kamikaze-Drohnen Iran noch besitzt. Laut dem Militärexperten Thomas Wiegold soll es „zwischen 10.000 und mehreren zigtausend“ davon geben. Diese könnten enorme Schäden in den Ländern der Region anrichten.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Unterstützt Russland Iran?
Offenbar kann Teheran dabei auf Unterstützung aus dem Ausland zurückgreifen: Russland liefert dem Regime Medienberichten zufolge Informationen über US-Streitkräfte und mögliche Ziele in der Region. Dabei versorge der Kreml Teheran mit Standortangaben und Bewegungsdaten von amerikanischen Truppen, Schiffen und Flugzeugen, berichteten der US-Sender CNN und die Washington Post unter Berufung Personen, die mit US-Geheimdienstberichten vertraut seien. Auch die Nachrichtenagentur AP berichtet davon. Dabei soll es sich um Aufnahmen moderner russischer Satelliten handeln.
Die militärische Führung im Iran ist laut einer britischen Einschätzung geschwächt, aber weiterhin intakt. Das britische Außenministerium geht davon aus, dass das iranische Regierungssystem zumindest kurzfristig handlungsfähig bleiben kann.
Israel: Iran setzt Streubomben ein
Israel wirft Iran den Einsatz von Streubomben vor, einer international geächteten Waffe. Seit Beginn der Kämpfe habe das Land „zahlreiche Male“ solche Bomben eingesetzt, sagte der israelische Armeesprecher Nadav Shoshani. Ein Einsatz solcher Munition gegen Zivilisten sei ein Kriegsverbrechen, erklärte er.
Weder Israel noch Iran gehören zu den mehr als 100 Unterzeichnern der internationalen Konvention gegen Streumunition, die den Einsatz, die Weitergabe, die Produktion und die Lagerung von Streumunition verbietet.
NYT: USA könnten Mädchenschule getroffen haben
Doch auch gegen Israel und die USA gibt es schwere Vorwürfe: UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte die rasche und „unparteiische“ Aufklärung eines Angriffs auf eine Mädchenschule im Süden des Iran, bei dem am ersten Kriegstag nach iranischen Angaben mehr als 150 Menschen getötet worden waren. US-Außenminister Marco Rubio zufolge untersuche das Pentagon die Angelegenheit.
Einem Bericht der New York Times zufolge sind möglicherweise die USA für den Beschuss verantwortlich: Die Schule wurde demnach getroffen, als US-Streitkräfte am Samstag einen benachbarten Marinestützpunkt der iranischen Revolutionsgarden angriffen. Die US-Zeitung hat nach eigener Aussage Satellitenbilder und Videos rund um den Vorfall ausgewertet.
Breite Auffassung von „bedingungsloser Kapitulation“
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses lieferte unterdessen eine Definition der von US-Präsident Donald Trump geforderten „bedingungslosen Kapitulation“ Irans nach. Auf die Frage, was der Republikaner damit genau gemeint habe, antwortete Leavitt, dieses Ziel sei erreicht, wenn Trump zu der Einschätzung gelange, „dass der Iran keine Gefahr mehr für die Vereinigten Staaten von Amerika darstellt“ und die Ziele der Mission „vollständig realisiert“ seien.
„Dann befindet sich der Iran im Grunde in einem Zustand der bedingungslosen Kapitulation“, unabhängig davon, ob Teheran dies selbst einräume oder nicht.
Source: tagesschau.de