Iran: Augenzeugen berichten von Toten nebst Protesten im Iran
Im Iran ist es bei den andauernden Protesten im Westen des Landes zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften gekommen. Augenzeugen in der Provinz Ilam berichten von mehreren Toten und vielen Verletzten in der Kleinstadt Malekschahi. Mehrere Demonstrierende seien festgenommen worden. Die Aussagen lassen sich nicht unabhängig prüfen, da die Behörden keine genauen Zahlen zu Festnahmen und Todesfällen nennen.
Medienberichten zufolge soll unter den Toten auch ein Mitglied der Sicherheitskräfte sein. Das berichtet die Nachrichtenagentur Mehr. Die Agentur hatte zuvor unter Berufung auf die Revolutionsgarden den Tod eines Mitglieds der paramilitärischen Basidsch-Miliz bei einer Demonstration „durch Messerstiche und Schüsse“ gemeldet.
Laut den Augenzeugen könnte die Rede des obersten Führers im Iran, Ali Chamenei, die Sicherheitskräfte ermutigt haben, in der Provinz härter gegen die Demonstrierenden vorzugehen. Chamenei hatte am Samstag jeglichen Dialog mit den „Unruhestiftern“ abgelehnt und strengere Maßnahmen gegen sie gefordert.
Verhaftungswelle gegen Demonstrierende
Die Proteste bezeichnete Chamenei als Verschwörung in- und ausländischer Feinde des Irans, die konsequent unterbunden werden müsse. Die Polizei spricht von einem „bewaffneten Aufstand“. Dieser müsse konsequent bekämpft werden.
Augenzeugen zufolge kam es auch in der Hauptstadt Teheran zu einer neuen Verhaftungswelle gegen die Demonstrierenden. Vor allem im Stadtzentrum und in der Nähe der Universität Teheran soll es wieder zu heftigen Protesten und Zusammenstößen mit der Polizei gekommen sein.
Proteste dauern seit einer Woche an
Die Protestierenden werfen Chamenei vor, das Land mit seiner kompromisslosen Politik in die internationale Isolation und damit in die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte geführt zu haben. Sie kritisieren auch, dass er die finanziellen Ressourcen des Landes eher für den Kampf gegen Israel als für die eigene Bevölkerung einsetze.
Im Iran gibt es seit sieben Tagen Proteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage. Zunächst demonstrierten vor allem Händler, inzwischen schlossen sich auch zahlreiche Studierende der Protestbewegung an. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten sind bislang mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Die jüngsten Vorfälle sind darin nicht eingerechnet. Mehr als hundert Demonstrierende sollen festgenommen worden sein. Einige dieser Fälle wurden auch von Staatsmedien bestätigt.