Iran-Eskalation: Wadephul macht festsitzenden Reisenden wenig Hoffnung
Etwa 30.000 Reisende aus Deutschland sind von der Eskalation im Nahen Osten direkt betroffen. Viele sitzen in Golfstaaten fest. Außenminister Wadephul sieht keine Chance für schnelle Hilfe. Grünen-Politiker Nouripour fordert eine Evakuierung auf dem Landweg.
Die Eskalation im Nahen Osten trifft auch Zehntausende Reisende aus Deutschland. Weil mehrere Flughäfen nach iranischen Angriffen beschädigt sind und teils der Luftraum gesperrt wurde, sitzen sie fest. Der Deutsche Reiseverband DRV spricht von etwa 30.000 betroffenen Reisenden. Sie halten sich demnach entweder in der Region auf oder haben Flüge über dortige Drehkreuze gebucht. Sobald die Lufträume wieder geöffnet sind, wollen die Veranstalter über Rückreisemöglichkeiten informieren.
Wadephul sieht Reisende in der Verantwortung
Doch was passiert bis dahin? Dazu hat sich Außenminister Johann Wadephul in der ARD-Sendung Caren Miosga geäußert. Er machte wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Man informiere die Betroffenen täglich über die Lage und mögliche Optionen, sagte Wadephul. Wegen der teils geschlossenen Lufträume sei eine reguläre Ausreise vielerorts derzeit jedoch nicht möglich. Er betonte zugleich, Reisende trügen auch eine eigene Verantwortung für ihre Sicherheit: „Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte.“ Sein Amt sei aber mit allen Reiseverkehrsunternehmen in einem engen Gespräch.
Ähnlich hatte er sich zuvor in der Bild-Zeitung geäußert: Deutsche Reisende und auch in der Golfregion wohnende Staatsbürger mit Hilfe der Bundeswehr zu evakuieren, sei nicht möglich. „Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen.“
Nouripour: „Das ist staatliche Aufgabe“
Widerspruch gab es vom Grünen-Politiker Omid Nouripour: Er verwies bei Caren Miosga darauf, dass die Bundesregierung die Pflicht habe, deutschen Staatsbürgern auch in einer solchen Lage zu helfen. Es reiche nicht, mehrfach auf frühere Reisewarnungen zu verweisen. Wenn eine Ausreise über den Landweg zu Flughäfen in den Nachbarstaaten möglich sei, müsse der Staat diese Wege auch aktiv organisieren und unterstützen. „Das ist staatliche Aufgabe“, betonte Nouripour.
Nouripour betonte, dass die Bundesregierung bei ähnlich gelagerten Fällen in der Vergangenheit auch eine Evakuierung auf dem Landweg organisiert hätte.
Sollen jetzt die deutschen Touristen sich jetzt mit den russischen Touristen in Dubai drum prügeln, wer welches Auto mieten kann, damit man mit welchem Visum man auch immer nach Riad kommt? Das ist absurd.
Tausende auf Krisenvorsorgeliste
Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND habe sich bislang eine niedrige fünfstellige Zahl betroffener Deutscher in der Golfregion registriert – also mehr als 10.000 Menschen. Das können Urlauber sein oder im Ausland lebende Deutsche. Die Registrierung ist freiwillig.
Wichtige Flughafen-Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi und Doha sind geschlossen oder stark eingeschränkt. Betroffen sind auch Kreuzfahrten. Vom deutschen Anbieter TUI Cruises liegen die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ mit einer Kapazität für insgesamt gut 5.000 Reisende fest. Die Gäste befänden sich weiterhin an Bord der beiden Kreuzfahrtschiffe, hieß es.
Auch in Iran halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend Menschen auf, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates besitzen. Das sagte eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel. Viele von ihnen hätten allerdings auch die iranische Staatsangehörigkeit und wollten nicht zwingend das Land verlassen, ergänzte sie.
Source: tagesschau.de